Baugebiet Rötelfeld II in Welzheim Zwei Investoren wollen Mehrfamilienhäuser bauen

Auf dem Baugebiet Rötefeld II in Welzheim wollen zwei Investoren Mehrfamilienhäuser bauen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Welzheim. Die Lage ist auch auf dem Welzheimer Wohnungsmarkt prekär. Die Nachfragen bei der Stadt seien zuletzt „nachgerade erschreckend nach oben geschnellt“, sagte Bürgermeister Thomas Bernlöhr im Gemeinderat. Es mangelt vor allem an bezahlbarem Wohnraum. Umso erfreulicher ist es, dass nun zwei Investoren im Baugebiet Rötelfeld II Mehrfamilienhäuser bauen wollen.

Noch vor neun Jahren erreichte die Verwaltung keine einzige Anfrage nach einer städtischen Mietwohnung. Auch in den darauffolgenden Jahren bewegte sich die Zahl der Anfragen im niedrigen einstelligen Bereich. Seit 2015 steigt sie jedoch stetig an. Im vergangenen Jahr waren es dann 40 Personen, fast alle davon übrigens Welzheimer, die bei der Stadt angefragt haben. Und dieser Trend setzt sich auch 2019 fort. „Der Mangel wird spürbar größer“, sagte Bürgermeister Bernlöhr in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Besonders groß sei der Bedarf beim Mietwohnungsbau für kleinere und mittlere Einkommen.

Kaufpreis: 295 Euro pro Quadratmeter

Zum ersten Mal seit dreißig Jahren wurden nun im Baugebiet Rötelfeld II Häuser mit mindestens vier Geschossen geplant. Und zwei Firmen haben ihr Interesse bekundet, Mehrfamilienhäuser bauen zu wollen. Zum einen die Firma Riker: Zwei Häuser mit insgesamt rund 21 Eigentumswohnungen möchte das Unternehmen dort auf einer Gesamtwohnfläche von etwa 1640 Quadratmetern erstellen – und zum freien Verkauf an Eigennutzer und Kapitalanleger anbieten. Eine recht detaillierte Planung liegt der Verwaltung dazu bereits vor. Der Kaufpreis beträgt 295 Euro pro Quadratmeter.

Zum anderen hat die Kreisbau-Gruppe erklärt, ein oder zwei Mehrfamilienhäuser in dem Gebiet bauen zu wollen. Ein Teil davon könnte auch als sozialer Wohnungsbau (mit einem guten baulichen Standard) erfolgen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Kreisbau das Grundstück im Erbbaurecht ohne Zahlung von Zinsen zur Verfügung gestellt wird – und die Stadt eine Bürgschaft leistet. Die Bausumme wird auf rund vier Millionen Euro geschätzt.

Kritik an Verkaufskonditionen bei der Kreisbau-Gruppe

Die Verwaltung wollte sich vom Gemeinderat nun die Zustimmung dafür einholen, das eine Flurstück an Riker zu verkaufen und für das andere die Konditionen mit der Kreisbau-Gruppe im Detail zu verhandeln. Während es zum ersten Punkt keine Diskussion unter den Räten gab, sorgten vor allem die möglichen Konditionen der Kreisbau für viel Kritik in dem Gremium.

„Da wird mir zu viel diktiert“, fand etwa Claudia Kuhn (Welzheimer Bürger). Auch dass der Bauplatz erst vergeben und dann die Konditionen verhandelt werden, missfiel ihr. Im Notfall müsse die Stadt den Bau selbst in die Hand nehmen, „ich würde das nicht ausschließen“. Kritisch betrachtete auch Thomas Linzmair (CDU) das Engagement der Kreisbau. Er störte sich vor allem am geplanten Standort direkt am Eingang zum neuen Baugebiet (den das Gremium indes selbst so festgelegt hat). Dass die Stadt selbst Wohnungen erstellt, lehnte er jedoch ab: „Welzheim sollte keine Immobilienfirma werden.“

Alexandra Veit (SPD) tat sich aus einem ganz anderen Grund schwer mit der Kreisbau-Gruppe. Nämlich wegen der jahrelangen Verzögerungen beim letzten gemeinsamen Projekt: der Schorndorfer Straße 44 und 46. Seit 2015 hat sich dort nur wenig getan, aktuell befinden sich die Gebäude noch im Bau. „Wir brauchen Geschosswohnungsbau – und das dringend. Aber wir können uns nicht so abhängig machen von der Kreisbau“, sagte Veit, die stattdessen eine Public-Private-Partnership, also die Kooperation der Gemeinde mit privaten Anbietern vorschlug. Die Stadt solle erst einmal nach Partnern suchen – und die Kreisbau zurückstellen, so Veit.

Eine solche lehnte die Verwaltung jedoch ab. „Da will immer jemand etwas verdienen, das ist der Pferdefuß“, sagte Bernlöhr. Außerdem gebe es im Moment auf dem Markt gar nicht die Anbieter, die so etwas gemeinsam mit Welzheim umsetzen könnten. Der Bürgermeister wollte zudem einen Stab brechen für die Kreisbau-Gruppe. „Das in Welzheim war ein Ausrutscher, da kam die Flüchtlingskrise dazwischen. Normalerweise setzen sie ihre Projekte termingerecht um.“

Dass die Stadt selbst die Immobilien baut und auch anbietet, schloss Bernlöhr aus. Not und Dringlichkeit seien so groß, dass die Verwaltung keine Zeit für weitere Beratungen verwenden möchte. Daher solle auch der noch amtierende geschäftsführende Gemeinderat darüber entscheiden.

Wohnungen sollen für 33 Prozent unter Marktpreis vermietet werden

Sebastian Buhl (Freie Wähler) war es dann, der die Stimmung im Gremium mit einem emotionalen Appell an seine Kollegen drehte. Vor der Wahl hätten alle gesagt, wie dringend sozialer Wohnungsbau gebraucht werde. „Leute, jetzt haben wir endlich jemand, der 33 Prozent unter dem Marktpreis vermieten will – und kein Risiko, sondern Millionen Euro, die wir bekommen.“ Geld, das an anderer Stelle dringend benötigt werde. „Es gibt bestimmt hundert Familien, die uns deswegen die Bude einrennen.“

Der Beschluss, die Flurstücke an Riker und die Kreisbau-Gruppe zu vergeben, fiel schließlich einstimmig aus.


Neue Räte bereits eingebunden

Der aktuelle Gemeinderat ist nach der Wahl am 26. Mai nur noch ein geschäftsführender. Grundlegende Angelegenheiten sind deshalb eigentlich vom neuen Gemeinderat zu entscheiden. Dieser konstituiert sich allerdings erst am 24. Juli.

So lange wollte Bürgermeister Thomas Bernlöhr aufgrund der gegebenen Dringlichkeit nicht warten mit der Entscheidung über die Bauplätze.

Das haben übrigens auch die beiden künftigen Gemeinderäte der Piraten-Liste so gesehen. Diese hatten ihre Anregungen und Vorschläge zu dem Thema bei der Verwaltung eingebracht. Etwa zum Thema Barrierefreiheit bei der Planung der neuen Mehrfamilienhäuser.

Bernlöhr zeigte sich erfreut über die konstruktive Mitarbeit der künftigen Ratsmitglieder.

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