Baden-Württemberg Immer mehr Menschen in Wohnungsnot von der Wohlfahrt betreut

Ein Mietshaus in Berlin. Foto: Tim Brakemeier/dpa/Symbolbild Foto: dpa

Stuttgart.
Die steigenden Preise auf dem baden-württembergischen Immobilienmarkt treiben auch die Zahl der Wohnungslosen in die Höhe. "In Ballungsräumen sind günstige Wohnungen insbesondere für die Zielgruppe der wohnungslosen Menschen so gut wie nicht vorhanden", beklagen Sprecher der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Stuttgart. Dabei sei bezahlbarer Wohnraum das wirksamste Mittel gegen Wohnungslosigkeit.

Betroffene konkurrierten zudem mit anderen benachteiligten Gruppen und mittlerweile auch niedrigen und mittleren Einkommen um die restlichen bezahlbaren Wohnungen. "Und sie werden in der Regel keinen Wohnraum finden", warnt die Liga, in der sich Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und die Caritas zusammengeschlossen haben.

Seit Jahren lasse sich bei der Unterkunftssituation der Hilfesuchenden in Baden-Württemberg eine besorgniserregende Entwicklung erkennen, kritisiert der Dachverband der Wohlfahrtsverbände und warnte am Freitag in Stuttgart: "Der kontinuierliche Anstieg der letzten Jahre von Personen in prekärer Notversorgung setzt sich fort."

Die Zahl der Menschen in Wohnungsnot hat demnach seit zehn Jahren in Baden-Württemberg kontinuierlich zugenommen. Sie sei auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen, sagt Sabine Oswald vom Paritätischen Baden-Württemberg. Die Dienste und Einrichtungen der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege seien im Jahr 2019 von 12 270 Menschen um Hilfe gebeten worden - mehr als im Jahr zuvor, teilte die Liga der freien Wohlfahrtspflege mit. Die jüngsten Entwicklungen und auch konkrete Forderungen an die Politik wollten die elf Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege am Freitag (11.00 Uhr) in Stuttgart vorstellen.

Unter anderem wird das Ergebnis der sogenannten Stichtagserhebung vom vergangenen September erwartet. Dabei wurden die Menschen gezählt, die sich an einem bestimmten Tag in einer sozialen Hilfseinrichtung aufhielten, die vor längstens 30 Tagen Kontakt zur Einrichtung gesucht hatten oder die am Stichtag noch betreut wurden.

"Die Zahlen sind erschreckend vor allem für den sozialen Wohnungsbau", sagte Oswald. "Das ist ein Versagen von Politik und Markt." Die Bestandsmieten sind in einigen baden-württembergischen Städten in den vergangenen fünf Jahren besonders stark gestiegen, wie aus einer Auswertung von Mietspiegeldaten im Auftrag der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht.

Besonders hoch war die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter der Untersuchung zufolge 2018 in Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen (jeweils 9,96 Euro). Unter den zehn teuersten Städten finden sich außerdem Tübingen (9,48 Euro), Ditzingen, Ludwigsburg (jeweils 8,86 Euro) und Fellbach (8,65 Euro). Esslingen, Leonberg (beide 8,58 Euro) und Konstanz (8,51 Euro) sind unter den 20 Städten mit den höchsten Bestandsmieten. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 6,92 Euro je Quadratmeter.

In der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V. sind die elf Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württembergs zusammengeschlossen. Landesweit gehören ihnen über 320 000 Mitarbeiter sowie 300 000 ehrenamtlich Tätige an.

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