Bauamtsleiterin Mira Irion im Interview Diese wichtigen Projekte warten auf Remshalden

Mira Irion vor einem Plan der Gemeinde, der in ihrem Büro hängt: „Eine transparente Arbeitsweise ist mir wichtig.“ Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Remshalden. Seit Mai ist Mira Irion im Remshaldener Rathaus neue Leiterin des Bauamts. Im Interview mit unserem Redakteur Reinhold Manz spricht sie über den Bau der dringend benötigten neuen Kindertagesstätten, den Sanierungsstau bei den kommunalen Gebäuden und die Pläne mit dem Realschul-Areal in Grunbach – der Abbruch der alten Schule soll nun doch schon dieses Jahr beginnen.

Frau Irion, vor Ihrem Amtsantritt in Remshalden hatten Sie das Vorhaben geäußert, öfter mal mit dem E-Bike von ihrem Wohnort Esslingen über den Schurwald zur Arbeit zu kommen. Was ist daraus geworden?

Im Moment komme ich mit dem Auto. Der Radweg über Stetten ist mir zu riskant, die Serpentinen hoch. Auf der Strecke sind zu viele Autos im Pendelverkehr unterwegs. Und der offizielle Radweg durch den Wald ist auch nicht so richtig geeignet für mich. Aber jetzt wird ja ein neuer Radweg über Aichelberg gebaut.

Und wie sind die Radwege in Remshalden?

Es gab im Remstal allgemein einige Verbesserungen im Zuge der Gartenschau. Aber es gibt in Remshalden sicherlich einige Stellen, an denen man nachjustieren kann. Die Verbindungen zwischen den nördlichen und südlichen Ortsteilen sind bisher stark auf den Autoverkehr ausgelegt. Mir sind die Fahrradwege hier ein Anliegen. Ich sehe das insgesamt als meinen Wirkungsbereich als Bauamtsleiterin, den öffentlichen Raum an verschiedenen Stellen noch attraktiver werden zu lassen.

Wo noch?

Was wir derzeit vorbereiten, ist der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen. Wir möchten als Gemeinde gerne unseren Teil dazu beitragen, dass es durch attraktive Bushaltestellen attraktiver wird, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.

An der Wand Ihres Büros hängt ein Plan der Gemeinde, auf den drei gelbe Punkte geklebt sind. Das scheint wichtig zu sein. Was hat es damit auf sich?

Die drei Punkte sind die Standorte der drei Kitas, die die Gemeinde in den kommenden Jahren bauen will – bauen muss, um den Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken. Der Punkt mit der Nummer 1 ist die Einrichtung in der Wilhelm-Enßle-Straße, wo der alte Kindergarten jetzt auch schon abgerissen ist.

Und wann wird dort gebaut?

Ich würde mir einen Baubeginn nächstes Jahr wünschen. Wir haben da etwas Zeitdruck. Ich will aber sicher sein, dass wir richtig bauen, das heißt, genau auf den Bedarf abgestimmt. Deswegen lassen wir gerade noch mal die Wirtschaftlichkeit prüfen und, weil die Entscheidung zum Bau der Kita schon eine Weile zurückliegt, auch noch einmal den Bedarf an Betreuungsplätzen prognostizieren. Das wollen wir dann noch einmal dem Gemeinderat vorlegen. Mir ist es wichtig, dem Gremium plausibel zu begründen, warum die Verwaltung bestimmte Dinge vorschlägt. In der Vergangenheit wurde teilweise in der Planung von Bauprojekten der Rotstift angesetzt und dann hat man gemerkt, dass man die Dinge doch braucht, und musste sie teuer nachrüsten. Das will ich vermeiden. Ich will eine vorausschauende Planung machen – auf allen Ebenen. Eine transparente Arbeitsweise ist mir wichtig.

Außer in der Planung der Kitas – was sind derzeit die Schwerpunkt-Themen Ihrer Arbeit?

Wir führen gerade eine detaillierte Untersuchung aller etwa 70 Gebäude der Gemeinde durch. Damit wollen wir gemeinsam mit dem Gemeinderat zu einer Priorisierung kommen, welche Gebäude, in welcher Reihenfolge wir mit Sanierungsmaßnahmen angehen. Es geht um notwendige, infrastrukturelle Maßnahmen, die nicht wegzudenken sind, Wartungsarbeiten, die der Bestandssicherung der Immobilien dienen. Das ist etwas, was jeder Häusles-Besitzer macht. Der will wissen, wann er seine Heizung austauschen muss, wann er sein Dach sanieren muss. Wir wissen das demnächst auch.

Gibt es einen Sanierungsstau in Remshalden?

Für die Liegenschaften kann man das, glaube ich, schon sagen.

Über die Hallen und Sportstätten will die Gemeinde ja im Besonderen nachdenken und auf Antrag aus dem Gemeinderat alle auf den Prüfstand stellen.

Richtig. Wir arbeiten parallel dazu mit dem Hauptamt an einer Entwicklungskonzeption für die Sportstätten. Da geht es um grundsätzliche Fragen: Wie sind sie genutzt? Kann man auf welche verzichten? Oder fehlt an anderer Stelle auch etwas? Das und die Gebäudeuntersuchung sind die planerischen Schritte, die 2020 laufen sollen.

Stockend voran ging es bisher aus Sicht der Bürger beim Abbruch der alten Realschule in Grunbach und der Planung einer Neubebauung. Wann tut sich da was?

Schneller als gedacht. Wir hatten bei der Ausschreibung der Abbrucharbeiten eine lange Zeitspanne bis ins nächste Frühjahr hinein gegeben. Aber die Angebote der Firmen zeigen: Es scheint eine gute Phase zu sein, in der die Abbruchunternehmen Zeit haben. Deshalb wird der Abriss wohl noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Wir laden dazu zeitnah die Anwohner zu einem Vor-Ort-Termin ein, um zu informieren.

Ist das dann schon die angekündigte Bürgerbeteiligung?

Nein, da geht es rein um eine Information über die Abbrucharbeiten. Was die Neubebauung angeht, soll es einen großen Prozess geben. Ich habe sehr lange in einem Planungsbüro gearbeitet, das genau solche Prozesse organisiert hat. Das ist ein richtiges Stück Stadt, das da weitergebaut wird, für Remshalden ist das eine große Konversionsmaßnahme. Da muss man gemeinsam gute Lösungen finden. Wir werden versuchen, die Bürger mitzunehmen. Wichtig ist, frühzeitig alle Belange und Interessen abzufragen und dann gemeinsam abzuwägen, damit es eine einvernehmliche Lösung gibt, die für die Gemeinschaft gut ist.

Der Rahmenplan für das Baugebiet steht ja schon. Bei was können die Bürger eigentlich überhaupt noch mitreden?

Was wir zur Diskussion stellen, kann ich noch nicht genau sagen. Allerdings werden wir kein Wunschkonzert machen. Ich sehe es schon als meine Aufgabe, die fachplanerischen Vorgaben so weit abzuschließen. Sonst bekommt man nachher lauter Wünsche, denen man gar nicht gerecht werden kann. Wir haben eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben, um das neue Wohngebiet vernünftig einzubinden. Dabei müssen wir den ersten und den zweiten Bauabschnitt zusammen denken, also das Realschul-Areal und das von Sporthalle und Sportplätzen auf der anderen Seite der Goethestraße.

Am Ende will die Gemeinde ja auch noch Geld verdienen, wenn die Grundstücke verkauft werden.

Ja, das brauchen wir auch zur Quersubventionierung der Kosten für den neuen Realschulstandort in Geradstetten, wo dafür das alte Hauptschulgebäude aufwendig umgebaut wurde. Eines ist für mich dabei ziemlich sicher – und deswegen will ich es auch besonders gut planen: Die Immobilien in dem neuen Wohngebiet werden ruckzuck verkauft sein. Remshalden hat eine hohe Wohnqualität; egal wo man ist, man läuft ein paar Straßen weiter und ist im Grünen. Diese Naturverbundenheit ist in jedem Ortsteil zu spüren.


Info: Person und Amt

Mira Irion ist 46 Jahre alt und lebt in Esslingen. Vor dem Wechsel nach Remshalden war sie stellvertretende Leiterin des Amts für Stadtplanung und Stadtentwicklung in Filderstadt – unter dem Baubürgermeister Reinhard Molt, der jetzt in Remshalden als Bürgermeister wieder ihr Chef ist.

An der Stelle als Amtsleiterin in Remshalden hat sie gereizt, darin noch mehr Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten zu haben. „Es ist ein großer Wirkungsbereich“, sagt sie. Zu ihrem Amt gehören die Bereiche Hoch- und Tiefbau, die Planung sowie die Bau- und Ordnungsverwaltung mit Gemeindevollzugsdienst.

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