Bauvorhaben in Plüderhausen Anwohner werfen Bürgermeister Vetternwirtschaft vor

So soll das neue Wohnhaus aussehen. Foto: Stammler Architekten

Plüderhausen. „Vetternwirtschaft“ werfen die betroffenen Anwohner Bürgermeister Andreas Schaffer vor. Sie sorgen sich, in Zukunft nicht genug Parkplätze zu haben und finden, dass das geplante Haus in der Halde 52 nicht in die Nachbarschaft passt. Der Gemeinderat plädiert indes für eine Verdichtung von innen heraus und hält das Projekt für zumutbar. Die Leute bräuchten Wohnungen.

„Das Haus passt da einfach nicht hin“, entrüsten sich die Anwohner der Nachbarschaft, in dem das Mehrfamilienhaus entstehen soll, gegenüber unserer Zeitung. Sie sind zusammen zur Gemeinderatssitzung erschienen, um sich anzuhören, wie es mit dem Plan für das Haus weitergehen soll. Ginge es nach ihnen, würden sie das Projekt einstampfen. Die unmittelbaren Nachbarn des Bauplatz-Grundstücks planen sogar, gegen das Bauvorhaben zu klagen: „Wir werden auf der Terrasse sitzen, wie auf dem Präsentierteller“, sagt die Bewohnerin. Weil die Balkone des neuen Hauses Einblick auf ihr Grundstück geben würden.

„Wir haben als eine der letzten dort gebaut“, sagt einer der Anwohner. „Wir hätten auch einige Änderungswünsche gehabt, aber damals wurde uns gesagt, wir brauchen uns gar keine Hoffnungen zu machen.“ Jetzt wo es um den letzten Bauplatz gehe, werde nach anderen Spielregelen gespielt. „Manche sind wohl gleicher als andere,“ kommentiert der Mann. Worauf er anspielt und was auch den anderen Anwohnern besonders sauer aufstößt, sind die familiären Beziehungen von Bürgermeister Andreas Schaffer zu dem in das Bauvorhaben involvierte Architekturbüro.

„Vitamin B“: Die Anwohner fordern gleiche Bau-Bedingungen für alle

Die Worte „Vetternwirtschaft“ und „Vitamin B“ fallen nach der Sitzung gar in der kleinen Gruppe. Was stimmt: Andreas Schaffer ist bei dem Projekt befangen. Deshalb hat er sich während der Abstimmung im Gemeinderat ordnungsgemäß ins Publikum gesetzt. Ebenso wie FW-FD-Fraktionsmitglied Silvan Vollmar übrigens, der für das besagte Architekturbüro arbeitet. „Ich finde die Unterstellungen der Nachbarn fachlich unbegründet und unsachlich“, sagt Andreas Schaffer auf Nachfrage. Der Gemeinderat habe den Fortgang des Projekts einstimmig beschlossen und er sei daran, wie es sich gehört, nicht beteiligt gewesen.

„Wir machen uns solche Entscheidungen nicht einfach“, sagte Erich Wägner, Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste Umwelt, als die Gemeinderäte das Projekt in der vergangenen Sitzung diskutierten. Auch ihn hätten Meldungen aus der Nachbarschaft erreicht. Trotzdem plädiert er für die Verdichtung von innen heraus. Das sei immer noch besser als die Versiegelung von Außenflächen. „Ja, wir wünschen uns auch Familienhäuser“, so Wägner. Trotzdem: „Die Leute brauchen Wohnungen.“ So wie das Projekt geplant sei, füge sich das Haus in die Landschaft ein. „Da kann man fast nichts anderes tun als zuzustimmen.“

Die Nachbarn sammeln Unterschriften

In der folgenden Diskussion ging es hauptsächlich um die Parkplatzsituation in der Nachbarschaft, die laut Aussage der Nachbarn sehr beengt ist. „Wir sollten das städtebaulich beurteilen und nicht von der Parkierung her“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Harald Kelemen. Trotzdem stellte seine Fraktion im Anschluss einen Antrag, den die Gemeinderäte mehrheitlich annahmen: Für jede geplante Wohneinheit sollen unabhängig von ihrer Größe zwei Parkplätze entstehen.

Die Nachbarn reicht das nicht. Sie sammeln Unterschriften und wollen ihre Bedenken in den nächsten Monaten äußern. Das Vorhaben befindet sich im Moment noch im Anfangsstadium.

Der Bebauungsplan wird jetzt öffentlich ausgelegt. Wer Kritik oder Bedenken hat, kann diese im nächsten Schritt des Prozesses in schriftlicher Form einreichen. Dazu muss die Verwaltung dann Stellung nehmen.


Das sind die Bedenken der Nachbarn

„Kein Platz für Hausmeister, Handwerker, Besucher, Lieferverkehr usw.“, so ist es in der schriftlichen Stellungnahme eines Anwohners zu lesen, die uns vorliegt. Die Erfahrung zeige, dass zur Mehrheit der geplanten Wohnungen zwei Autos gehören. Der jetzige Zustand in der Sackgasse sei aber bereits unerträglich.

„In Plüderhausen wird so viel gebaut“, sagt eine Anwohnerin. „Es ist doch nicht nötig, hier so ein Haus hinzusetzen, das überhaupt nicht in die Umgebung passt.“

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