Bahnhof Endersbach 51-Jähriger bedroht fünf Männer mit Waffe

, aktualisiert am 27.06.2019 - 15:40 Uhr
Symbolbil. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt-Endersbach. Mit einer Gaspistole hat ein 51-Jähriger am Mittwochabend auf fünf junge Männer am Endersbacher Bahnhof gezielt. Bei der Polizei gab er an, sich von der Lautstärke der Musik belästigt gefühlt zu haben. Dem Mann droht nun ein Strafverfahren wegen Bedrohung.

Sie sieht für den Laien aus wie eine Waffe mit scharfer Munition: Mit einer Gaspistole hat der 51-Jährige die Gruppe junger Männer bedroht, die sich gegen 22 Uhr im Bereich der Unterführung am Endersbacher Bahnhof aufgehalten und dort nach Angaben des geständigen Täters laut Musik gehört hat. Der 51-Jährige hatte die Gruppe nach eigenen Angaben zunächst aufgefordert, die Musik leiser zu machen. Kurze Zeit später kehrte er mit der Gaspistole zurück, zielte auf die jungen Männer und forderte sie lauthals auf, zu verschwinden. Diese verständigten daraufhin die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen ausrückte. Der Täter übergab schließlich seine Waffe freiwillig den anrückenden Beamten.

Gebraucht werden darf eine Schreckschusspistole nur auf befriedetem Besitztum

Um welches Modell einer Gaspistole es sich genau handelt, konnte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung nicht klären. Ebenso konnte sie uns nicht mitteilen, ob von dem 51-Jährigen eine technische Veränderung vorgenommen wurde. Fakt ist, dass Schreckschusswaffen keine Projektile verschießen, sondern Reizgas- und Kartuschenmunition. Sie verursachen auf jeden Fall einen lauten Knall. In Deutschland legale Modelle sind am Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zu erkennen. Besitzen dürfen sie nur Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Wer damit schießen will, braucht zumindest den kleinen Waffenschein. Ob der 51-Jährige diesen hatte, konnte die Pressestelle des Polizeipräsidiums nicht klären.

Gebraucht werden darf eine Schreckschusspistole allerdings nur auf befriedetem Besitztum, sprich einem abgeschirmten Grundstück – und das auch nur, wenn garantiert ist, dass es keine Lärmbelästigung gibt. Das ist bei einem Bahnhof natürlich nicht der Fall. Eine Ausnahme liegt nur dann vor, wenn es sich um Notwehr handelt.

Eine Ruhestörung rechtfertigt niemals den Einsatz einer Schreckschusspistole

Diese ist im aktuellen Fall allerdings nicht gegeben. Laut einem Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen droht dem 51-Jährigen deshalb ein Strafverfahren wegen Bedrohung nach Paragraf 241 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es: „Wer einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, dass die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.“

Ob die Gruppe junger Männer tatsächlich eine Ruhestörung begangen hat, ist eine andere Frage. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine Ordnungswidrigkeit. Diese zu beweisen ist zudem schwerer, da hierfür die Gruppe junger Männer die Ruhestörung zugeben müsste. Selbst wenn diese vorgelegen hätte, rechtfertigt eine Ruhestörung indes niemals den Einsatz einer Schreckschusspistole.

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