Baden-Württemberg Eltern starten Petition gegen Stichtag zur Einschulung

Symbolbild. Foto: Pixabay (Public Domain CC0)

Bretzfeld. Wer bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollendet hat, muss im selben Jahr in die Schule. Zumindest in Baden-Württemberg. Eine Elterninitiative fordert nun in einer Online-Petition, genau diesen Stichtag zu ändern und auf den 30. Juni vorzuverlegen.

In Baden-Württemberg gilt der sogenannte Einschulungsstichtag 30. September. Wer bis dahin seinen sechsten Geburtstag feiert, muss im selben Jahr auch die Schulbank drücken. Das gilt für Kinder, die im März Geburtstag haben genau so wie für jene, die erst im August oder gar am 29. September sechs Jahre alt werden.

Einschulung mit fünf Jahren?

Unfair finden das drei Mütter aus Baden-Württemberg. Sie und ihre Mitstreiter fordern in einer Online-Petiton vom Landtag, den Stichtag vorzuverlegen, auf den 30. Juni. Damit die Eltern, deren Kinder erst im Juli, August oder gar September sechs Jahre alt werden, eine Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind einschulen lassen oder nicht. 

Eltern sollen nicht gezwungen werden, ihr Kind einzuschulen, wenn es noch nicht schulreif ist. Wir fordern, den Eltern Gehör zu schenken und wir fordern, den Kindern die so wertvolle Zeit zu schenken!”, sagt dazu Katrin Göltenboth, eine der Initiatorinnen.  

Schwerer Weg für Eltern bei Rückstellung

Baden-Württemberg ist eines von sechs Bundesländern, das am 30. September als Einschulungstichtag festhält. Die Initiative verweist bei ihrer Online-Petition auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen früher Einschulung und Überforderung, Klassenwiederholungen und Frustrationserlebnissen der Kinder aufzeigen. Sie kritisiert, dass in Baden-Württemberg vorrangig das Geburtstdatum vorgibt, wann eingeschult werde. Seien Eltern der Meinung, ihr Kind sei dem Schulalltag noch nicht gewachsen, liege oft ein schwerer, nur selten zu Erfolg führender Weg vor ihnen.

Tatsächlich ist eine Schulrückstellung in Baden-Württemberg unter bestimmten Voraussetzungen selbst noch in der 1.Klasse möglich, muss aber vom jeweiligen Schulleiter beurteilt werden. 

Neuer Einschulungskorrdidor in Bayern

Auch in Nordrhein-Westfalen läuft eine Petition, die den 30. Juni als Stichtag fordert, wie es in anderen Bundesländern üblich ist. In Bayern war eine ähnliche Petition jüngst erfolgreich. Dort gibt es nun zwischen dem 1. Juli und dem 30. September einen "Einschulungskorridor": Eltern, deren Kinder in diesem Zeitraum sechs Jahre alt werden, können frei entscheiden, ob sie in diesem Jahr oder ein Jahr später eingeschult werden sollen.

5300 Unterschriften in den ersten Tagen

Die Initiative der drei Mütter, die über Facebook miteinander in Kontakt gekommen sind, läuft gut an. In den ersten sechs Tagen hat die Petition bereits 5.300 Unterschriften gesammelt. „Die Resonanz unserer Petition hat mich überwältig,“ sagt Göltenboth. „Das ist der Beweis, dass viele Eltern mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind.“

Die Aktion läuft noch 12 Monate, bis die Unterschriften an den Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages übergeben werden. Eltern mit schulpflichtigen Kindern, die 2019 eingeschult werden sollen, werden davon also nicht mehr profitieren. 

Einschulungsstichtag

Lange Zeit war der 30. Juni der allgemeine Stichtag, das heißt, dass alle Kinder, die bis zu diesem Termin sechs Jahre alt wurden, nach den Sommerferien desselben Jahres in die Schule mussten. 1997 beschloss die Kultusministerkonferenz eine zeitliche Ausdehnung der bis dahin geltenden Stichtagsregelungen. Die Länder konnten damit die Schulpflicht flexibler gestalten, eine vorzeitige Einschulung erleichtern und die Zurückstellung vom Schulbesuch erschweren. 

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