Badegäste beschweren sich Aufregung um Burkinis in Backnang

Burkini-Szene in einem Berliner Freibad – die Burkini-Trägerinnen in Backnang hatten allerdings auch Gesichtsschleier. Foto: dpa/Stephanie Pilick

Backnang. Als in der vergangenen Woche zwei vollverschleierte Frauen im Backnanger Freibad ins Becken stiegen, empörten sich viele Badegäste. Das Badepersonal verwies die Frauen nicht des Bades, denn laut Wonnemar-Chef Ricardo Haas trugen sie Burkinis – Badebekleidung. Der Backnanger OB will nun prüfen lassen, ob man Vollverschleierung in den Murrbädern verbieten kann.

Die Empörung der Badegäste sei ihr förmlich entgegengeschlagen, berichtet Stadträtin Charlotte Klinghoffer (Bürgerforum Backnang). Sie wollte ihren Neffen vom Schwimmtraining im Wonnemar abholen, als sich mehrere Leute an sie wandten: Im Becken halte sich eine Frau in Burka auf. Nicht in entsprechender Badebekleidung, die den Großteil des Körpers verdeckt, nein, in Straßenkleidung sei die Frau. Klinghoffer überzeugte sich selbst: „Tatsächlich war eine vollverschleierte Frau mit ihren Kindern im Nichtschwimmerbecken“, sagt sie.

Hygienischer Bedenken

Barbara Kurz gehört zu jenen Badegästen, die sich an die Stadträtin wandten. Die Backnangerin ist öfters im Schwimmbad, an drei Tagen habe sie die Frau in der Burka schon im Wasser gesehen, sagt sie. Mehrfach hätten sie und weitere Gäste das Badepersonal darauf angesprochen. „Die haben zu uns gesagt: Wir können da nix machen.“

Kurz und mehrere andere Badegäste haben sich deshalb in der Bürgersprechstunde an Oberbürgermeister Frank Nopper gewandt. Der OB zeigte Verständnis für die Bedenken und nahm mit der Geschäftsführung des Wonnemars Kontakt auf. „Ich sehe das Tragen insbesondere von nur mit Sehschlitzen ausgestatteten Vollverschleierungen in unseren Murrbädern sehr kritisch – vor allem auch aus Sicherheitsgründen, im Übrigen auch wegen hygienischer Bedenken“, ließ er auf Nachfrage mitteilen. Auf sich beruhen lassen will er die Sache nicht. „Wir werden gemeinsam mit der privaten Betreibergesellschaft jetzt intensiv prüfen, ob und auf welchem Wege Derartiges rechtssicher unterbunden werden kann.“

„Solange die Frauen einen Burkini tragen, ist ihnen das Baden erlaubt“

In der Haus- und Badeordnung des Wonnemars ist der Sachverhalt nämlich klar geregelt: „Der Aufenthalt im Bad ist nur mit üblicher Badebekleidung (zum Beispiel. Badeanzug, Badehose) gestattet“, heißt es dort. Und: „Ob diese den Anforderungen entspricht, entscheidet das Aufsichtspersonal.“ Warum also hat das Personal nicht eingegriffen? Wonnemar-Centermanager Ricardo Haas: Ja, nicht nur eine, sondern zwei vollverschleierte Frauen waren in der vergangenen Woche im Backnanger Freibad schwimmen – doch die vermeintlichen Burkas seien tatsächlich sogenannte Burkinis gewesen. Der Unterschied ist, dass die Kleidung aus dem gleichen Material besteht wie Badeanzüge und Bikinis. „Solange die Frauen einen Burkini tragen, ist ihnen das Baden erlaubt“, erklärt Haas. Dieser entspreche den hygienischen Vorschriften. Eine Burka, also Straßenkleidung, hingegen nicht. „Wer diese trägt, muss das Becken umgehend verlassen“, sagt er.

Der Unterschied zwischen Burka und Burkini

Haas räumt ein, dass die Burkinis der Frauen leicht mit einer Burka zu verwechseln waren. „Dass die Frauen vollverschleiert, also nur die Augen sichtbar waren, ist für einen Burkini ungewöhnlich“, weiß er. Auch, dass nicht alle Burkinis eng anliegend sind, sei wohl nicht allgemein bekannt. Hose und Oberbekleidung beider Frauen hätten wohl eher einer wallenderen Variante entsprochen. Haas versichert aber: „Meine Mitarbeiter haben sich den Stoff angeschaut.“ Das Badepersonal habe sogar noch ob der richtigen Vorgehensweise mit ihren Vorgesetzten Rücksprache gehalten.

Laut Badeordnung haben die Badegäste nämlich alles zu unterlassen, was gegen die guten Sitten verstößt oder Sicherheit, Ruhe und Ordnung im Bad stören kann. Auch wenn die vollverschleierten Frauen wohl einigen Wirbel verursacht haben, sieht Haas das nicht als ausreichende Begründung, um sie des Bads zu verweisen. Für die Bedenken der Badegäste zeigt er zwar Verständnis, „ich bin auch gegen so eine Badekleidung“ – das sei aber seine persönliche Ansicht, sie könne nicht die Grundlage für einen Ausschluss der Frauen sein. „Die Rechtslage gibt es nicht her, ein Burkiniverbot auszusprechen.“

Mit dem Backnanger OB hat der Centermanager in dieser Sache allerdings fachkundige Unterstützung an seiner Seite. Nopper ist schließlich Jurist.


Gekippt

In Koblenz gibt es ein Burkini-Verbot für städtische Schwimmbäder – es hat dieser Tage einer gerichtlichen Prüfung aber nicht standgehalten.

Der Stadtrat hatte beschlossen, dass Badegäste nur in Badehose, Badeanzug, Bikini oder Badeshorts schwimmen dürfen. Begründung: Bei vollständiger Bekleidung könnten Badegäste nicht auf Krankheiten, offene Wunden oder Hautausschläge kontrolliert werden. Für Leistungsschwimmer und Triathleten machten die Koblenzer allerdings eine Ausnahme: Sie dürfen Neoprenanzüge tragen.

Gegen das Burkini-Verbot klagte eine syrische Asylbewerberin: Wegen einer Rückenkrankheit seien ihr ärztlich Schwimmbadbesuche angeraten worden, um ihre Schmerzen zu lindern. Wegen ihres Glaubens könne sie aber nur mit Burkini schwimmen.

Dieser Tage hat das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz dem Eilantrag der Klägerin stattgegeben: Das Burkini-Verbot verstoße gegen das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot – Trägerinnen von Burkinis dürften nicht benachteiligt werden gegenüber Leistungsschwimmern oder Triathleten in Neoprenanzügen.

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