Backnang Weihnachtsbäume als Anschlagsziel

Symbolbild. Foto: ZVW/Martin Winterling

Backnang.
Es war ein gezielter Anschlag auf die Christbäume und indirekt auf den Anbieter aus Neresheim. Möglicherweise sogar von Konkurrenten? Das will die Polizei nicht ausschließen. Einen Hinweis darauf gibt es aber nicht. „Wir haben noch keinen Tatverdacht“, sagt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier.

Wie berichtet, hatte ein Angestellter des Christbaumverkaufs beim Kaufland in der Industriestraße Ecke Weissacher Straße in Backnang am Montagmorgen bemerkt, dass sich am Wochenende Unberechtigte auf dem Verkaufsgelände aufgehalten hatten. Am Bauzaun waren entsprechende Manipulationen feststellbar. Anstatt des wohltuenden Nadeldufts erreichte die sensible Nase des Angestellten ein stechender Gestank.

300 Bäume mit Buttersäure verunreinigt

Der unangenehme Geruch ging von den Weihnachtsbäumen aus. Es besteht der dringende Verdacht, dass diese mutwillig mit Buttersäure kontaminiert worden waren. Betroffen womöglich: ungefähr 300 Bäume mit einem Verkaufswert von mindestens 6000 Euro.

Die Bäume wurden vom Anbieter rasch abtransportiert und neue angeliefert, so dass der Christbaumverkauf am Dienstag wieder mit frischer Ware laufen konnte. Wie Polizeisprecher Biehlmaier sagte, ist dieses Problem wohl „örtlich begrenzt“.

„Ohne Worte“, sagte Martin Rometsch, Geschäftsführer des Christbaumverbands Baden-Württemberg sowie des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger in Deutschland, zu dem Vorfall in Backnang. Rometsch sieht zwei Aspekte, die den oder die unbekannten Täter dazu bewogen haben könnten, diese Attacke durchzuführen: „Entweder soll dieser spezielle Betrieb getroffen werden oder der oder die Täter haben es auf den Christbaum als solchen abgesehen.“

Hunderten von Christbäumen die Spitzen abgeschnitten

Rometsch kennt Fälle, in denen Zerstörungswütige auf andere Weise ihr Unwesen und so jeweils Schäden von mehreren Tausend Euro verursacht haben. In Bühl hätten Unbekannte in einer Christbaumkultur von Hunderten von Bäumen die Spitzen abgeschnitten. Im Odenwald hätten Übeltäter im vergangenen Jahr 300 bis 400 Weihnachtsbäume in spe in einer Höhe von 80 bis 120 Zentimetern umgesägt. In Oberbayern hat ein Unbekannter vor einem Jahr ein Feld mit Nordmanntannen zerstört. Er hatte die Plantage mit Glyphosat besprüht. Dabei entstand ein Schaden von etwa 6000 Euro.

„Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, welche Arbeit dahintersteckt. Die Betriebe kaufen die Jungbäume von Baumschulen, wenn sie etwa 30 Zentimeter groß sind, und hegen und pflegen die Bäume zehn bis zwölf Jahre lang, bis sie etwa zwei Meter groß sind“, sagt Rometsch. Solche Anschläge würden die Unternehmen schwer treffen, weil es sich bei den Christbaumanbietern in der Regel um kleinere Familienbetriebe mit einer Anbaufläche von maximal zehn Hektar handeln würde.

Das jetzt in Backnang betroffene Unternehmen, die Firma Karl Stoll Christbaumkulturen aus Neresheim, spielt den Vorfall herunter. Der Betriebsleiter, Karl Stoll junior, war nicht zu sprechen. Klaus Weber von der Betriebsleitung sagte auf Anfrage, dass es sich lediglich um einen oder zwei Bäume gehandelt habe, die „wohl vor sich hin gegoren hätten“. Die wenigen betroffenen Bäume habe man rasch ausgetauscht. Ein nennenswerter Schaden sei nicht entstanden. Das alles sei nicht so schlimm.

Unglaubwürdige Aussagen

Diese Aussage aus dem Munde eines Firmensprechers klingt nicht nur deshalb äußerst unglaubwürdig, weil sie der Mitteilung der Polizei, die vor Ort war, komplett widerspricht. Sondern auch aus folgendem Grund: Genau vor drei Jahren registrierte die Polizei gleich gelagerte Attacken. An den Weihnachtsbaumverkaufsständen vor den beiden Backnanger Kaufland-Filialen gab es Buttersäure-Anschläge. Hunderte Bäume sind unverkäuflich geworden. Und bereits damals war es nicht das erste Mal, dass Unbekannte auf diese Weise zugeschlagen hatten. Auch in den Vorjahren gab es ähnliche Vorfälle in Backnang. Und immer war dabei Buttersäure eingesetzt worden. Vor drei Jahren schreckten die Übeltäter selbst nicht vor den unübersehbaren Transparenten zurück, die auf eine Videoüberwachung der eingezäunten Weihnachtsbäume hinwiesen. Laut Polizei hatten die unbekannten Täter die Bäume mit der Säure eingesprüht. Der Verkäufer, der damals die Bäume des Unternehmens Karl Stoll Christbaumkulturen bei der Kaufland-Filiale in der Industriestraße/Weissacher Straße verkauft hat, war zu diesem Zeitpunkt schon zum dritten Mal Opfer eines solchen Anschlags geworden. „In den letzten beiden Saisons“, so sagte er vor drei Jahren, sei das ebenfalls vorgekommen.

Ein Anschlag der Konkurrenz?

Das große Glück 2016 war noch, dass es nicht heftig geregnet hat, so der Verkäufer, denn dann wäre die Säure an den ganzen Bäumen herabgelaufen und das hätte dann noch sehr viel schlimmer gestunken. Etwa 150 Bäume hat er entsorgen müssen. Im Verkauf hätten sie durchschnittlich 20 bis 25 Euro pro Stück gebracht, so dass allein der materielle Schaden hier erheblich über 3000 Euro lag. Auch vor drei Jahren wollte die Polizei keine Schuldzuweisung aussprechen: „Das Motiv ist völlig unklar.“ Ein Anschlag der Konkurrenz? Möglich, aber nicht erwiesen. Es könne sich auch um Vandalismus handeln oder um einen schlechten Scherz von Jugendlichen.

Darüber wollten damals die Weihnachtsbaumverkäufer höchstens milde lächeln. „Das waren keine Jugendlichen“, sagte einer der Verkäufer mit einer Bestimmtheit, die keine Zweifel zuließ. Er erzählte, dass auch vor einer Kaufland-Filiale in Fellbach ein ähnlicher Anschlag stattgefunden habe. Auch sein Kollege, der vor der Filiale in der Sulzbacher Straße die Bäume verkaufte, legte sich fest. Das Christbaumgeschäft sei hart umkämpft. Sprich: Die Konkurrenz habe bewusst den Schaden angerichtet.


Buttersäure

  • Buttersäure (Butansäure) stinkt erbärmlich nach Erbrochenem und ranziger Butter. Die Säure wird schon in kleinen Dosierungen wahrgenommen.
  • Die Dämpfe der Säure können Augen und Atemwege reizen.
  • Die Buttersäure ist eine vollkommen farblose Flüssigkeit und durchsichtig. Sie ist in allen Verhältnissen, im Wasser, im Alkohol und Holzgeist löslich.
     
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