Backnang/Stuttgart Studenten drehen Film über die Loverboy-Masche

Die Produzenten Lasse Bickelmann, Niklas Straub und Dominik Reiland. Niklas Straub ist darüber hinaus auch für Drehbuch und Regie verantwortlich. Foto: Privat

Backnang. Girl meets Boy – ohne Happy End. Studenten der Hochschule für Medien in Stuttgart drehen in Backnang einen Kurzfilm über die Loverboy-Masche: Männer, die junge Frauen zur Prostitution zwingen.

Elenore verliebt sich in Danny, weil er anders ist. Er ist 20, sie ist 15 Jahre alt. Bei ihm kann sie vor nervigen Mitschülern und streitenden Eltern fliehen. Er hört ihr zu. Sie ist für ihn da, er für sie. Eine Beziehung wie aus dem Bilderbuch, auf Augenhöhe, im Einvernehmen. Doch der Schein trügt und die brutale Wahrheit ist am Ende: Danny ist ein Loverboy. Seine Liebe ist nicht echt, sondern Mittel zum Zweck.

Ein Jahr Planung

Loverboys treiben junge Mädchen und Frauen in die emotionale oder finanzielle Abhängigkeit, um sie zur Prostitution zu zwingen. Elenore und Danny bilden die Geschichte eines Kurzfilms, Loverboys sind eine Masche in der Realität.

Regisseur Niklas Straub setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander, bevor er sich Mitstreiter suchte, die mit gleichem Engagement dabei sind: Lasse Bickelmann und Dominik Reiland. Ein Jahr Planung haben die drei Studenten der Hochschule Medien in Stuttgart in das freiwillige Projekt des Kurzfilms gesteckt. Auf die aktuellen Semesterferien wird verzichtet: „Wir müssen alle Prozesse steuern, organisieren Ablauf und Planung und am Ende stehen wir für alles gerade“, sagt Lasse.

Ab dem 11. März wird sieben Tage in Backnang gefilmt. Der Film selber „spielt in irgendeiner Großstadt, es ist nicht einmal klar, ob in einer europäischen Stadt“, sagt Niklas Straub. Die Szenerie soll in jede Welt übertragbar sein.

„Wir wollen etwas Neues machen“

„Die Produzenten sehen den Film ja vor allen anderen in ihrer Vorstellung. Sie glauben daran, wenn noch nichts feststeht“, sagt Dominik Reiland. Genau das machte Niklas Straub und schrieb ein Drehbuch, das keine Klischees, sondern die Realität widerspiegeln und gleichzeitig auf das unterschätzte Thema Loverboys hinweisen soll. „Wir wollen zeigen, wie effizient die Loverboy-Masche arbeitet“, sagt Dominik. Elenore soll kein naives und verliebtes Mädchen sein, ihr soll nicht die Eigenständigkeit abgesprochen werden.

„Wir wollen nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen“, sagt Lasse. Stattdessen soll die Geschichte nachvollziehbar sein, für den Zuschauer begreiflich: Er soll sich nicht für klüger halten als Elenore. „Am Ende soll sich der Zuschauer im Kino erwischt fühlen und sich fragen, wie diese Situation entstehen konnte“, sagt Niklas. Unterstrichen soll das durch Bildsprache und Licht werden. Besonders die Emotionen von Elenore sollen sich widerspiegeln. „Wir wollen etwas Neues machen“, sagt Niklas Straub.

Crowdfunding-Kampagne bis 16. März

Die Statistik fasst die Loverboy-Masche unter sexuelle Ausbeutung. 2016 waren deutsche Frauen die größte Opfergruppe. Über die Hälfte von ihnen minderjährig. Vereine wie „Liebe ohne Zwang“ und „no loverboys“ versuchen aufzuklären und ein Bewusstsein bei Jugendlichen zu schaffen, um diese Beziehungsmuster rechtzeitig zu erkennen. Diesen Organisationen sollen die Einnahmen des Kurzfilms zugutekommen, er wird auch als Lehrmaterial zur Verfügung gestellt werden. Die drei Produzenten und ihr Team hingegen stellen den Kurzfilm ehrenamtlich auf die Beine.

Keiner am Set wird daran verdienen, auch die Schauspieler nicht. Dennoch wollen Filmkulisse und Kameraausrüstung bezahlt werden. Hierfür wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Noch bis Ende der Dreharbeiten, 16. März, kann unter www.elenore-film.de das Projekt unterstützt werden. Wer den Film mitfinanziert, erhält im Gegenzug exklusiven Zugang zum fertigen Film, eine Einladung auf die Premiere im Herbst oder einen Besuch am Set mit persönlicher Führung.

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