Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf Darum gibt es eine Garderobenpflicht

In der Barbara-Künkelin-Halle herrscht neuerdings Garderobenpflicht – aus Sicherheits- und Brandschutzgründen. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Geht die Oma mit der Tochter und zwei Enkeln zum Kindermusical in die Künkelinhalle – macht das bei vier Winterjacken allein vier Euro für die Garderobe. Freunde macht sich Hallenmanager Sven Pflug mit der Umsetzung der vom Gesetzgeber und der Feuerwehr verlangten Garderobenpflicht nicht. Doch für Pflug ist das Thema Sicherheit eine ernste Sache: Bei einer zu laxen Umsetzung müsste er im Brandfall mit seinem Privatvermögen haften.

Mögen sich andere Häuser auch (noch) scheuen, Ende 2018 hat Sven Pflug für die Barbara-Künkelin-Halle die vom Gesetzgeber verlangte Garderobenpflicht umgesetzt. Und sich damit schon eine Menge Ärger eingehandelt: Nicht nur von der Oma, die sich auch Tage nach dem Besuch des „Pinocchio“-Musicals noch maßlos darüber aufregt, dass sie, ihre Tochter und die Enkel die Winterjacken nicht nur an der Garderobe abgeben, sondern dafür auch noch bezahlen mussten. Die Musical-Karten „sind schon teuer genug“, klagt Heidrun Waschin und findet: „Das ist Abzocke – Kinderfreundlichkeit sieht anders aus!“ Kürzlich gab es wegen der Garderobenpflicht sogar eine tätliche Auseinandersetzung: Vier Männer, erzählt Sven Pflug, gingen den Hausmeister an, weil er sie mit Jacken nicht in den Saal lassen wollte.

Garderobenpflicht schreibt Abgabe brennbarer Mäntel und Co. vor

Und dabei, das hat der Hallenmanager auch schon der erbosten Großmutter mitgeteilt, setze er nur Vorgaben des Gesetzgebers um. Von Abzocke, so Pflug, könne keine Rede sein. Im Gegenteil: „Es geht um Sicherheit.“ Der Gesetzgeber, erläutert Pflug weiter, habe den Brandschutz in den vergangenen Jahren massiv verstärkt und in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren einen drastischen Maßnahmenkatalog entwickelt. Die darin enthaltene Garderobenpflicht schreibt die Abgabe brennbarer Mäntel aus Polyester oder anderen Kunstfasern, Jacken und Umhängen, aber auch von Sporttaschen und Rucksäcken vor. Anzugjacken, Strickjacken oder leichte Westen dürfen mit in den Saal genommen, aber nicht ausgezogen werden. Dies soll verhindern, erklärt Pflug, dass herumliegende oder heruntergefallene Jacken, Mäntel und Rucksäcke im Brandfall, bei Rauchentwicklung oder bei Ausfall der Hauptbeleuchtung zu Stolperfallen werden und Menschen zu Schaden kommen.

Feuerwehr hat das Recht, Veranstaltungen abzusagen

Da die Feuerwehr seit vergangenem Jahr die Umsetzung dieser Vorschrift zunehmend kontrolliert und durchaus auch das Recht hat, die Veranstaltung bei Zuwiderhandlung abzusagen oder abzubrechen, lässt sich Pflug auf keine Diskussionen ein: „Wir setzen eine gesetzliche Vorschrift um, die keine Kann-Vorschrift ist, sondern eine Muss-Vorschrift.“ Außerdem müsste er im Brand- oder Schadensfall mit seinem Privatvermögen haften. Und weil das Personal, das die Mäntel und Taschen nicht nur entgegennimmt, sondern auch bewacht, bezahlt werden muss, kostet die Abgabe der Garderobe in der Künkelinhalle Geld. Dafür sind die Kleidungsstücke dann aber auch versichert, sagt Pflug und findet die Gebühr von einem Euro pro Mantel oder Jacke „fair“. In der Reutlinger Stadthalle, weiß er nach einer Umfrage unter 30 Hallen in der Region, betrage die Gebühr zum Beispiel drei Euro – und der Unmut ist entsprechend groß.

Vorschrift noch nicht überall umgesetzt

Doch Freude macht die Umsetzung der Garderobenpflicht auch dem Schorndorfer Hallenmanager nicht. Darin sieht er auch den Grund, warum bestimmt die Hälfte der Stadthallen in Deutschland die Vorschrift bisher noch nicht umgesetzt hat. Doch das, ist sich Pflug sicher, „wird sich auch dort zunehmend ändern“. Und klar ist für ihn auch: Wer die Garderobe weiterhin kostenlos abgeben möchte, der wird die Rechnung dann eben über höhere Ticketpreise bezahlen müssen.


Vorgeschrieben

Die Garderobenpflicht in der Künkelinhalle ist keine Willkür und keine Abzocke, sondern vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Für Hallenmanager Sven Pflug ergeben sich die Anforderungen unter anderem aus der VStättVO, der ASR-AR-3, der DGUV I 215-310 und der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht. Er kann sogar mit der entsprechende DIN-Norm dienen: 4102.

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