Backnang/Winnenden/Schorndorf Abfalldeponien: Lebensraum für seltene Tierarten

Eine Zauneidechse. Foto: Johannes Mayer/ AG für Tierökologie und Planung, Filderstadt

Backnang/Winnenden/Schorndorf. Wenn man an Deponien denkt, kommen einem große Müllberge, üble Gerüche und hungrige Krähen in den Sinn. Diese Vorstellung ist jedoch lange überholt. Seit 2005 darf in Deutschland kein Hausmüll mehr abgelagert werden. Seitdem landen nur noch mineralische Abfälle wie zum Beispiel Bauschutt auf den Deponien.

Durch den Betrieb einer Deponie würden ständig wechselnde Bedingungen und Lebensräume geschaffen, die für viele seltene Tierarten hochattraktiv sind, so die Abfallwirtschaft Rems-Murr AöR (AWRM) in einer Pressemitteilung. Durch die Anlage von Fahrwegen und Schotterflächen, vorübergehende Gehölzentfernungen und die Neuanlage von Rekultivierungsflächen auf abgeschlossenen Ablagerungsbereichen befinde sich die Bewuchsstruktur auf einem Deponiegelände in einem stetigen Wandel. Diese Deponielandschaft mit vielen Offenbereichen und mit einer Großzahl an Pioniergewächsen stelle „ideale Lebensbedingungen für seltene und streng geschützte Tierarten dar“. Das Thema Artenschutz spiele daher auch für die AWRM, die zahlreiche stillgelegte Deponien sowie die aktive Deponie Backnang-Steinbach betreibe, eine immer größere Rolle. In Backnang-Steinbach hätten faunistische Untersuchungen ergeben, dass sich auf dem Deponiegelände streng geschützte Arten wie die Haselmaus, Zauneidechse, Gelbbauchunke, Falterarten und viele andere angesiedelt haben. Die Lebensräume gelte es gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu erhalten.

Rekultivierung auf dem Alt-Teil der Deponie Backnang

Auf dem Alt-Teil der Deponie Backnang-Steinbach werde daher gerade im Zuge der endgültigen Stilllegung und Aufbringung einer Oberflächenabdichtung eine naturschutzfachlich anspruchsvolle Rekultivierung angelegt. Diese sehe sowohl Bereiche mit dichtem Bewuchs durch die Pflanzung von Gehölzen, aber auch steinige und nach Süden exponierte Offenbereiche als Habitate für Echsen vor. Weiterhin würden Wiesen angelegt, die Nahrungspflanzen für den Feuerfalter vorsehen, so die AWRM. Die artenreichen Wiesen werden sich auf über zwei Hektar belaufen – etwa so viel wie rund drei Fußballfelder. Außerdem wurden in angrenzenden Bereichen zur Deponie Fichtenstandorte ausgedünnt, um Lebensräume für die Haselmaus zu schaffen.

Artenreiche Blühwiesen angelegt

Auch auf dem im Betrieb befindlichen Neu-Teil der Deponie wurden im Zuge des Deponieausbaus umfangreiche Artenschutzmaßnahmen ausgeführt. So wurden beispielsweise auf Deponieflächen spezieller Ampfer und Weidenröschen ausgesät, um eine Nahrungsgrundlage für geschützte Falterarten zu schaffen, teilt die AWRM weiter mit.

Außerdem würden jährlich neue Tümpel angelegt, um ideale Fortpflanzungsmöglichkeiten für die Gelbbauchunke auszubilden.

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr gehe noch einen Schritt weiter. Auf allen Wertstoffstationen der vier Deponien „Eichholz“ bei Winnenden, Backnang-Steinbach, „Lichte“ bei Kaisersbach und Schorndorf wurden artenreiche Blühwiesen für Insekten angelegt.

In Zusammenarbeit mit dem Landesnaturschutzverband und dem Maschinenring Rems-Murr wurde eine Fläche von circa 2000 Quadratmeter ausgewählt. Damit sich nicht nur die Bienen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger aus dem Rems-Murr-Kreis an der Blütenpracht erfreuen können, wurden die Blühflächen im Einfahrtsbereich der Deponien angelegt.

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