Ausblick der Reisebranche Griechenland bei Urlaubern stark gefragt

Sommer, Sonne, Strand – viele Urlauber zieht es nach Griechenland. Die Inselwelt der Ägäis steht in der Gunst der Reisenden ganz weit oben.Sommer, Sonne, Strand – viele Foto: dpa

Berlin -

Für lange Telefonate hat Petra Zwerg aktuell kaum Zeit. Die Leiterin des Tui Reisecenters im brandenburgischen Schwedt muss sich um ihre Kundschaft im Laden kümmern. „Es läuft derzeit wirklich super“, sagt die Reisebüro-Chefin. Die oft trüben Wintertage rund um den Jahreswechsel nutzen viele Sonnenhungrige dafür, den nächsten Sommerurlaub zu buchen. „Vor allem Badeziele rund ums Mittelmeer und Kreuzfahrten sind sehr stark gefragt“, berichtet Zwerg. Besonders erfreulich sei, dass nun wieder mehr Familien die nächsten Sonnenziele im Reisebüro buchen. Bei dieser Zielgruppe habe es zuvor deutliche Zurückhaltung vor allem wegen der Terroranschläge in beliebten Reiseländern wie der Türkei, Ägypten und Tunesien gegeben. Nun sei der Nachholbedarf umso größer.

Die drei Krisenländer, die der Touristikbranche heftige Probleme und Umsatzeinbrüche bescherten, sieht zumindest Norbert Fiebig auf dem Weg der Besserung. „Der eingeschlagene Wachstumskurs wird sich aller Voraussicht nach weiter fortsetzen“, hofft der Präsident des Deutschen Reiseverbands. Besonders Ägypten erlebt seit Jahren schwere Zeiten, schaffte aber zuletzt einen kleinen Aufschwung. Trotz weiterer Anschläge verbuchte das reizvolle Land der Pyramiden, Tempel und Pharaonengräber laut einer GfK-Studie in der abgelaufenen Sommersaison ein Umsatzplus von 55 Prozent bei deutschen Gästen.

Deutsche Urlauber meiden Türkei

Ein großes Fragezeichen steht hinter der Entwicklung der Türkei. Trotz vieler Schnäppchen und des besten Preis-Leistungsverhältnisses hat sich die Zahl deutscher Urlauber in den letzten zwei Jahren fast halbiert. Auch in der abgelaufenen Saison schrumpften die Umsätze bei den Veranstaltern erneut, nur das Last-Minute-Geschäft lief gut. In der Gunst deutscher Urlauber ist die Türkei hinter Spanien und Griechenland auf Platz 3 zurückgefallen.

Besonders die beiden direkten Konkurrenten erleben durch die Verlagerung der Reiseströme einen Boom, der auch Schattenseiten hat. In Spanien haben die Preise stark angezogen, auf Mallorca ist zeitweise kaum noch ein freies Plätzchen an vielen Stränden zu finden. Die Widerstände bei Einheimischen gegen die Touristenflut wachsen, es gab auf der Insel bereits Protestdemos und Straßensperrung. Vor diesem heiklen Thema dürfe die Branche „nicht die Augen verschließen“, mahnt Fiebig.

Die Stimmung in der Touristik bleibt dennoch optimistisch. Das zeigte sich kürzlich auch bei der DRV-Jahrestagung von 600 Branchenvertretern im aufstrebenden Emirat Ras Al-Khaimah am Arabischen Golf. Nach vorläufigen GfK-Zahlen wuchs der Umsatz der deutschen Reiseveranstalter im abgelaufenen Touristikjahr (Stichtag 31. Oktober) um mindestens zwei Prozent.

Von der Flüchtlingskrise lassen sich viele Urlauber nicht abschrecken

Darin sind noch nicht alle Erlöse enthalten, weil die Ergebnisse aus dem weiter boomenden Kreuzfahrtgeschäft, von Spezialveranstaltern und aus Callcentern teils noch fehlen, ebenso Direktbuchungen bei Hotels und Airlines. Das gesamte Wachstum liege daher wohl noch höher, betont Fiebig. Auch für 2018 wird ein Zuwachs von zwei Prozent erwartet.

Gewinner der Saison ist Griechenland, das ein weiteres Umsatzplus von 30 Prozent verzeichnet. Die Inselwelt der Ägäis stieg im Sommer 2017 zur zweitbeliebtesten Destination deutscher Urlauber nach den Balearen auf. „Griechenland bleibt auch für den Sommer 2018 stark gefragt“, sagt Reisebüro-Chefin Zwerg. Viele bisherige Türkei-Urlauber weichen nun nach Kreta, Rhodos oder Mykonos aus. Von der Flüchtlingskrise in der Region und Auffanglagern auf Inseln wie Lesbos lassen sich Touristen dabei offenbar kaum abschrecken.

Solche Probleme werden in der Urlaubszeit meist lieber verdrängt und das klappt auf hoher See besonders gut. Das Kreuzfahrtgeschäft boomt weiter, Umsatz- und Passagierzahlen wachsen zweistellig. Zahlreiche neue Schiffe sollen auch 2018 das Geschäft weiter florieren lassen. In einigen Hafenstädten wie Venedig, Dubrovnik oder Barcelona wächst jedoch ebenfalls die Kritik an der Touristenflut, die in die City strömt, wenn mehrere Megaliner gleichzeitig für ein paar Stunden anlegen.

Reisebranche umwirbt Familien

Auch für Familien sind die einst sehr teuren Seereisen dank vieler Schnäppchen bezahlbar geworden. Die Reisebranche umwirbt diese wichtige Zielgruppe verstärkt, mit Festpreisen für den Nachwuchs und Hotels, die Familienzimmer, Apartments, Animation oder Kinderpools bieten. Bei Neckermann zum Beispiel können Familien mit Kindern unter 15 Jahren auf der Kurz- und Mittelstrecke Plätze im Ferienflieger Condor ohne den sonst üblichen Aufpreis reservieren und bekommen Snacks und Getränke kostenfrei. Früher war solcher Service kaum erwähnenswert. In Zeiten von Billigfliegern sieht Neckermann darin ein Alleinstellungsmerkmal.

Der scharfe Wettbewerb in der Touristik könnte 2018 weitere Anbieter die Existenz kosten. Besonders Reisebüros müssen exzellente Beratung bieten und Stammkunden binden, um gegen die stark wachsende Online-Konkurrenz bestehen zu können. Auf weitere Turbulenzen wie im abgelaufenen Jahr, das mit den Pleiten von Air Berlin, Niki und JT Touristik ziemlich unruhig verlief, werden Reisende gerne verzichten.

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