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Aus der Redaktion Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Hasliberg/Waiblingen.
Sonntagmorgen und schönster Sonnenschein, aber ich sitze auf dem Bett im Zimmer eines Gästebetriebs. Um mich herum stehen gefühlt Tausende Eimer mit Fläschchen, Lappen, Bürsten, Schwämmen und jeder Menge anderem Zeug. Es riecht nach Schmierseife. Warum bin ich hier an einem Sonntag am Putzen?

"Weiter schaffa!"

Mein Blick gleitet nach draußen auf die im Sonnenlicht glänzenden und verschneiten Berge der Schweiz. Der Putzlappen in meiner Hand, der Schweiß auf meiner Stirn und ein mahnendes „weiter schaffa!“ der Kollegin erinnern mich allerdings daran, dass die Realität eine andere ist. Wie gern würde ich jetzt auf meinen Skiern über die Piste düsen oder einfach draußen die Sonne genießen!

Aber auch wenn das sonntägliche Putzen bei diesem Wetter nicht gerade ein Spaß ist und mir doch einiges an Motivation abverlangt, gehört es zu meinem Europäischen Freiwilligendienst dazu. Den absolviere ich für ein halbes Jahr im CVJM Zentrum in Hasliberg.

Ich mache das gern

Das ist vergleichbar mit einer Jugendherberge hier in Deutschland und drei Gästehäuser sowie zwei Jugendhäuser gehören zu diesem. Überwiegend Schulklassen, Konfirmandengruppen oder Kirchengemeinden verbringen dort ein paar Tage Ferien. Außerdem gibt es etwas unterhalb des Geländes eine urige kleine Berghütte, das „Schürli“, mit getrennten Wohn- und Schlafhaus.

Da das Putzen eben zu meinem Freiwilligendienst dazu gehört, mache ich es gern. Ich kann helfen, dass die Menschen, die sonst eher weniger die Möglichkeit haben, Ferien zu machen, ein sauberes Zimmer vorfinden und einen schönen Aufenthalt haben.

Total anstrengend, aber ich bin trotzdem dankbar

Deshalb erhebe ich mich schnell wieder von meiner gemütlichen Sitzgelegenheit und bearbeite die alten Holzmöbel mit Politur. Anschließend müssen im nächsten Zimmer die Decken geschrubbt werden. Das ist total anstrengend.

Aber ich bin trotzdem sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, hier zu sein. Nach dem Abi habe ich mir für die endgültige Entscheidung über meine Zukunft viel zu viel Zeit gelassen. Die meisten Bewerbungsfristen für Freiwilligendienste im Ausland waren schon im Herbst 2015 abgelaufen.

Durch Zufall in die Schweiz gekommen

Ich wollte aber unbedingt einen Freiwilligendienst machen, auch um mehr über meine Persönlichkeit herauszufinden. Durch Zufall bin ich dann zu dieser Einsatzstelle in der Schweiz gekommen. Meine Freundin Magdalena war vor mir schon einmal dort und hat mich mit dem Zentrumsleiter in Kontakt gebracht.

Nach diesem kräftezehrenden Tag bin ich dennoch froh, auf dem Sofa zu liegen. Kurz danach kommt Magdalena nach Hause und setzt sich total erschöpft neben mich. Wir hören ein lautes Poltern und unsere Mitbewohnerin kommt die Treppen hoch gerannt.

"Wir müssen hier mal dringend aufräumen!"

Sie sprüht trotz langem Arbeitstag vor Energie und weist uns schon bald darauf hin: „Wir müssen hier mal dringend aufräumen!“. Für uns ist das aber gerade eher zweitrangig. Genau in diesem Moment nehmen wir einen lauten hohen Pfeifton wahr: der Feueralarm! Das erinnert uns daran, dass sich unsere Wohngemeinschaft direkt auf dem Gelände des Zentrums befindet. Mir bleibt keine andere Wahl, als zur Brandmeldeanlage zu sprinten...

Den Feueralarm hat mal wieder das „Schürli“ ausgelöst. Ein Schullager war gerade am Kochen.

Viele Charaktere unter einem Dach

Das ist ein typischer Tag in der Unterkunft direkt auf dem Zentrumsgelände, in der ich während des Freiwilligeneinsatzes wohne. Ich lebe dort gemeinsam mit Magdalena, einer Schweizerin und einem Schweizer, die auch einen Freiwilligeneinsatz absolvieren.

Beim Thema Aufräumen merkt man schon, dass es nicht immer ganz einfach ist, mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten unter einem Dach zu wohnen. Genau das ist aber auch spannend und herausfordernd. Wir verstehen uns trotzdem gut und sind eine eingespielte Gemeinschaft.

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