Obst-Bäume in Waiblingen Weiße Bänder zeigen an: „Ernten erlaubt!“

Äpfel kostenlos: Klaus Läpple an einem Baum in der Talaue. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Von A wie Apfel bis Z wie Zwetschge: einfach schade, wenn schmackhaftes Obst vom Baum fällt und verrottet. Um das zu verhindern, signalisieren in der Waiblinger Talaue nun die ersten weißen Bänder an Bäumen allen, die Appetit auf etwas Frisches haben: Bitte zugreifen, Ernten erlaubt!

Wenn die Birnen und Mirabellen auch gar zu verlockend am Baum hängen, sollten Spaziergänger sich normalerweise beherrschen. Denn im Zweifel gehört das Obst immer jemandem – und Selbstbedienung, ohne vorher zu fragen, wäre Mundraub.

Anders sieht’s aus, wenn ein weißes Band am Stamm hängt. Dieses soll im Rahmen der Aktion „Ernten erlaubt“ anzeigen, dass hungrige Wanderer getrost zugreifen dürfen. Die Idee stammt aus Pfullingen, wo sie schon seit mehreren Jahren Anklang findet. Auf Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion versucht nun auch die Stadt Waiblingen, die weißen Bänder als Erkennungszeichen allgemein bekanntzumachen.

Viele schafften es aus Gesundheits- und Altersgründen nicht, zu Streuobstwiesen bewirtschaften

Dass manche Zeitgenossen sich auch ohne Erlaubnis an fremdem Obst gütlich tun, ist für die Besitzer, besonders für Erwerbsobstbauern, ein Ärgernis. Bedarf scheint also vorhanden zu sein. Andererseits gibt es Stücklesbesitzer, die aus verschiedenen Gründen nicht ernten, sagt der städtische Umweltberater Klaus Läpple, der mit dem Projekt „weiße Bänder“ beauftragt ist.

Ein „gewisser Retrotrend“ führe zwar dazu, dass wieder mehr junge Leute Streuobstwiesen bewirtschaften. Viele schaffen es aber schlicht aus Gesundheits- und Altersgründen nicht. Andere wohnen vielleicht auswärts und unterlassen die Anreise zu einer mühevollen Ernte, die sich finanziell kaum lohnt. Ob sich Aufwand rentiert, ist ohnehin immer eine Frage der Menge und der von Jahr zu Jahr alternierenden Erträge. In guten Jahren werden in Pfullingen mehr Bäume mit den weißen Bändern markiert als in schlechten.

Für dieses Jahr zeichnet sich eine recht mäßige Ernte ab

Diese Woche haben Klaus Läpple und Kollegen erste weiße Bänder an Bäumen in der Talaue angebracht. Weitere werden folgen, wenn die Stadtgärtnerei eine Auswahl getroffen hat. Auch von privater Hand wurden wohl hier und dort vereinzelte Schleifen aufgehängt.

Ansonsten hat das Projekt auf der Seite der Baumbesitzer bisher noch keine Resonanz gefunden, wurde allerdings auch kaum beworben. Zudem zeichnet sich für dieses Jahr eine recht mäßige Ernte ab. Die Obst- und Gartenbauvereine jedenfalls sind über die Aktion informiert. Abnehmer könnten Leute sein, die spontan zubeißen möchten oder die Lust haben, Quittengelee zuzubereiten oder einen Apfelkuchen zu backen.

Bäume online finden

Aus Sicht des Umweltberaters handelt es sich um eine sinnvolle Aktion, die schon ältere Bemühungen der Stadt und des Landkreises ergänzt. Da gibt es unter anderem die Streuobstbörse, die Grundstücksbesitzer und Erntewillige zusammenzubringen versucht. Nicht zu vergessen den „Waiblinger Apfelsaft“, für den Stücklesbesitzer unbehandeltes Obst zu Preisen über dem marktüblichen Niveau abgeben können. Denn dies berührt die nach Einschätzung von Klaus Läpple entscheidende Frage. Nämlich die, ob sich Anbau und Ernte finanziell lohnen.

Unabhängig von amtlichen Bemühungen verfolgt das Online-Portal mundraub.org ähnliche Ziele: Auf einer interaktiven Karte finden sich Standorte von Bäumen und Sträuchern – zum Beispiel ein Haselnussbaum in Waiblingen-Süd oder ein Pflaumenbaum in Bittenfeld –, bei denen Ernten erlaubt zu sein scheint.

Im Zweifelsfall sollten Nutzer selbst prüfen, ob beim Ernten Eigentum verletzt wird oder nicht

Wie überall gilt: nicht alles glauben, was im Internet steht. Im Zweifelsfall sollten Nutzer selbst prüfen, ob beim Ernten Eigentum verletzt wird oder nicht. Gewissheit bieten diesbezüglich die weißen Bänder, die für Baumbesitzer auf den Ortschaftsrathäusern und im Bürgerbüro in der Kernstadt kostenlos erhältlich sind.

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