Backnang Vorsicht vor K.-o.-Tropfen an Fasching

Nur wenige Tropfen genügen, um das Opfer schläfrig zu machen. Foto: picture alliance (dpa)/A. Scheidemann

Backnang. Faschingszeit ist Partyzeit. Doch Vorsicht: Partybesucher sollten auf ihre Getränke aufpassen. Immer wieder werden hauptsächlich junge Frauen Opfer von Giftmischern. Die Polizei rät besonders in der närrischen Zeit zur Vorsicht vor K.-o.-Tropfen.

Kurz mal das Glas für einen Gang nach draußen stehen lassen, für einen Moment durch ein Gespräch abgelenkt werden oder sein gefülltes Glas aus den Augen verlieren – ein Unbekannter nutzt die Chance, schmeißt eine Runde für die ganze Bar und tröpfelt nebenher wenige Tropfen einer nicht bekannten Substanz in ein Glas – so oder so ähnlich spielen sich die Szenarien ab, in denen Gelegenheiten entstehen, unbeobachtet etwas ins Getränk gemischt zu bekommen.

„Man sollte es immer im Blick behalten und bei offenen Getränken, die einem von Unbekannten spendiert werden vorsichtig sein“, sagt Rudolph Biehlmaier, Polizeipressesprecher vom Polizeipräsidium Aalen. Er kennt diese Fälle, die in der Faschingszeit zwar vermehrt vorkommen, aber auch dann passieren, „wenn viele Menschen irgendwo zusammen feiern und zusammen trinken“. Eine Statistik von derartigen Betäubungsdelikten gebe es so gut wie nicht. Biehlmaier kann deshalb auch keine Zahlen vorlegen: „Das ist schwer, solche Delikte statistisch nachzuweisen. Erfahrungsgemäß werden bei der Polizei immer wieder Vorkommnisse angezeigt, dabei handelt es sich aber dann meistens um Verdachtsfälle. Und viele dieser Verdachtsfälle verlaufen im Sand.“

Einfache Vorsichtsmaßnahmen können helfen

Vorbeugen könne man eigentlich nur durch einfache Vorsichtsmaßnahmen. Der Sprecher der Polizeidirektion betont nochmals: „Man kann sich nur schützen, indem man seine Getränke grundsätzlich selber bestellt, entgegennimmt und immer im Blick behält. Offene Getränke von Fremden sollte man generell ablehnen.“

Bei den K.-o.-Tropfen handelt es sich laut Landeskriminalamt meistens um das sogenannte Liquid Ecstasy – eine farb- und geruchlose Substanz. Schon zehn bis zwanzig Minuten nach der unbewussten Einnahme würden die Tropfen zu wirken beginnen: „Nach anfänglicher Euphorie folgen Übelkeit, Schwindel und plötzliche Schläfrigkeit“, beschreibt Gerhard Klotter, Vorsitzender der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, die Symptome. Das Opfer wache später auf und kann sich an nichts erinnern.

Nur wenige Stunden nachweisbar

„Eine Kombination aus Alkohol oder anderen Drogen mit solchen K.-o.-Tropfen ist besonders gefährlich. Häufig kann sich das Opfer danach gar nicht oder nur noch verschwommen daran erinnern, was passiert ist. Durch diesen Mischkonsum erhöht sich zudem enorm das Risiko, einen gesundheitlichen Schaden davonzutragen“, warnt Klotter.

Hat man den Verdacht, dass einem K.-o.-Tropfen verabreicht wurden, beispielsweise weil man motorische oder psychische Auffälligkeiten verspürt, die man sich nicht erklären kann, sollte man schnellstens einen Arzt aufsuchen. „K.-o.-Tropfen können nur wenige Stunden nach dem Konsum in Urin oder Blut nachgewiesen werden“, sagt Rudolph Biehlmaier. Dann sei es wichtig, sofort Anzeige bei der Polizei zu erstatten, denn das Verabreichen von K.-o.-Tropfen kann verschiedene Straftatbestände erfüllen, wie gefährliche Körperverletzung oder Verstöße gegen das Betäubungs- beziehungsweise Arzneimittelgesetz.

Der Ausgangsstoff für die Tropfen ist frei erhältlich

Wie man an solche Tropfen kommt? Laut Polizei ist das unglücklicherweise gar nicht so schwer. In der Drogenszene sei ein Anstieg des GBL-Konsums (Gamma-Butyrolacton) zu beobachten. Sogenannte freie Online-Apotheken, wo jedermann ohne Rückfragen GBL kaufen kann, decken den Bedarf. GBL wird als Ausgangsstoff für die Produktion von GHB (Gammahydroxybuttersäure beziehungsweise Liquid Ecstasy) verwendet.

Es klingt paradox, aber die chemische Vorstufe von Liquid Ecstasy, den mit Abstand verbreitetsten K.-o.-Tropfen, ist ohne unüberwindliche Schwierigkeiten erhältlich. Die unbehandelte Flüssigkeit wandelt sich im Körper von selbst zu Liquid Ecstasy um. Man benötigt dafür weder eine ärztliche Verschreibung, noch muss man sich in eine Apotheke begeben. Legale Online-Shops und manchmal sogar ganz normale Baumärkte verkaufen dieses Mittel, für dessen eigentlichen Verwendungszweck es bisher keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Das frei im Handel erhältliche Lösungsmittel GBL unterliege nur deshalb nicht dem Betäubungsmittelgesetz, weil es in der Industrie als Lösungsmittel in großen Mengen benötigt wird. Obwohl es eine freiwillige Selbstkontrolle der Händler und Hersteller gebe, könne sich immer noch jeder Privatmensch ohne Probleme, und ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, das Lösungsmittel GBL besorgen.


Auffälligkeiten beachten und Tipps befolgen

  • Getränke sollten bei der Bedienung bestellt und selbst entgegengenommen werden.
  • Offene Getränke sollten nicht unbeaufsichtigt stehen bleiben.
  • Bei Übelkeit Hilfe beim Personal suchen.
  • Sollte man K.-o.-Tropfen verabreicht bekommen haben, setzt innerhalb kürzester Zeit eine plötzliche Müdigkeit ein. Werden die Tropfen mit Alkohol eingenommen, verstärkt sich die Wirkung, zum Teil mit gefährlichen Folgen: Es kann nicht nur zu Bewusstlosigkeit, sondern auch zu Atemstillstand kommen.
  • Einige der mutmaßlich als K.-o.-Tropfen benutzten Substanzen lassen sich nur innerhalb von etwa sechs bis zwölf Stunden im Körper des Betroffenen nachweisen, so dass bei entsprechendem Verdacht rechtzeitig ein Arzt aufgesucht werden sollte. Sofern dies im genannten Zeitfenster nicht möglich ist, empfehlen Opferberatungsstellen, selbst eine Urinprobe zu nehmen und dann zum Arzt zu bringen.

Weitere Informationen zum Thema K.-o.-Tropfen gibt es unter www.polizei-beratung.de.

  • Bewertung
    2
 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!