Beachtennis Neustädterin mit 14 Jahren bei der WM

Amelie Scholl gehört zum deutschen Nationalkader im Beachtennis. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Cool wie Beachvolleyball, schnell wie Badminton und spannend wie Tennis – das ist Beachtennis. Die 14-jährige Neustädterin Amelie Scholl ist ein Toptalent in dieser Trendsportart und hat, kaum entdeckt, gleich bei der Weltmeisterschaft in Moskau teilgenommen. Jetzt freut sie sich auf die deutsche Meisterschaft in Saarlouis.

Ihre bevorzugte Schlagtechnik ist der „Smash“. Wer einen Schmetterball von Amelie Scholl auf sich zurasen sieht, hat zwei Optionen: Kopf einziehen oder mit unglaublicher Reaktionsgeschwindigkeit zurückbrettern. In der WM-Teilnehmerin steckt eine Schlagkraft, die man der 14-Jährigen zunächst nicht zutrauen würde. Wer schon einmal ein Badminton-Spiel auf Leistungssport-Niveau erlebt hat, hat eine Ahnung, wie rasant ein Beachtennis-Match werden kann. Nach Meinung der Staufer-Realschülerin ist ihr Lieblingssport sogar noch schneller. Und obwohl sie seit ihrem achten Lebensjahr Tennis spielt, findet sie ganz klar: „Beachtennis ist einfach mega und macht so viel mehr Laune.“

Musik und Party-Stimmung gehören bei Turnieren dazu

Die Zählweise funktioniert genau wie beim Tennis. In Sachen Atmosphäre jedoch ähnelt der Trendsport mehr dem Beachvolleyball. „Beachtennis spielt man immer zu zweit und immer zu Musik“, schwärmt die Schülerin. Gute Stimmung, nette Leute und das gewisse Strandparty-Gefühl gehören zwingend dazu. Auch dann, wenn das Meer weit entfernt ist wie bei der WM in Moskau, wo die Sandspielfelder und der Center Court mitten in der Stadt lagen. Turniere haben immer Event-Charakter. Noch voriges Jahr hätte sich Amelie nicht träumen lassen, dass sie zur WM nach Moskau fliegen würde. Von einem Besuch bei einer Freundin in Österreich abgesehen, war’s die erste Auslandsreise ohne Eltern. Eine Art Abenteuerurlaub der besonderen Art. Ihr Weg zur Weltmeisterschaft verlief schnurstracks vom Tennisplatz: Seit Anfang des Jahres betreibt ihr (Tennis-) Heimatklub TSV Neustadt im Jugendbereich eine Spielgemeinschaft mit dem TB Beinstein. Der dortige Trainer Oliver Stoll vermittelte den Kontakt nach Oeffingen zur aktiven Beachtennis-Spielerin Lisa-Marie Bürkle. Bei einem Sichtungslehrgang fiel Amelies Talent auf: Sie wurde vom Fleck weg für das deutsche Nationalteam engagiert.

Die Reise nach Moskau: Spannend und trainingsintensiv

Die Jugend-WM wurde gleichzeitig zur Weltmeisterschaft der Erwachsenen ausgetragen. In Amelies Altersklasse traten zwölf Länder an – am Ende sprang für das deutsche Team Platz sieben heraus. Pro Begegnung wurde das Ergebnis im Mädchen-Doppel, Jungen-Doppel und im Mixed gewertet. Neuling Amelie kam die Rolle zu, im Mixed zu spielen oder als Ersatz im Mädchen-Doppel einzuspringen. Mit Spannung erwartet sie jetzt die deutsche Meisterschaft in Saarlouis vom 21. bis 25. August. In Moskau verbrachten die Spielerinnen den ganzen Tag auf dem Sportgelände und trainierten täglich. Fürs Sightseeing blieb ein – ebenfalls nicht trainingsfreier – Tag. Gespielt wird beim Beachtennis mit sogenannten Midcourt-Bällen, die im Jugendtennis gebräuchlich sind. Ganz unumstritten ist das Beachtennis-Engagement des Deutschen Tennisbundes nicht, wie Amelies Vater, der Neustädter Tennis-Jugendwart Andreas Scholl, berichtet, nicht: Die einen befürchten durch den Trendsport eine Konkurrenz. Die anderen wittern die Chance, Jugendliche für den traditionellen Sport zu gewinnen. „Die Trainer sagen, dass Beachtennis eine gute Ergänzung und Spielübung fürs herkömmliche Tennis ist.“ Was Amelie aus eigener Erfahrung bestätigt: „Meine Aufschläge und Volleys sind seitdem härter geworden“, erklärt die 14-Jährige den Effekt aufs eigene Tennisspiel, „und ich traue mich öfter vor ans Netz.“ Ihr großer Wunsch ist nun, dass sich noch mehr Leute für Beachtennis begeistern und beim TB Beinstein melden.


Die Regeln und ein bisschen Geschichte

Gespielt wird auf einem normalen Beachvolleyball-Feld (16 mal acht Meter) bei einer Netzhöhe von 1,70 Meter mit Beachtennis-Schlägern ohne Bespannung – sogenannten Paddles. In Deutschland sind die meisten Turniere unter dem Dach des Deutschen Tennisbundes zusammengefasst. Seit 2008 engagiert sich der Tennisweltverband ITF im Beachtennis.

Die Sportart hat ihren Ursprung an der italienischen Adria. Schon in den 1980er Jahren wurden bei Ravenna die ersten Beachfelder gebaut. Zunächst spielten die Einheimischen hier Beachvolleyball. Parallel spielten Kinder und Jugendliche mit Holzschlägern Beachball. Im Jahr 1988 wurde Beachtennis zum ersten Mal als Turnier mit Tennisschlägern und hohem Netz am Strand von Grado/Italien gespielt.

Der DTB nahm die Trendsportart im Jahr 1998 in sein Regelwerk auf. In Deutschland wurde Beachtennis anfangs noch mit Tennisschlägern gespielt, mittlerweile hat man sich aber der internationalen Variante mit Paddles angepasst.

In den letzten Jahren hat sich das deutsche Beachtennis-Nationalteam in der Weltspitze etabliert. 2017 gab’s erstmals ein mit 15 000 Dollar dotiertes Turnier in Saarlouis.

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