Autosommer 2011 "Im Zweifel ist Sicherheit mehr wert als die Umwelt"

„Das Auto war und ist immer noch ein besonderes Gut in den Köpfen der Menschen“, sagt Verkehrspsychologe Chiellino – was auch die schicken Inszenierungen des Guts (hier VW Wolfsburg) zeigen. Foto: dpa

Stuttgart - Die Liebe zum Auto scheint unerschöpflich - allen Staus, steigenden Kosten und Umweltauflagen zum Trotz. "Das Auto war und ist immer noch ein besonderes Gut in den Köpfen der Menschen und wird es auch bleiben", sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino.

Herr Chiellino, warum wählt ein Autofahrerland wie Baden-Württemberg ausgerechnet einen Grünen zum Ministerpräsidenten?

(lacht). Ich denke, dass bei dieser Wahl nicht die klassischen Autothemen im Vordergrund standen, sondern andere wichtige Themen.

Die Belange der Autofahrerpartei spielen heute politisch keine Rolle mehr?

Das würde ich so nicht sagen. Es gibt einige heiße Eisen; wenn Sie nur an die Maut oder das Tempolimit denken. Oder an die Frage, ob die Fahreignung ab einem gewissen Alter obligatorisch geprüft werden sollte. Diese Fragen werden sicher bei einer der nächsten Wahlen wieder mehr Gewicht bekommen.

Ungeachtet der politischen Bewertung hat das (schnelle) Auto weiter einen sehr hohen Stellenwert. Warum eigentlich? Nur aus der Tradition heraus?

Das Auto war und ist immer noch ein besonderes Gut in den Köpfen der Menschen und wird es auch bleiben. Die Statusfunktion des Autos bleibt erhalten, wenngleich sich die Inhalte einem Wandel unterziehen. Der Trend geht weg von Schnelligkeit und Sportlichkeit hin zu Umweltverträglichkeit und Sicherheit.

Noch ist der Porsche aber attraktiver als das Drei-Liter-Auto. Warum gehen Hunderttausende gegen Atomkraft auf die Straße, lassen sich aber nicht mit Umweltargumenten das Autofahren vermiesen?

Das Thema Atomkraft ist subjektiv mit einem ganz anderen Risiko und damit einem entsprechenden Stellenwert behaftet - schon immer und jetzt natürlich ganz besonders. Das ist das eine. Warum Umweltargumente beim Autofahren bzw. beim Autokauf nicht die Bedeutung einnehmen, hat vor allem mit dem Mobilitätsbedürfnis zu tun. Das heißt, ein Auto ist zunächst einmal ein Auto; es dient der Fortbewegung, ganz gleich, wie viel es verbraucht oder ausstößt. Die Schädigungen, die ich an der Umwelt verursache, bleiben für mich abstrakt, unmittelbare Folgen sind nicht greifbar. Auch Grenzwerte für Emissionen sind für den normalen Autofahrer oft nicht mehr als ein schwer begreifliches Zahlenwerk. 

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