Aus der Redaktion 10 Tipps für nachhaltige Weihnachten

Symbolbild. Foto: photocrew / Fotolia

An Weihnachten wird traditionell viel gegessen, viel eingekauft, viel dekoriert und viel verpackt. Zwischen Glitzerkugeln, Glühwein und Geschenkebergen sind die guten Vorsätze, Müll zu vermeiden und nachhaltiger zu leben schnell vergessen. Dabei gibt es ganz einfache Tipps, um das Weihnachtsfest nachhaltiger zu gestalten. Wir haben drei Experten befragt.

1. Kaufen Sie einen nachhaltigen Weihnachtsbaum

Auch wenn es für den Laien zunächst merkwürdig klingt: Weihnachtsbäume mit Wurzeln zum Wiedereinpflanzen sind laut Agraringenieur Dr. Martin Rometsch keine nachhaltige Alternative zum geschlagenen Christbaum. Der Profi vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger erklärt: Das Wurzelvolumen einer Nordmanntanne (die meistgenutzte Baumart als Weihnachtsbaum) sei für einen Topf schlicht zu klein. Die Bäume werden bereits im Topf gezogen, um das Wurzelwerk im Rahmen zu halten. Die sogenannte Pfahlwurzel wächst aber durch den Topf in die Erde hinein. Damit der Baum verkauft werden kann, wird die Pfahlwurzel gekappt, so dass der Baum über sie kein Wasser mehr aufnehmen kann. Die Überlebenschancen eines solchen Baumes sind äußerst gering. "Wenn man den Baum gut mit Wasser gießt, lebt er vielleicht ein bisschen länger als ein normaler Weihnachtsbaum. Man hat aber Wasser verschwendet und einen Plastiktopf zum Wegwerfen", sagt Dr. Rometsch. Er rät stattdessen dazu, einen Baum aus der Region zu kaufen, im Idealfall beim Landwirt um die Ecke. "Am besten informiert man sich darüber, wie und wo der Baum angebaut wurde und achtet auf möglichst geringe Transportwege."

2. Verschenken Sie langlebige Produkte

Viele herkömliche Weihnachtsgeschenke haben nach Ansicht von Jens-Peter Wedlich ein "Garantieverfallsdatum". Der Inhaber eines Unverpackt-Ladens im Stuttgarter Westen kritisiert, dass viele Produkte dazu ausgelegt sind, nach einer bestimmten Zeit entsorgt zu werden. Er empfiehlt stattdessen, sich "wertigen Geschenken" und langlebigen Produkten hinzuwenden. Das könnte zum Beispiel ein Rasierhobel sein. Diese sind zwar teurer als ein gewöhnlicher Rasierer aus Kunststoff, dafür halten sie deutlich länger und verursachen keinen Plastikmüll. Alternativ schlägt er eine schöne Trinkflasche aus Glas oder eine Edelstahldose für's Vesper vor.

3. Setzen Sie sich mit Material und Inhaltsstoffen der Geschenke auseinander

"Man sollte sich genau informieren, was man da verschenkt" rät Leandra Hamann, Biologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut. Die zu Weihnachten beliebten Kosmetikartikel können zum Beispiel Mikroplastik enthalten. Hier lohnt es sich, nach Alternativen zu suchen. Mikroplastik kann aber auch überall dort entstehen, wo Kunststoffe verwendet werden. Geschenke aus Kunststoff muss man aber deshalb nicht pauschal ablehnen. "Man muss abwägen, welches Material für mich das sinnvollste ist und welche Aspekte einem wichtig sind." In manchen Fällen kann so ein Produkt aus robustem Kunststoff das langlebigere und damit das nachhaltigere sein.

4. Kaufen Sie Geschenke im lokalen Einzelhandel

Jens-Peter Wedlich empfiehlt, Weihnachtsgeschenke im lokalen Einzelhandel zu kaufen. "Am besten in inhabergeführten Läden, wo sie professionell beraten werden". Dabei lohnt es sich auch, den Verkäufer direkt auf nachhaltige(re) Produkte anzusprechen.

5. Wenn Sie Online-Shoppen, dann bewusst

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) rät, Online-Einkäufe zu planen und bündeln. Nicht jedes Geschenk sollte einzeln bestellt werden. Das spart nicht nur Transportwege, sondern oft auch Verpackungsmüll. Generell gilt: Nichts online kaufen, was man in der Nähe bekommen kann und Retouren möglichst vermeiden. Mehr zum Thema "Wie umweltverträglich ist Online-Shoppen".

6. Achten Sie schon beim Einkauf auf die Verpackung

Kaufen Sie Geschenke, die weniger oder gar nicht verpackt sind. Bringen Sie zum Einkauf Taschen oder Körbe mit, um zusätzliche Transportverpackungen zu vermeiden.

7. Verpacken Sie Ihre Geschenke nicht oder umweltfreundlich

Was in Japan schon lange Tradition hat, könnte sich auch in Deutschland durchsetzen. Geschenke werden dort in einem quadratischen Tuch, „Furoshiki“ genannt, eingepackt. Das Tuch kann dann entweder weiterverschenkt, oder als Tragetasche oder Tischtuch umfunktioniert werden. „Wichtig ist, dass die Verpackung wiederverwendbar ist oder wenigstens recycelt werden kann“, findet Jens-Peter Wedlich. 

8. Verschenken Sie Selbstgemachtes oder Zeit

Weniger Konsum bedeutet meist mehr Nachhaltigkeit. "Alternativ zum Neukauf empfiehlt sich auch etwas Gebrauchtes oder Selbstgebasteltes zu verschenken", rät Leandra Hamann. Als weitere Option schlägt sie einen Gutschein für eine lokale Aktivität vor. Das könnte zum Beispiel ein Museumsbesuch oder eine Führung in einem Naturschutzgebiet sein. Auch Jan-Peter Wedlich hält viel von der Do-It-Yourself-Variante: „Selbstgemachtes ist immer wertvoller als Gekauftes“.

9. Kaufen Sie für das Weihnachtsessen regional und saisonal ein

Auch beim Festessen kann man auf Nachhaltigkeit achten. „Man kann Fleisch beim lokalen Metzger vorbestellen und dort darauf hinweisen, möglichst wenig Verpackung zu verwenden", schlägt Wedling vor. Er empfiehlt außerdem, auf Exoten zu verzichten. „Erdbeeren haben gerade einfach keine Saison.“ Auch aus Äpfeln oder Birnen ließen sich tolle Desserts zaubern. Statt Tomaten und Paprika rät er zu Kohl und Wurzelgemüse. „Nicht umsonst gehört traditionell Rotkraut zu vielen Braten dazu". 

10. Investieren Sie in langlebige Weihnachtsdeko oder machen Sie sie selbst

"Investieren Sie in Dekoration, die für Sie wertig ist und dessen Wert Sie langfristig schätzen. Dies führt dazu, dass Sie sie länger als eine Saison verwenden, reparieren und am Ende korrekt entsorgen oder weiterverschenken", rät Leandra Hamann. Es bietet sich außerdem an, Weihnachtsdekoration einfach selbst zu machen. Die Materialien findet man leicht bei einem winterlichen Waldspaziergang. Welche Materialien man dabei verwenden darf, lesen Sie hier


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