Berglen Waldkindergarten: Notfallplan nicht erst seit Coronavirus

So war es noch bis vor zehn Tagen: Bei Sturm beschäftigen sich die Kinder zum Beispiel im „Spatzennest“, im Schutz des ehemaligen Milchhäusles in Kottweil. Foto: privat

Berglen.
Auch der Waldkindergarten hat Anfang vergangener Woche dichtgemacht, einen Tag früher als die anderen Kindergärten (und Schulen). Unabhängig davon, dass möglicherweise die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus etwas geringer gewesen wäre als bei einem stationären Kindergarten, weil die Kinder und Erzieherinnen den ganzen Tag draußen an der frischen Luft sind.

Die Ausnahme von der Regel, dass alle, Kinder und Erzieherinnen, immer draußen sind, hatte der Waldkindergarten in diesem Jahr schon: durch Stürme, die den Aufenthalt im Wald und den gewohnten Ablauf erschwerten, zeitweise unmöglich machten. Es hieß also: Rückzug und näher zusammenrücken. So extrem, mit so vielen stürmischen Tagen, war’s noch nie, bestätigt die Leiterin Elvira Kischel auf Nachfrage.

Einen Notfallplan hat der Waldkindergarten schon immer. Seit es Wetter-Apps gibt, beobachten die Verantwortlichen die Mehrtagesvorhersagen genau. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nicht, so die Erfahrung von Elvira Kischel. Die Betreuung werde aber nie komplett abgesagt. Man berate, wenn es kritisch sei, wohin man dann eben mit den Kindern geht.

Zur Not geht’s ins „Spatzennest“ oder in die Schutzhütte aufs Stückle

Es gibt zwei Rückzugsmöglichkeiten: bei starkem Sturm das „Spatzennest“, das ehemalige Milchhäusle mitten in Kottweil, bei leichtem die Hütte auf dem Waldkindergarten-Stückle. Aber selbst dann wird versucht, die Kinder nicht die ganze Zeit drinnen zu halten, sondern es wird nach Windnischen gesucht, etwa auf dem Gelände rund um die Hütte.

Wenn es gar nicht anders geht, wird eine Notgruppe eingerichtet mit maximal zehn Kindern, was, so Elvira Kischel, an höchstens zwei bis vier Tagen im Jahr vorkomme. Das sei für die Eltern machbar, zumal die sich absprechen, etwa wer in der Zeit welche Kinder zusätzlich zu seinen eigenen übernehmen kann.

An diesen Notgruppen-Tagen wird weniger Personal gebraucht, die sechs Erzieherinnen, die normal im Einsatz sind, nehmen abwechselnd frei. Es gebe eine große Gruppenzusammengehörigkeit, nicht nur unter den Kindern, sondern auch unter den Eltern, ist die Beobachtung von Elvira Kischel, die zuvor, bis 2016, fast 20 Jahre in regulären großen Kindergärten in Winnenden arbeitete.

Auch die Tage nach Stürmen müssen organisiert werden, bevor die Kinder wieder rausdürfen. Die Erzieherinnen schauen sich zuerst im Wald genau um, achten darauf, ob die Wege passierbar sind, ob loses Geäst in den Bäumen hängt, das bei erneuten Windstößen herabfallen und damit zu einer Gefahr werden könnte, ob die Waldplätze für die Kinder ohne Risiko sind.

Dazu gibt es Kontakt mit dem Förster. „Mitunter erfährt er von uns, wo Bäume wackeln“, sagt Elvira Kischel. Bei aller Vorsicht: Wald sei Naturraum und man könne nie 100-prozentige Sicherheit garantieren. „Im Wald selbst hatten wir noch nie einen Unfall, wenn, dann auf dem Spielplatz, toi, toi, toi.“

Spürt auch der Waldkindergarten den Klimawandel? Oh ja, versichert Elvira Kischel. Sie bekommen mit, dass die Winter immer milder werden, dass die beiden vergangenen Sommer ungewöhnlich heiß und trocken waren, dass dadurch Baumspitzen abgestorben sind. Die melden sie ebenfalls dem Förster.

„Das wird für die eine echt lange Zeit“

An sich sei Hitze aber kein Problem für die Kinder. Im Wald sei es immer ein bisschen kühler als außerhalb und schattige Plätze gebe es genug. Die Kinder haben stets lange Hosen und Hemden mit langen Ärmeln an, Kopfbedeckung und feste Schuhe sind Pflicht. Fürs Gesicht wird Sonnencreme im Sommer und Fettcreme im Winter aufgetragen. Wegen der Ozonbelastung steht der Waldkindergarten mit dem Gesundheitsamt in Kontakt.

Nun ist der Waldkindergarten wie alle anderen wegen der Coronavirus-Pandemie mindestens bis Ende der Osterferien geschlossen. Und dann? Tja, es gebe ja von Tag zu Tag andere Meldungen, es bleibe nichts übrig als abzuwarten, was von oben verordnet werde, untereinander die sich verändernde Lage zu besprechen – und optimistisch zu bleiben, so Elvira Kischel. Das Thema sei, als der Kindergarten noch offen war, natürlich auch mit den Kindern besprochen worden. Man habe versucht, es ihnen so weit möglich zu erklären, ohne Panik zu verbreiten.

Die Kleinen hätten damit zunächst gar nichts anfangen können, für die Größeren sei es etwas wie Grippe. „Die Kinder freuen sich ja immer auf den Wald. Das wird für die eine echt lange Zeit, in der ihr Kindi zu hat“, sagt Elvira Kischel. Aber mit der Familie im Wald spazieren gehen sei ja noch erlaubt. Sie hat selbst Kinder. Hilfreich sei, sich zu überlegen, was man mit ihnen daheim machen kann, einen Plan für jeden Tag zu haben, so ihr Rat.


Gemeinde unterstützt Eltern und Verein

Bürgermeister Maximilian Friedrich und der Gemeinderat haben einstimmig entschieden, den Waldkindergartenverein zu unterstützen und den Abmangel für nicht eingezogene Elternbeiträge während der verordneten Schließung zu übernehmen. Es handelt sich um circa 3500 Euro im Monat. Der Verein selbst kann aus finanziellen Gründen nicht auf die Gebühren verzichten. Die Gemeinde will der Einrichtung ihre Wertschätzung zeigen und im Gemeindegebiet einheitlich verfahren. Sie verzichtet, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, auf den Einzug der Gebühren für ihre Kindertageseinrichtungen und die Kernzeitbetreuung.

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