Beispiel Waiblingen Was macht eigentlich ein Oberbürgermeister?

Ein bisschen grauer als vor 13 Jahren ist er schon. Aber Spaß macht ihm sein Job als Oberbürgermeister noch immer, sagt Andreas Hesky. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. In einem Oberbürgermeistersessel zu sitzen, Chef von 1200 städtischen Mitarbeitern und Vorsitzender des Gemeinderats zu sein, erster Mann der Stadt, gerngesehener Redner und Händeschüttler auf Einweihungen und Vereinsfeiern: all das gehört zum Job von Andreas Hesky. Auch 13 Jahre nach seiner Wahl zum Stadtchef in Waiblingen liebt er seine Aufgaben und die Kommunalpolitik.

Wenn er nach Mitternacht die Lichter ausmacht, ist er der Letzte im Rathaus. 15 Stunden Arbeit sind keine Seltenheit für Oberbürgermeister Andreas Hesky. Nach 13 Jahren in Waiblingen läuft er noch immer auf Hochtouren. Sich als Stadtchef einbringen zu können, Ideen vorzugeben und sie nach Möglichkeit auch umsetzen zu können, empfindet er noch immer als Traumjob, für den er jeden Tag dankbar sei. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass die zeitliche Belastung enorm und sein Amt alles andere als familienfreundlich ist. „Es macht Spaß, wenn man die Richtung vorgeben und etwas bewegen kann“, findet der 55-Jährige heute wie damals.

„57 000 Bürger sind 57 000 Meinungen“

Der Bürgermeister ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Gemeindeverwaltung, heißt es in der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Für die Sitzungen des Gemeinderats stellt er die Tagesordnung auf und macht Beschlussvorschläge. Damit gibt er für die Abstimmungen schon mal eine Richtung vor, die im Zweifelsfall auch nicht jedem gefallen müsse. Es allen recht zu machen, sei ohnehin nicht möglich, findet er. Weder in der Stadt („57 000 Bürger sind 57 000 Meinungen“) noch im Gemeinderat, der im Übrigen keineswegs ausschließlich das Aufsichtsorgan der Verwaltung sei. „Wir gestalten und verwalten gemeinsam die Stadt“, sagt Hesky. Anders als viele meinen, ist der Oberbürgermeister bei einer Abstimmung im Rat nicht das Zünglein an der Waage, sondern hat eine von 33 Stimmen. Doch am nächsten Tag muss er die Beschlüsse des Gemeinderats dann als Chef der Stadtverwaltung umsetzen - egal, ob sie ihm gefallen oder nicht. Tut das weh? „Es gibt immer wieder Beschlüsse, die ich nicht möchte“, räumt er ein. Das unvermutete Ende des grünen Hochhauses zum Beispiel, das nach dem Aus durch den Rat in der Schublade verschwand, habe schon wehgetan. „Doch als Demokrat muss man so etwas akzeptieren.“

Wenige freie Wochenenden im Jahr

Wer Oberbürgermeister Andreas Hesky spontan erreichen will, merkt schnell, wie schwierig das ist. Besprechungen und Dezernentenrunden im Rathaus wechseln sich mit Sitzungen im Kreisrat und im Verband Region Stuttgart ab, Besichtigungen und Pressetermine folgen auf Einweihungen und Ehrungen. Der Mann ist auf Achse. Die Stadt zu repräsentieren, ist ein wichtiger Part des Bürgermeisteramtes – und Hesky tut das gern und ausgiebig – „24 Stunden am Tag.“

Überhaupt gibt es seiner Ansicht nach viele Gründe, davon auszugehen, dass man als OB immer im Dienst ist, sobald man aus dem Haus gehe. Angesprochen wird übrigens nicht nur der Bürgermeister selbst, sondern nicht selten auch dessen Familie. Das Privatleben fördert das nicht gerade. Ebenso wenig wie die wenigen freien Wochenenden – über seine Samstage und Sonntage verfügt Hesky eigentlich nur Ende Januar und im Februar, wenn der Bürgertreff gerade vorbei ist und die Hauptversammlungen der Vereine noch nicht begonnen haben. In seine seltenen Urlaubszeiten legt Hesky auch dienstliche Termine, Weihnachtsferien hat er ohnehin keine, weil er in dieser Zeit seine Rede für den Bürgertreff vorbereitet. Kein Wunder, dass der 55-jährige Vater zweier erwachsener Kinder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht einfach findet. Frauen, die sich für diesen Beruf entscheiden, brauchen seiner Meinung nach ein großes familiäres Umfeld, um beides stemmen zu können.

Ein interessierter Chef

Was ein Oberbürgermeister auf jeden Fall braucht: Spaß daran, auf Leute zuzugehen und in der Öffentlichkeit zu reden. Menschen zu überzeugen und für die Stadt einzunehmen. „Introvertiert sollte man nicht sein“, formuliert es Andreas Hesky. Hilfreich ist sicheres Auftreten für ihn aber auch als Chef einer großen Verwaltung, in der geführt, motiviert und delegiert werden muss. Delegieren sei zwingend wichtig, findet er. Was bei ihm aber nicht bedeute, dass er die Themen einfach abgibt, sondern sich nach wie vor für sie interessiere und verantwortlich fühle. „Ich will sicherstellen, dass es funktioniert.“ In der Stadtverwaltung habe das anfangs zu Rückfragen irritierter Mitarbeiter geführt, die sich fragten, warum sich der OB denn für ihr Geschäft interessiere. „Das ist keine Kontrolle“, betont Hesky. Er sei eben ein interessierter Chef. In den 13 Jahren hätten sich die Mitarbeiter daran gewöhnt, die Ortsvorsteher beispielsweise gemerkt, dass ihre Freiheit größer sei, je mehr sie ihn informierten.

Andreas Hesky ist Stadtchef mit Leib und Seele. „Man sagt nicht, ich werde OB“, ist er überzeugt. Er selbst habe irgendwann die Berufung gespürt. „Wenn man diesen Beruf nicht als Berufung sieht, sollte man es besser lassen.“


Seit 2006

Andreas Hesky ist seit 2006 Oberbürgermeister in Waiblingen.

Zuvor war er von 2003 bis 2006 Erster Bürgermeister in Ludwigsburg und von 1992 bis 2003 Bürgermeister in Wendlingen.

Ihm zur Seite stehen seit 2014 Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr und seit diesem Jahr Baubürgermeister Dieter Schienmann. 

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