Berglen Drei Fragen an einen Spazierstock-Schnitzer

Eine (kleine) Auswahl seiner schönsten Stücke. Foto: Speiser/ZVW

Berglen. Dutzende von ihm handgefertigte Spazierstöcke liegen bei Gerhard Jeutter im Heizungskeller, der zugleich auch seine Werkstatt ist. Wie viele der 87-Jährige aus Bretzenacker, seitdem er mit seinem Hobby in den 50er Jahren begonnen hat, seither verschenkt hat, kann er nicht mal mehr schätzen.

Wie kam das bei Ihnen mit den Spazierstöcken?

Also ich bin ja immer mit meiner Hildegard spazieren gegangen, wir kennen in Berglen wirklich jeden Weg, wir sind auch viel gewandert, haben an allen Volkswandertagen rundrum teilgenommen. Ich hab’ eben ein Auge dafür, was sich eignet. So ein Spazierstock ist ja mehr als nur ein g’rader Stecken. Der Knauf ist eigentlich das Wichtigste dabei. Haselnuss eignet sich vor allem. Der kommt überall vor und wenn man da so ein Ästle rauszieht, dann schadet das dem Busch überhaupt nicht, der treibt weiter aus, manchmal sogar noch stärker als vorher. Einen Jungbaum darf man auf keinen Fall nehmen, aber das ist ja klar. Ältere Hasel sind oft verwachsen, da muss man also nicht viel machen, der wächst schon so. Auch Schwarzdorn ist geeignet, ich hab’ aber auch welche aus Bambus, die sind sehr leicht.

Wer bekommt denn die Spazierstöcke, die ja alles Einzelstücke, Unikate sind?

Na ja, Verwandte, Bekannte, Freunde eben. Ich hab’ auch schon mal die ganze Feuerwehr damit ausgerüstet. Ich hab’ sogar welche extra für Links- oder für Rechtshänder. Die Stöcke haben ja von sich aus meist eine Drehung.

Was sind denn Ihre Lieblingsstücke?

Einer ist so gewachsen, dass der Griff eine „Rose“ hat, also eine spezielle Verwindung, so einen findet man nur einmal in 100 Jahren. Ein anderer ist aus lauter Baumkrebswucherungen. Die habe ich angebohrt, aneinandergefädelt und mit einem Metallstab innen verbunden. Die Kunst besteht aber eher darin, so etwas überhaupt zu finden. Ein weiterer Stock ist aus einem Reh- oder Hirschgeweih. Meinen ersten Spazierstock habe ich noch. Der ist aus Eiche, die habe ich gefunden, als etwa Mitte der 50er Jahre der Weg beim Kottweiler Spielplatz geschoben wurde. Die stand da einfach heraus und ich hab’ sie mitgenommen. Ein anderer besonderer Stock, den ich auch noch habe, aus Bambus, stammt aus Hawaii.

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