Berglen Kritik an immer weiteren Baugebieten

In der Kritik äußere sich das „Privileg“ derer, die schon in Berglen wohnen, konterte Friedrich. Foto: Büttner/ZVW

Berglen. Das unentwegte Aufeinander von Baugebieten in Berglen in den vergangenen Jahren haben zwei Oppelsbohmer in der Aussprache der Bürgerversammlung nach dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters kritisiert. Maximilian Friedrich verwies auf die hohe Nachfrage nach Bauplätzen, unter anderem durch Rückkehrer, und darauf, dass neuer Wohnraum für junge Familien geschaffen worden sei.

Sie sehe die Entwicklung kritisch, so eine Bürgerin, die diese auch mit dem Insektenschwund in Zusammenhang brachte: „Der kommt ja nicht von ungefähr.“ Ob denn der Gemeinderat und die Verwaltung sicher seien, dass hinter den betreffenden Entscheidungen auch die Mehrheit der Bürger stehe. „Die allgemeine Wohnungsnot kann doch nicht in Berglen alleine gelöst werden“, kritisierte die Oppelsbohmerin, die lebhaften Beifall von anderen Teilnehmern der Veranstaltung erhielt.

Friedrich hält dagegen

Friedrich hielt entgegen, dass in den vergangenen Jahren auch drei innerörtliche Bereiche nachverdichtet worden sind, dort also ebenfalls neuer Wohnraum entstanden ist – auf einem Teil des Grundstücks, auf dem die katholische Kirche gestanden hatte, das Areal, wo früher das Pflegeheim Mühlegg gewesen war, beides in Oppelsbohm und auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei in Hößlinswart. Er verwies auf die Grundstücksbörse der Gemeinde.

Zahlreiche, wenn auch nicht alle Baulücken seien in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Alle verbliebenen innerörtlichen Grundstücke mit Baulücken seien in Privathand. Die Verwaltung habe deren Besitzer angeschrieben, ob es eine Bereitschaft zum Verkauf oder zur Entwicklung gebe, zum größten Teil ohne Erfolg.

In der Kritik äußere sich das Privileg derer, die schon in Berglen wohnen

In der Kritik äußere sich das „Privileg“ derer, die schon in Berglen wohnen, konterte Friedrich, darauf verweisend, dass es viele Interessenten gebe, die während der Ausbildung oder des Studiums Berglen verlassen hatten, nun aber, nach der Familiengründung, wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen. Es gebe eben auch durch diese eine hohe Nachfrage nach Wohneigentum.

Ein weiterer Bürger aus Oppelsbohm verpackte seine noch massivere Kritik in die Frage: „Wer verpflichtet uns denn, den Wünschen von auswärtigen Bauherren nachzugeben?“ Er habe den Eindruck, was die Baugebiete und Bauplätze angehe, „dass wir hier im Schlussverkauf leben, dass Berglen verramscht wird“. Berglen, das sei doch immer in erste Linie schöne Natur, freie Landschaft gewesen. Es sei sehr fraglich, ob das, was in Berglen in den vergangenen Jahre geschehen sei und weiter geschehen solle, „wirklich nachhaltig ist. Wir müssen uns doch fragen, was wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen.“

Vergleich mit dem Schrumpfen von Käbschütztal

Friedrich erwiderte mit einem Vergleich, auf die Partnergemeinde Käbschütztal verweisend, den dortigen Rückgang der Bevölkerung im Gegensatz zum Zuwachs in Berglen. Neue Baugebiete bedeuteten Wohnraum für junge Familien und damit für mehr Kinder. Damit werde auch für die Auslastung der Infrastruktur – der Schule, der Kindergärten – gesorgt. „Und darüber bin ich froh.“ Für dieses Contra gab es ebenfalls starken Beifall. Es klatschten natürlich nicht die Gleichen wie vorher.


Die Bauplätze sind stets schnell verkauft

Wer bei Friedrich nachhakt, auf den „Landschaftsverbrauch“, die zunehmende Versiegelung durch die Baugebiete hinweist, erntet beim Bürgermeister zwar kein Unverständnis für die Bedenken, wird aber darauf verwiesen, dass die Gemeinde die Bauplätze stets binnen kurzer Zeit an den Mann bringt. Friedrich hält auch entgegen, dass, wenn man die großen Baugebiete in Nachbargemeinden zum Vergleich heranzieht, Berglen in der Summe bezogen auf die Fläche und die Zahl der neuen Gebäude beziehungsweise Wohnungen keineswegs übermäßig Bauland ausweise.

Letztlich entscheidet aber ohnehin der Gemeinderat beziehungsweise dessen Mehrheit. Beim Gebiet Stöckenhäule im Stöckenhof, dessen Aufsiedlung weitgehend abgeschlossen ist, hatte zumindest die SPD Bedenken geäußert. Beim Baugebiet Hanfäcker in Rettersburg, das derzeit erschlossen wird, gab es keine Gegenstimmen, auch nicht bei den nächsten beiden anstehenden kleinen Baugebieten. Allerdings hat die SPD wiederholt ein langsameres Tempo angemahnt, darauf verweisend, dass Berglen sein Entwicklungsreservoir aus dem Flächennutzungsplan bald aufgebraucht haben werde. Im Gemeinderat steht die SPD mit diesen Bedenken aber alleine, zumindest öffentlich.

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