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Backnang Facebookparty: 1000 Jugendliche, gegen Ende Eskalation

Backnang.

Die Polizeimeldung Stand 1:30 Uhr

Die für Samstagabend angekündigte Facebook-Party, zu der mehr als 20.000 Facebook-Jünger ihr Kommen zugesagt hatten, fiel im doppelten Sinne ins Wasser. Die Polizei konnte die Veranstaltung, die im Vorfeld von der Stadt Backnang verboten worden war, unterbinden. Die circa 1.000 Partygäste, die sich im Laufe des Nachmittags in der Gerberstadt eingefunden hatten, wurden nicht auf das Freizeitgelände Plattenwald, wo die Party hätte stattfinden sollen, gelassen. Als die Besucher vor dem Freizeitgelände standen, setzte gegen 21.15 Uhr ein starkes Unwetter ein, so dass die letzten Unermüdlichen gezwungen waren den Heimweg anzutreten. Die Partygäste, die teilweise schon erheblich alkoholisiert mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Backnang gekommen waren, hatten sich in den Geschäften der Gerberstadt noch mit entsprechend Alkohol „aufmunitioniert“. Vor einem Laden in der Gartenstraße kam es zu unschönen Szenen, als Partybesucher dazu aufforderten, den Laden zu stürmen. Darüber hinaus wurden vor dem Laden Glasflaschen zertrümmert. Erst durch das beherzte Einschreiten von Beamten des Antikonfliktteams konnte die Lage beruhigt werden. Als die Menschenmenge über den Häfnersweg in Richtung Plattenwald zog kam es am Beginn des dortigen Waldes zu Übergriffen auf die Polizeibeamten. Aus der Menschenmenge wurden Flaschen in Richtung der Einsatzkräfte geworfen und ein bengalisches Feuer gezündet. Bei den Flaschenwürfen wurden eine Partybesucherin und zwei Einsatzbeamte getroffen und verletzt. Der Rettungsdienst musste die Frau ins Krankenhaus einliefern. Sieben Besucher wurden mit Kreislaufschwächen im Krankenhaus und weitere zwei ambulant versorgt. Weiterhin wurden insgesamt drei Sachbeschädigungen bekannt, zwei an Polizeifahrzeugen und eine an einem Linienbus. Im Zusammenhang mit diesen Straftaten kam es zu insgesamt sechs kurzfristen Festnahmen.

Video von StuggiTV auf Youtube

 


Der Regen hat die Facebook-Party vorzeitig beendet. Zum Glück für die Partygäste hatte das Unwetter in Backnang keine schlimmen Folgen. Die Polizei zeigte sich zufrieden mit ihrem Einsatz und dem Abschluss der Party. Die Administratoren posten zum Abschluss der Plattenwald Project X Party:

"Update-Stand 30.6 - 23.40 Uhr:
Die Party war der Hammer! Die Polizei konnte diese Party niemals aufhalten, trotz Verbote etc!
Hätte das Wetter nicht so umgeschlagen, wär Backnang eskaliert! Nun zum nächsten Event:

Habt ihr Lust auf Backnang 2.0 (also nochmal in Backnang) oder ein neuer Ort?
Bitte unten oder in unserer Facebook-Gruppe abstimmen!.
Bei neuem Ort... welcher?"

Gegen 21 Uhr erreichte die Party mit etwa 1000 Jugendlichen ihren Höhepunkt. Die Menge war in der dem Plattenwald angrenzenden Wohnsiedlung angekommen. Die Polizei verhinderte den Zugang zum Plattenwald. Drei Jugendliche erlitten aufgrund der Hitze und des Alkoholkonsums einen Kreislaufzusammenbruch und mussten von Sanitätern behandelt werden. 

Als die Partygänger auf die Polizisten trafen, eskalierte die Situation kurzzzeitig. Ein junger Mann zündete ein bengalisches Feuer und wurde daraufhin von der Polizei festgenommen. Es wurden Flaschen geworfen, wobei eine junge Frau verletzt wurde. "Die Stimmung war aggressiv, aber nachdem wir massive Polizeipräsenz gezeigt haben, hat sich die Lage beruhigt", berichtet ein Polizeisprecher. Das herannahende Unwetter habe viele Jugendliche dann motiviert, die Party zu verlassen. Einige zogen zum Feiern zunächst wieder zurück in die Backnanger Innenstadt.  Viele wollten mit der S-Bahn nach Hause fahren.  Ein Oberleitungsschaden durch einen umgestützten Baum verhinderte die Abfahrt.  Hunderte von Jugendlichen warteten daraufhin stundenlang am Backnanger Bahnhof und feierten eine Ersatzparty, die von der Polizei bald beendet wurde.

Eine Anwohnerin berichete gegen 21 Uhr, wie die Jugendichen vor ihrer Haustür auf und ab liefen: Es sei schon "ein ganz schönes Chaos" und die zunehmend alkoholisierten Jugendlichen vor ihrer Haustür wüssten sichtlich nicht wohin.  Ihre beiden Söhne seien froh, nicht dabei zu sein, obwohl einige ihrer Freunde draußen feierten. Zum Glück stehe das Auto in der Garage. "Ich bin entsetzt, wie leicht sich diese Jugendlichen offenbar manipulieren lassen. Da muss nur mal jemand etwas auf Facebook posten und schon kommen alle. Das ist ein ganz schöner Herdentrieb", sagt sie.

Zunächst war fraglich, ob überhaupt viele Jugendliche kommen würden. Die S-Bahn, die um 18:17 in Backnang ankam, war dann aber brechend voll. Um 20 Uhr waren in der Backnanger Innenstadt  etwa 800 Jugendliche. Viele steuerten zunächst einen Supermarkt an, um sich mich Alkohol einzudecken, der ihnen dann von den Polizisten wieder abgenommen wurde.
Der Plattenwald blieb menschenleer. Bis auf die Gäste der Gartenfreunde Backnang, die schon seit langem ihr Gartenfest von Samstag bis Montag geplant hatten,  und dieses mit einer Sondergenehmigung auch veranstalten dürfen. Eine siebzehnjährige Frau hielt das Aufenthaltsverbot und den Polizeieinsatz übertrieben:  "Die Stadt Backnang ist selbst schuld. Die haben verpasst, die Party zu organisieren und mit dem Getränkeverkauf Geld zu verdienen." Eine 73-jährige Anwohnerin wollte sich nach eigenen Angaben selbst bei Facebook anmelden, um die Posts zum Massenevent zu verfolgen. Ihr Mann habe es ihr allerdings verboten.

Die Polizisten hatten  alle Hände voll zu tun, Jugendliche zur Umkehr zu überreden oder ihnen Alkohol abzunehmen. Sogar Hubschrauber waren im Einsatz. Eine Verlagerung der Party an andere Orte hat es jedoch nicht gegeben.

Auf der Facebookseite teilten die Partygänger ununterbrochen Fotos  und Eindrücke. Ein junger Mann freute sich: "Vor dem abgesperrten Gebiet darf man sein! Polizei gefragt!" Ein anderer schrieb:  "Kommt alle du Polizei ist korrekt ahha.. Der will mit uns Party.macheb."

Ein Auszug aus den öffentlichen Kommentaren im Internet:

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