Beispiel Winnenden Was macht eigentlich der Oberbürgermeister?

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth am Besprechungstisch in seinem Büro im Rathaus. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Winnenden. Er repräsentiert, kontrolliert, gratuliert, prüft, moderiert, debattiert, leitet, strukturiert, führt und delegiert. Nur eines macht Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth nicht: Beschlüsse fassen. Dafür hat er den Gemeinderat, der am 26. Mai neu gewählt wird.

Arbeit hat er trotzdem genug. Los geht es für den OB im Rathaus üblicherweise morgens um 8.30 Uhr. „Manchmal bin ich auch um 7 Uhr hier oder auch erst um 10 Uhr, wenn es am Tag zuvor spät wurde“, erzählt Holzwarth. In Spitzenzeiten arbeitet er bis zu 80 Stunden in der Woche. „Manchmal sind es auch nur 50. Das kann man nie genau sagen und es ist auch nicht planbar“, erklärt er. Mindestens an vier Tagen in der Woche stehen Abendtermine an, teilweise auch an allen sieben. „Manchmal ist an einem Tag am Wochenende nichts, ganz selten habe ich das ganze Wochenende frei“, berichtet er. In den Mittagspausen fährt er heim, wenn es die Zeit zulässt.

Holzwarth hat eine „Scharnierfunktion“ inne

Holzwarth leitet als Oberbürgermeister die Verwaltung. In dieser Rolle trifft er sich fast täglich mit Leitern der Ämter. Vielleicht spricht er mit Kulturamtsleiterin Sybille Mack über das nächste Highlight der Heimattage. Ganz sicher wird er von Markus Schlecht vom Stadtentwicklungsamt hören, wie es im Adelsbach läuft. Regelmäßig bespricht der OB Projekte wie die Sanierung des Lessing-Gymnasiums. Im engen Austausch steht er mit den Dezernenten Norbert Sailer und Jürgen Haas. Sailer, der Holzwarths Stellvertreter ist, kümmert sich um Sport, Soziales und ums Bauen. Haas ist für Finanzen und Ordnung zuständig. „Im Gegensatz zu Norbert Sailer und Jürgen Haas habe ich zusätzlich eine Art Scharnierfunktion zum Gemeinderat und zur Presse“, beschreibt Holzwarth.

Einige Abteilungen sind ihm direkt zugeordnet: das Hauptamt (Personalverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, juristische Angelegenheiten), das Stadtentwicklungsamt (Bauanträge und Baugebiete) und das Rechnungsprüfungsamt.

Wie er seine Mitarbeiter führt, entscheidet jeder Oberbürgermeister selbst. Holzwarth pflegt die Devise „Führung durch Nähe“. „Mir ist es wichtig, einen direkten Kontakt zu den Mitarbeitern zu haben und Dinge persönlich zu besprechen“, berichtet er. „Jedem muss klar sein, was er zu tun hat. Sollte es Unstimmigkeiten geben, ist es mir wichtig, sie frühzeitig zu erkennen, zu diskutieren und aufzuarbeiten.“

Der OB leitet Gemeinderats- und Ausschusssitzungen

Als Vorsitzender des Gemeinderats moderiert und strukturiert Holzwarth Sitzungen. Gemeinsam mit dem Ältestenrat entwickelt, bespricht und plant er vierteljährlich, was auf den Tagesordnungen steht. Im Ältestenrat, der eigentlich gar nicht so alt ist, sitzen Mitglieder aus jeder Fraktion im Gemeinderat. Schon hier zeigt sich: Gemeinderäte haben Einfluss, mischen fleißig mit.

Social-Media-Kanäle, um aufmerksam zu machen

Vor einer Sitzung prüft, korrigiert oder genehmigt der OB außerdem Vorlagen, die Mitarbeiter der Verwaltung vorbereitet haben. Zudem schätzt er den Zeitbedarf der einzelnen Tagespunkte ab und streicht gegebenenfalls etwas von der Liste.

Die Sitzungen leitet Holzwarth persönlich. Auch Ausschusssitzungen. Er ruft Redner auf oder greift ein, wenn eine Diskussion abschweift, es Zeit für die Abstimmung wird. „Die Sitzungen der Ausschüsse müsste ich nicht zwangsläufig selbst leiten. Ich könnte die Leitung auch an jemanden übertragen. Ich möchte aber über alle Schritte informiert sein und mache das deshalb gerne“, berichtet er. Holzwarth hat als Stadtoberhaupt eine Stimme im Gemeinderat – ein Beschluss kommt jedoch nur zustande, wenn die Mehrheit der 26 Gemeinderäte dafür ist. Der OB muss im Anschluss dafür sorgen, dass die Entscheidungen auch umgesetzt werden.

Bei wichtigen Festen, Empfängen oder Verleihungen spricht Holzwarth für die Stadt Winnenden. Um die Bürger auf solche Veranstaltungen und andere Themen aufmerksam zu machen, nutzt er die Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram. „Was ich dort von mir gebe, kommt alles von mir persönlich und nicht von unserer Presseabteilung. Man könnte es digitales Händeschütteln nennen“, erklärt der OB. Der Kontakt mit den Bürgern ist ihm wichtig, auch wenn er manchmal in der Stadt keine Zeit dafür hat. „Dann muss ich klar kommunizieren, dass es im Moment zeitlich schwierig ist und wir einen anderen Weg finden müssen. Dafür haben die Bürger meist Verständnis“, so Holzwarth.


Seit 2010 Oberhaupt von Winnenden

80 Prozent seiner Zeit verbringt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth in der Verwaltung. Zehn Prozent der Zeit verbringt er in Gremien (zum Beispiel im Gemeinderat und im Gemeindeverwaltungsverband) und die restlichen zehn Prozent mit Öffentlichkeitsarbeit.

Wenn der OB bei einer Gemeinderatssitzung nicht da ist, übernimmt sein Stellvertreter Norbert Sailer die Leitung.

Auch im Gemeindeverwaltungsverband, in dem neben Winnenden noch Schwaikheim und Leutenbach sind, hat Holzwarth den Vorsitz.

Dort geht es um Themen, die den Flächennutzungsplan betreffen.

Seit dem 1. April 2010 ist Hartmut Holzwarth im Amt des Winnender Oberbürgermeisters. Am 31. Januar 2010 wurde er gewählt.

Im Januar 2018 wurde Holzwarth wiedergewählt.

Vor seinem Amt in Winnenden war er Bürgermeister in Creglingen.

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