Berglen-Hößlinswart Eselrennen: Ja, wo laufen sie denn?

, aktualisiert am 11.06.2019 - 09:43 Uhr

Berglen. „Auswechselspieler“ Pippo sorgt für eine Überraschung, Hanni entdeckt die Langsamkeit, und die Kraftreserven von Esel-Senior Benjamin reichen immerhin fürs Halbfinale. Eine putzmuntere Eselhorde sorgte mit ihrer Rennwilligkeit wie auch mit dem kompletten Gegenteil – mit sprichwörtlicher Sturheit – für jede Menge Spaß beim 14. Eselrennen.

Als „Auswechselspieler“ springt Esel Pippo für die kurzfristig verhinderte Eselin Lucy ein und rast im Eselgalopp direkt ins Halbfinale. Den Eselführern kann es aber auch anders ergehen: An der Leine ziehen? Ganz schlechte Idee, wie der Begleiter von Venus mitten auf der Rennstrecke erfährt: Das Seil zwischen Zügel und Hand gespannt wie eine Wäscheleine, die Eselin bockt. Bis gerade eben hat Venus die Eselschnauze vorn. Plötzlicher Stimmungswechsel, ohne Vorankündigung geht sie keinen Schritt weiter. Gegen diese fellige Bastion des Widerstands helfen weder Streicheleinheiten noch gute Worte und auch kein Applaus von der Seite. Der Rückwärtsgang der 27-jährigen Seniorin wird immer stärker, die Verfolgerin Nelly holt auf. Leichtfüßig trabt das Tier vorbei und beschert Venus einen geruhsamen Nachmittag im Rennstall.

Drei windschnittige Herren und die gemütliche Hanni

Das Publikum applaudiert und schickt Applauswellen herum für dieses Überholmanöver im Zeitlupengang. „Dass Esel überhaupt rennen“, staunt ein Zuschauer. Und wie sie rennen können: Windschnittig sehen Mojito, Gioberto und Jolly Jumper aus, die mit durchgestrecktem Hals schon im Vorlauf klarmachen, wer Chef im Ring ist. Hanni hingegen ist in Zeitlupe unterwegs: Mit sanftem Zureden lässt sie sich immerhin zu einer der drei Vorlauf-Runden bewegen und verlässt mit stolz gehobenem Kopf die Arena. „Die ist schlau, sie hatte ihre Runde Auslauf und chillt jetzt wohl lieber“, kommentiert ein Mann den kräftesparenden Auftritt.

Nach dem Motto „Wozu unnötig verausgaben?“ ergattert sich auch Benjamin im gemäßigten Trabgang, lediglich mit einer halben Esellänge Vorsprung, ein Ticket für die nächste Runde. Vor und nach dem sogenannten Hoffnungslauf neigt er gutmütig seinen Kopf den Kinderhändchen entgegen, die ihn streicheln wollen. Zuerst die linke Backe, danach die rechte Seite – so kostet der zottige Paarhufer die Aufmerksamkeitsdusche aus.

Benjamin lässt sich gern streicheln und fotografieren

Oder streckt der Esel Benjamin sein Köpfchen etwa den vielen Hobby-Fotografen entgegen? „Er ist halt fotogen“, verrät Eselhalter Arno Speckmaier. Zum vierten Mal steht der Hausesel mit seinem weißen Bauch, heller Schnauze und 25 Lenzen auf dem Buckel ganz scherrig im Starterfeld. „Der will raus, der will mitmachen“, sagt Arno Speckmaier. „Seine Mädels müsste man überreden, aber er bewegt sich gern.“ Esel Benjamin lebt zusammen mit drei Eseldamen in der Tieroase der Laufenmühle bei Welzheim – in einer Werkstatt für behinderte Menschen. „Das Eselrennen ist für unsere Bewohner ein Riesenevent“, meint Arno Speckmaier.

Lediglich ein mildes Möhren-Doping vor dem Start von Filou

Während Benjamin durch Kutschfahrten und Eselführungen offenbar gerne Menschen um sich hat, stehen Bruncher und Filou bei ihren Besitzern auf der Koppel oder im Stall. Oder sie wetzen bei einem von drei Eselrennen in der Republik mit, die ihr „Herrchen“ Norbert Beyer mit ihnen besucht; eines davon – das Schefflenzer Eselrennen – hat Beyer selbst ins Leben gerufen. „Ich habe einmal rennende Esel im Fernsehen gesehen und mich kringelig gelacht“, erinnert er sich.

Sein erster Gedanke war damals jedoch: Ein Esel kommt ihm nicht ins Haus. „Ich bin doch nicht bekloppt“, sagt er. Aber: Kurz darauf war er dem Charme erlegen und hat sich einen Esel zugelegt. Das „Störrische“ und Eigensinnige seiner Schützlinge macht ihm gute Laune. „Sie können nicht ohne einander“, meint er. „Wären sie gemeinsam am Start, würde Filou nicht an Bruncher vorbeiziehen, obwohl er schneller ist, keine Ahnung, warum das so ist“, erzählt der Eselbesitzer.

Vor dem Start gibt Norbert Beyer lediglich ein mildes Möhren-Doping, der Rest entscheide sich ohne sein Zutun. „Man kann eh nichts machen, entweder er geht oder er geht nicht“.


Die schnellsten Esel 2019:

1. Mojito von der Zachersmühle bei Adelberg

2. Gustav von der Zachersmühle

3. Apollo vom Team Pettirossi Reichenbach/Fils (erstmals dabei beim Eselrennen)

4. Gioberto vom Aidehof in Winnenden

5. Jolly Jumper von der Zachersmühle

6. Pippo von der Zachersmühle

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