Berglen 32. Osterfeuer in Rettersburg

, aktualisiert am 23.04.2019 - 09:14 Uhr

Berglen. Ludwigsburg, Stuttgart, Esslingen, Heilbronn, Böblingen: Die Autokennzeichen zeigen, der Einzugsbereich der Osterfeuer-Veranstaltung in Rettersburg reicht weit über den Rems-Murr-Kreis hinaus. Ob allerdings auch die Autos aus München, Dresden und Berlin extra dafür angereist sind?

Wenn, wie dieses Jahr, das Wetter nicht nur mitmacht, sondern sich von seiner allerbesten Seite zeigt, dann ist beim Osterfeuer schon der Rand der Kreisstraße ab dem Ortseingang dicht, in den ans Vereinsheim angrenzenden Wohngebieten und Wiesen erst recht. Was wäre wohl erst los, wenn die Rettersburger selber, die benachbarten Oppelsbohmer und Öschelbronner nicht zu Fuß herspazieren oder herradeln würden? Die Talaue platzt schier aus allen Nähten, auch der gegenüberliegende Hang ist voll besetzt mit Kiebitzen, die bereitgelegte Holzpaletten als Unterlage nutzen oder gleich selbst eigene Gartenstühle mitbringen. Es herrscht bei mehr als frühlingshaften Temperaturen Picknick-, Familienfeier-, Volksfeststimmung, anders als beim parallelen Frühlingsfestauftakt auf dem Wasen eine entspannte, gelassene, nicht enthemmte, allerdings auch inklusive der gewohnt langen Schlangen an den Versorgungsständen.

Rund elf Meter Durchmesser und acht Meter Höhe

Vielen Besuchern kommt der aufgeschichtete Palettenberg noch höher vor als sonst. Ist er aber nicht, versichert Organisator Harald Häfner, nebenbei noch Jugendleiter beim SSV Steinach-Reichenbach. Rund elf Meter Durchmesser, etwa acht Meter Höhe, die Paletten wieder bereitgestellt von einer Winnender Entsorgungsfirma, also alles wie immer? Nicht ganz. Erst mal habe es nur vier Einsatztermine beim Aufschichten gebraucht, „weil wir mehr Helfer hatten als vorher und das Team immer besser wird“, berichtet Häfner stolz. Das Geheimnis laute, die Arbeit und Verantwortung auf möglichst viele Schultern zu verteilen, „das geht gar nicht mehr anders, alleine auf sich gestellt funktioniert im Ehrenamt heute nichts mehr“. Erstmals war außerdem der Sockel des Holzbergs mit Holzpaletten abgedichtet, damit zumindest dort kein Kleingetier sich hinverirrt und im Feuer später umkommt.

Sixtyseven-Band aus Berglen spielt entspannt auf

Wieder zur Stelle ist auch die Sixtyseven-Band aus Berglen, die ihren Namen vom Geburtsjahr ihrer Mitglieder hat und deren Titelauswahl mit zur entspannten Stimmung beiträgt. Den Nachwuchs kümmert das alles allerdings nicht, der vertreibt sich die Zeit auf der Wiese mit Kicken, Bolzen, Fangen rund um den Palettenberg. Einige Buben inspizieren allerdings interessiert auch die von der Feuerwehr ausgelegten Schläuche und Spritzen, mit den später einem Übergreifen des Feuers auf die Wiese und die angrenzenden Bäume vorgebeugt wird.

Eine Handvoll Mädchen fiebert ihrem Tanzauftritt bei Einbruch der Dämmerung entgegen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren gibt es auch wieder einen Fackeltanz, der zum Anzünden überleitet. Was so mancher etwas dünn bekleidete Zuschauer herbeisehnt. Denn so warm es tagsüber war, mit dem Verschwinden der Sonne zieht merkliche Kühle ins Tal herein. Eine Seniorengruppe hat es sich derweil ohnehin im Warmen, nämlich im Vereinsheim, gemütlich gemacht, nach dem Motto „Ach, das Feuer, des brennt no lang g’nug“. Kurz vor neun wird es endlich ernst, knapp 20 Fackelträger, jeder ein Kind an der Hand, schreiten zur Tat. Als die ersten Flammen hochzüngeln, meint ein Vater andächtig: „So, jetzt gibt’s kein Zurück mehr.“ In der Tat, keine drei Minuten dauert es, da weichen schon die Vordersten bereits vor der entstehenden Hitzewelle zurück, und nach fünf Minuten steht der ganze Palettenberg in Flammen. Doppelt so hohe Flammen wie der Brandherd selbst züngeln zum Himmel.

Von Minute zu Minute zieht sich die Zuschauermenge immer weiter von der Feuersbrunst zurück. Gedanken an Notre-Dame und: Was müssen erst Feuerleute, die sich in so etwas reinwagen, aushalten? Beim Osterfeuer warfen sie auf jeden Fall schon mal die Spritzen an, so dass mancher aus der Ferne Spähende dem Irrtum erliegt, da werde das Feuer ja bereits gelöscht. Überwiegend aber Staunen, ja Ergriffenheit in den vom Feuerglanz angestrahlten Gesichtern, über die ungeheuren Kräfte, die da im Innern walten.

  • Bewertung
    18

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!