Baubeginn in Winnenden Holzmarkt ist kein Parkplatz mehr

Der Baustart am Holzmarkt an der Ringstraße beginnt mit Halteverbot, rot-weißem Flatterband und einem Bauzaun. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. So mancher Gewohnheitsmensch wird nach seinem Pfingsturlaub den Holzmarktplatz an Wall- und Ringstraße ansteuern – und an einem Bauzaun stehen. Die Bebauung des 2000 Quadratmeter großen Areals hat begonnen. Angesichts der Bedeutung des Baus für die Stadt sollte der Wegfall der bisherigen 40 Parkplätze für ein Jahr kein Thema sein - ist es für Anlieger wie Friseurin Jutta Brändle aber doch.

„Ich höre von meinen Kunden schon seit Ostern, dass es nachmittags immer schwieriger wird, einen Parkplatz zu bekommen“, sagt sie. Auch Kino- und Gastronomiebesucher müssen künftig etwas mehr Zeit für die Stellplatzsuche aufwenden - oder diese ins Finden von Alternativen stecken, die da lauten: Fahrradfahren, den Bus nehmen, der am Rathaus und am Kronenplatz hält und den Bahnhof direkt anbietet, gemeinsam mit anderen fahren ...

Recht locker sieht Anlieger Max Mayer (Bürofachgeschäft mit Schreibwaren) die Baustelle. „Ich habe Kundenparkplätze bei mir im Hof“, auch seitlich an der Ringstraße kann man sein Gefährt abstellen. „Am Diebsturm sind für normale Autos zwar zwei Parkplätze weggefallen, weil da nun die E-Ladesäule steht. Aber eigentlich sind wir doch immer noch sehr gut bestückt hier in Winnenden mit oberirdischen Parkplätzen und Tiefgaragen.“ Max Mayer freut sich über den Bau des Holzmarkt-Carrés: „Wenn die Abbruchhäuser weg sind, wird das eine Aufwertung, und ohne die verödet unsere Innenstadt.“

Wirtschaftsförderer will sich Gedanken für einen Ersatz machen

Der Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer des Einzelhändlervereins Attraktives Winnenden, Timm Hettich, will sich mit seinen Kollegen vom Bauamt im Rathaus zusammensetzen, um eine Ersatzlösung zu finden für die Bauzeit. „Vor allem im unteren Bereich der Marktstraße haben uns ja schon immer Parkplätze gefehlt, die 40 provisorischen auf dem Kronenplatz trugen zur Entlastung bei, nun verschärft sich das wieder.“ Ob die Stadt tatsächlich ein abbruchreifes Haus in der Nähe besitzt, das sie kurzfristig in einen Schotterparkplatz verwandeln kann, glaubt Hettich allerdings nicht. „Es gibt nichts, erst recht nicht bei der derzeitigen Lage auf dem Immobilienmarkt.“

Hettich: Massive Einbußen bei Wegfall des kostenlosen Parkens für zwei Stunden

Hettich gibt Jutta Brändle recht, die für die nahe Zukunft ein Parkleitsystem für die Stadt fordert, denn auswärtige Kunden seien häufig überfordert, sich zurechtzufinden. Außerdem hält die Friseurin ein Parkhaus, das eine Firma gebührenpflichtig betreibt, für die Lösung - etwa am Bahnhof oder auf dem Lidl-Grundstück. „Ich zahle gern für den Parkplatz drei Euro, wenn ich dafür stressfrei parken kann“, sagt sie. Timm Hettich aber lässt in diesem Punkt nicht mit sich reden. „Der Wegfall des kostenlosen Parkens für zwei Stunden würde massive Einbußen für unseren Standort bedeuten. Dann sagen sich die Kunden, dass sie genauso gut in Backnang, Schorndorf oder Waiblingen einkaufen können.“ Viele kämen aus diesen Städten, aus Berglen und sogar Marbach extra hierher. „Ein Parkleitsystem macht Sinn, es gehört zum Mobilitätskonzept, das wir aufstellen müssen. Trotz der Möglichkeit, mit dem Rad zu fahren oder Busse zu nutzen – die meisten Kunden fahren am liebsten direkt zum Geschäft und drehen lieber zehn Runden, bis sie einen Platz haben, bevor sie auf den Bus umsteigen oder ihr Auto zu weit weg abstellen.“ Am Bahnhof parken und mit dem Bus eine Haltestelle fahren, auch diese Idee Brändles, glaubt Hettich, würde das Gros der Kunden nicht mitmachen.


„Kronenplatz muss der große Wurf sein“

Ist der Holzmarkt fertiggestellt, wird es mehr Parkplätze geben als bisher. 20 öffentliche und oberirdische erstellt die Stadt auf dem Platz zwischen „Traube“ und Holzmarkt-Carré, 15 bis 20 Kundenparkplätze (Stand November 2018) entstehen in der neuen Tiefgarage des Carrés und dazu kommen die privaten Stellplätze für Wohnungen, Büros und Praxen.

Aus Sicht von Timm Hettich wäre es aber wichtig, dass die Baustelle Kronenplatz sich nicht mit dem Holzmarkt überschneidet. Mit ihr fallen weitere 40 Stellplätze weg. Das neue Gebäude, geplant von Jürgen Mayer H., wird dann allerdings auf einer Tiefgarage mit mindestens zwei Ebenen entstehen, von denen jede 59 Stellplätze hat, für die Bewohner und Geschäfte.

Im Investorenwettbewerb hieß es im Mai 2018, dass eine dritte Ebene mit weiteren 59 Stellplätzen möglich sei - diese müsste die Stadt finanzieren, um die Parkplätze der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. „Dafür werde ich mich starkmachen“, sagt Timm Hettich. „20 öffentliche Plätze oder so reichen da nicht aus. Der Kronenplatz muss dahingehend ein großer Wurf sein. Der Drogeriemarkt DM als Ankermieter wird entsprechend viele Kunden anziehen, aber auch einen Impuls für die Innenstadt geben.“

„Quantensprung“

Am Holzmarkt erstellt Class Hausbau ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem auch Praxen und Büros untergebracht werden können. In der Tiefgarage wird es Kundenparkplätze geben.

„Unser Gebäude wird ein Quantensprung für die Stadt“, sagt Rainer Class, der auf Nachfrage unserer Zeitung für nächste Woche Details zum Projekt Holzmarkt-Carré in Aussicht stellt. Auf der Internetseite classhausbau.de stellt die Firma die Visualisierung des Neubaus einem Luftbild vom bisherigen Brache-Zustand gegenüber und schreibt, dass ein neues Eingangstor zur Stadt definiert wird. 

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