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Backnang Mord in der Asien-Perle: Brustbein und 21 Rippen gebrochen

Hat für den Zeitraum von etwa einer Woche im Restaurant Asien-Perle gearbeitet: Dumitru A., einer der beiden Angeklagten. Foto: Alexander Becher

Backnang/Stuttgart. Schier endlos erschien die Liste der Verletzungen, die der rechtsmedizinische Gutachter Prof. Dr. Frank Wehner vortrug. Minutenlang, Seite für Seite gab er die Ergebnisse der Obduktion Aie Wus wieder. „Es gab vielfache Zeichen massiver, stumpfer Gewalt, besonders im Bereich des Kopfes“, sagte er.

Es lässt sich nur erahnen, was die 53-jährige Besitzerin des Restaurants Asien-Perle in jener Nacht auf den 4. März 2016 erleiden musste, ehe sie ihren massiven Verletzungen erlag. Hatte die Expertin für die Analyse des Blutmusters noch etwa 8 oder 9 nachweisbare Gewalteinwirkungen auf das Opfer erkennen können, korrigierte der Rechtsmediziner diese Zahl weiter nach oben: „Ich komme da auf deutlich mehr, mindestens 20 bis 30 abgrenzbare Gewalteinwirkungen.“

Auf die Frage der Anwältin der Nebenklage, Jutta Heck, wie lange Aie Wu habe leiden müssen, zögerte der Experte. Es sei von einem recht schnellen Tathergang auszugehen, den er spontan auf etwa drei bis fünf Minuten bezifferte. Hinzu komme die Zeit, bis die 53-Jährige aufgrund ihrer Verletzungen das Bewusstsein verloren hat. Er schätzte diese auf weitere etwa fünf Minuten. Betretenes Schweigen.

Todesursache: Massives Trauma im Bereich des Brustkorbs

Die Todesursache, da ist sich der Rechtsmediziner seiner Sache sicher, sei das massive Trauma im Brustkorbbereich gewesen. Auf einer Seite seien neun, auf der anderen Seite alle zwölf Rippen gebrochen gewesen, teilweise sogar mehrfach. Ebenso wies das Brustbein Frakturen auf. „Da kann die Atmung nicht mehr richtig funktionieren“, schloss Wehner.

Diese Verletzungen müssten jedoch nicht zwangsweise von Schlägen oder Tritten herrühren. Möglich sei auch, dass sich ein Täter mit Schwung auf den Brustkorb der zierlichen Frau gesetzt habe. Durch die Verletzungen sei die 53-Jährige wohl innerhalb einer Viertelstunde gestorben. „So etwas sehen wir nur selten“, sagte der Gerichtsmediziner im Hinblick auf die schwerwiegenden Verletzungen. Ob das die einzige, tödliche Verletzung gewesen sei, wurde Wehner gefragt. Hier musste er verneinen.

„Die Kopfverletzungen hätte sie überleben können“, schätzte er trotz der Vielzahl der Verletzungen. Doch sei vermutlich durch einen kräftigen Tritt in den Bauch das Darmaufhängeband zerrissen – das gebe es sonst meist nur bei heftigen Verkehrsunfällen. Das hätte unbehandelt wohl innerhalb einer halben Stunde zur innerlichen Verblutung geführt.

Die Reihenfolge der Gewaltanwendungen ist nicht genau klar

Über die genaue Reihenfolge der Verletzungen konnte und wollte sich Wehner nicht festlegen. Eine Dynamik sei aber auch in Anbetracht der Blutspuren nachvollziehbar. Die Abwehrverletzungen, die Aie Wu an den Armen aufwies, müssten ihr recht früh zugefügt worden sein, „als sie sich noch wehren konnte“. Hingegen seien ihr die Verletzungen im Brustbereich wohl zuletzt zugefügt worden, als sie schon am Boden lag. Auch Abdrücke am Hals der 53-Jährigen, die Wehner als Fingerabdrücke identifizierte, seien am Schluss der Tat anzusiedeln.

Als der psychiatrische Gutachter, Dr. Peter Winckler, nach einer erkennbaren Motivation der Tat fragte, musste Wehner passen. Das sei rechtsmedizinisch nicht festzustellen. Er könne lediglich sagen, dass es ein dynamisches und intensives Geschehen gewesen sei, das mit schneller und starker Gewalt ausgeführt wurde.

Frau des Angeklagten sackt im Gericht zusammen

Nahmen beide Angeklagten das Verfahren bisher mit versteinerter Miene hin, so änderte sich dies beim Eintreten der nächsten Zeugin, der Frau Dumitru A.s. Am ganzen Körper zitternd und aschfahl im Gesicht nahm die 37-Jährige Platz – ein Anblick, der ihren Mann offenbar nicht kaltließ. Dumitru A. senkte seinen Blick, schirmte die Augen mit der Hand ab. Nur vereinzelt schaute er zu seiner Frau, sein Gesicht sah dabei schon beinahe schmerzverzerrt aus. A.s Frau sprach nur wenig und leise. Sie wollte keine Aussage machen, könne dies auch gar nicht, da sie nichts über die Tat wisse. Als der Richter fragte, ob die Angaben, die sie bei der Polizei gemacht hatte, verwertet werden dürfen, verneinte sie. A. verwies mehrmals darauf, dass sie sich nicht wohlfühle, auch krankgeschrieben sei. Nach ihrer Entlassung aus dem Gerichtssaal sackte die 37-Jährige auf dem nächstbesten Stuhl zusammen, so dass ein Ersthelfer gerufen wurde, der sich um die offenbar sehr mitgenommene Frau kümmerte.

Wie ihre Schwester zuvor machte auch Dumitru A.s Schwägerin von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Die Angaben, die sie zuvor bei der Polizei gemacht hatte, ließ sie ebenfalls nicht verwerten. Die 27-Jährige soll eine Zeit lang mit dem zweiten Angeklagten, Constantin C., liiert gewesen sein.

Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

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