Auf gut Schwäbisch Mach koin Fez!

Im Grimm’schen Wörterbuch wird man bei „fätzen“ fündig. Foto: StN

Stuttgart - Inge Neumaier aus Stuttgart möchte gerne wissen, was der Spruch „Mach koin Fez!“ bedeutet.

Bei der Suche nach einem „Fez“ wird man leider nicht fündig. Ebenso ergeht es bei Wörtern mit „fetz“. Da es aber Wörter gibt, die mit „e“ geschrieben, aber mit „ä“ gesprochen werden – und das nicht wenige –, hilft eine entsprechende Suche. Im Grimm’schen Wörterbuch wird man bei „fätzen“ fündig. Das hier angegebene lateinische Wort „altercari“ bedeutet „einen Wortwechsel führen, streiten, zanken“. Unter dem von „fätzen“ abgeleitete „Fätz“ versteht man somit „Disput, Streitgespräch, Zank“. In früheren Jahrhunderten gab es auch den Begriff „Gefätz“, der dieselbe Bedeutung hatte wie „Fätz“ und auch als conflictio causarum (Rechtsstreit vor Gericht) diente.

„Aus den sechziger Jahren, als wir die ersten Mädchen angesprochen haben, ist mir ein Satz eingefallen, den die Mädchen zu uns sagten: ,Ha, du kasch mi faiferla‘. Sie sagten das immer, wenn sie nicht so wollten wie wir.“ Dies schreibt Karl-Heinz Fischer aus Rüdesheim und möchte erfahren, woher das Wort „faiferla“ stammt.

Es ist ganz offensichtlich, dass „fãêfårlå“ etwas mit der Zahl „fünf“ zu tun hat. Das Zahlwort „fünf“ hat im Schwäbischen verschiedene Aussprachen, nämlich „fênf, fêm(p)f, fãêf“. Woher diese Sprechweisen stammen, soll zunächst untersucht werden. 1. „fênf“: Es ist eine Regel in der schwäbischen Phonetik, dass die Silbe „ün“ als „ên“ ausgesprochen wird wie bei den Wörtern „Mênschdr, dênn, zêndlå“. 2. „fêmf“: Diese Form geht auf das althochdeutsche „fimf“ zurück. Wörter mit „im“ werden mit „êm“ gesprochen: „schêmpfå, êmmr, nêmme“. 3. “fãêf“: Diese Version ist die phonetische Folge des althochdeutschen und bis Ende des 15. Jahrhundert gebrauchten „feunf“. Ein „eun“ wird im Schwäbischen zu einem nasalen „ãên“: „Frãênd, nãê, fãêf“, die zwei letzten mit Ausfall des „n“.

Betrachten wir jetzt den Begriff „fün­ferlen“, wie er bei Grimm beschrieben ist. Die Zahl „fünf“ veranschaulicht die Menge, die an den Fingern der Hand abgezählt werden kann. Und so bedeutet „fünferlen“ zunächst „mit den fünf Fingern kratzen“. Von Nürtingen wird zitiert: „kannst mi fünferlen“ heißt „kannst mir auf dem Buckel kratzen“. Von hier aus ist es nicht weit zur Redensart: „Du kãsch-mr då Buggl rondr rutschå!“. Und in Fischers „Schwäbischem Wörterbuch“ geht es dann noch etwas weiter hinunter, denn dort heißt es: „Du kãsch mi fãêfårlå“= „Du kannst mich im Arsch lecken.“ In Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen“ liest man das „Götz-Zitat“ in der Form: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Beachtenswert ist hier das Wörtchen „im“, denn im Volksmund wird der Spruch eher mit „am“ gebraucht: „Läck-me amm Arsch!“ Anmerkung: Im Mittelhochdeutschen gab es auch die Schreibweise „läcken“, also in der lautgetreuen Sprechweise.

In der „Etymologie des Schwäbischen“ von Hermann Wax wird noch auf eine andere Quelle für „fünferlen“ hingewiesen. So soll bei diesem Begriff an die fünf Buchstaben des Wortes „Arsch“ gedacht worden sein, wie Lutz Röhrich in seinem „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ vermutet. Der Spruch des Tages kommt von H. Gackenheimer: „Früher sagte man öfters zu Kindern, wenn die Stufe drei des schlechten Verhaltens erreicht war: „Voulez-vous dr Ranza voll mit ma dicka Briegele!?‘“

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