Berglen Mehr Sicherheit zwischen Rettersburg und Öschelbronn

Planer Helmut Koller ist die vom Verlauf her wellige Strecke selbst schon mehrfach hinauf- und runtergeradelt. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Berglen. Mehr Sicherheit, für Autofahrer und Radler, soll der Ausbau der Kreisstraße zwischen Rettersburg und Öschelbronn bringen. Die Straße wird durchgehend auf sechs Meter Fahrbahnbreite erweitert. Parallel ist ein Rad- und Wirtschaftsweg gebaut worden.

Die Baustelle ist fast in Öschelbronn angelangt, allerdings nur, was die Verlegung der neuen Stromkabel dorthin angeht. Die Straßenbaukolonne hatte bislang Sommerpause, legt aber bald los und dann geht es mit zwei Kolonnen parallel weiter, berichtet Planer Helmut Koller vom Urbacher Ingenieurbüro Klinger und Partner. Der Weg neben der Straße dagegen ist fast fertig. Sein Bau wurde vorgezogen, weil so der Linienbus ihn nutzen kann und damit nicht, wie alle Ortsunkundigen, die weiträumige Umleitung fahren muss.

Die Straße ist bislang unterschiedlich breit und der Untergrund nicht einheitlich, erklärt Koller. Der Abschnitt vom neuen Kreisel am Ortsausgang Rettersburg bis oberhalb der Zufahrt zum Lokal „Göckele“ wird voll ausgebaut, die Asphaltdecke wird abgefräst, der Untergrund anschließend untersucht und dann entschieden, wie weit (tief) er erneuert wird, der Fahrbahnbelag selbst wird komplett ausgewechselt. Im anschließenden Bereich steht ebenfalls noch nicht fest, wie weit in den Straßenaufbau eingegriffen, wie aufwendig der Ausbau dort wird. Unabhängig davon werden aber auf jeden Fall die unbefestigten Seitenränder der Straße voll ausgebaut, versichert Koller. Im weiteren Verlauf gibt es weitere Bereiche, die voll ausgebaut werden, Kurven werden entschärft, einen größeren Radius bekommen, damit künftig leichter zu fahren sein, aber nicht so, dass die Straße zur Rennstrecke werde, betont Koller. Bis Ende November soll alles fertig sein, damit die weiträumige Umleitung ein Ende habe. Man sei, auch angesichts der trockenen Witterung, im Zeitplan, betont er.

Der Rad- und Wirtschaftsweg ist drei Meter breit

Der parallele Weg ist drei Meter breit, so dass sich begegnende Radfahrer problemlos aneinander vorbeikommen. Die teils steilen Abschnitte, Rampen, seien der Topografie geschuldet, so der Planer. „Wir wollten auch keine tiefen Einschnitte, die Landschaft soll ja erlebbar bleiben.“ Er ist selbst Radler und ist die Strecke mit dem Zweirad hochgefahren, stuft sie auch für nicht ganz so Sportliche als gut machbar ein. Laut Höhenlinienplan sind auf der 1,2 Kilometer langen Strecke knapp 70 Höhenmeter zu überwinden, macht im Schnitt knapp sechs Prozent Steigung. Das steilste Stück, auf 80 Meter Länge, hat elf Prozent. Bei der Trassenführung zu berücksichtigen gewesen sei auch die Erschließung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, so Koller. Die betreffenden Landwirte müssen durch den Weg nun nicht mehr direkt von der Straße dorthin, was bislang mitunter zu gefährlichen Situationen führte. Die Zahl der Einfahrten wurde verringert und sie liegen nun an Stellen, die gut einsehbar seien, betont Claudia Kallnig, Fachbereichsleiterin Flurneuordnung im Landratsamt.

Flurbereinigung erlaubt einfacheres Plangenehmigungsverfahren

Mit im Spiel ist nämlich das Flurbereinigungsverfahren in dem Gebiet, das ein vereinfachtes Plangenehmigungsverfahren erlaubt hat. Der Straßenausbau und der Wegbau betreffen die rund 60 Eigentümer der Grundstücke an der Strecke. Für die Straße, den erforderlichen Grunderwerb, musste deren Zustimmung eingeholt werden. Die Eigentümer konnten wählen, ob sie ihre Fläche verkaufen oder eine Ersatzfläche wollen. Letztlich erwarb das Landratsamt knapp 40 Flurstücke mit insgesamt 1,6 Hektar Fläche. Der parallele Weg dagegen ist zwar eine Maßnahme der Teilnehmergemeinschaft, weil er auch den Anliegern, und zwar direkt zugutekommt (Verbesserung der Zufahrt zu den Grundstücken). Das Straßenbauamt übernimmt aber die Kosten komplett, weil der Weg auch ein Radweg ist. Für den Straßen- und Wegbau sind im Februar rund 200 Bäume gefällt worden. Die Eigentümer wurden entschädigt.


„Die Straße hat eindeutig Defizite“

Zur Notwendigkeit des Ausbaus verweist der Dezernent des Landratsamts, Stefan Hein, auf die alle zwei Jahre stattfindenden Zustandserfassungen, mit objektiver Messtechnik, „also nicht dem bloßen Augenschein nach“. Aus den Ergebnissen ergäben sich verschiedene Prioritätsstufen. Alle Maßnahmen, die vor der aktuellen in Berglen an der Reihe gewesen sind, seien abgearbeitet, erledigt. Zu unterscheiden sei zwischen Erhaltung und Ausbau, die Liste bei diesem viel kürzer, weil er viel teurer sei. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln lasse sich ein Ausbau pro Jahr finanzieren. Die Straße zwischen Rettersburg und Öschelbronn, als Teil der K 1915, stehe seit vielen Jahren an. Aus Gründen der Verkehrssicherheit und wegen des bislang fehlenden Radwegs, so Karsten Klein vom Straßenbauamt. „Die Straße hat eindeutig Defizite, sie ist an den Rändern ausgefranst und teilweise unübersichtlich, abgesehen davon, dass wir nun den Radverkehr von ihr runterbekommen“, betont Hein.

Bürgermeister Maximilian Friedrich verweist darauf, dass in zweifacher Hinsicht eine Lücke geschlossen werde. Die Abschnitte der K 1915 vorher und nachher seien saniert oder ausgebaut. Der Radweg fehle bislang im Radwegenetz. Laut Meldeportal auf der Homepage des Landkreises mit interaktiver Radwegenetzkarte, wo Mängel markiert, Lücken angegeben werden können, liege die Priorität von Radlern klar auf Sicherheit, so Hein. „Weg von der Straße“ laute die Devise. Alltagsradlern sei, ob Steigungen da sind, fast egal, zumal immer mehr mit E-Bike unterwegs seien.

Hein verspricht, die K 1914, der Abschnitt zwischen Bürg und Höfen, stehe als Nächstes auf der Prioritätenliste, mit Kosten von vier Millionen Euro. Die reinen Baukosten der Maßnahme in Berglen betragen 2,3 Millionen Euro. Der Jahresetat für die Kreisstraßen, Ausbau- oder Erhaltungsmaßnahmen, beträgt sechs Millionen Euro (eine Million für Radwege), sei vom Kreistag von bislang 3,5 Millionen erhöht worden, so Hein. Was nichts daran ändere, so Klein, dass angesichts eines Netzes von rund 400 Kilometer Länge eigentlich mehr notwendig wäre: „Die Zeit nagt an unseren Straßen.“

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