Berglen/Winnenden Querschnittsgelähmter Manuel Niederberger zeigt Film über seine USA-Reise

Berglen/Winnenden. Der in Rettersburg aufgewachsene Manuel Niederberger sitzt seit einem Autounfall vor 13 Jahren im Rollstuhl. Dieses Jahr ist er gemeinsam mit seinem Bruder Holger vier Wochen lang im Mietwagen durch die USA gereist. Seine Eindrücke und Erfahrungen hat er in einem Internetblog und einem Film festgehalten.

Hollywood begeistert die Brüder schon seit ihrer Kindheit. „Außerdem wusste ich, dass Amerika recht barrierenfrei ist“, erzählt Manuel und begründet damit, wieso er sich den Westen der USA als Reiseziel ausgesucht hat. Trotzdem war für ihn klar: Ohne eine Vertrauensperson an der Seite wäre der Plan nicht zu verwirklichen gewesen. Sein Bruder Holger, der eine Ausbildung zum Kameramann und Tontechniker gemacht hat, war von der Idee sofort begeistert: „Ich habe Manuel immer dafür bewundert, wie er sich nach dem Unfall wieder aufgerappelt hat, und habe mir gedacht: Wenn wir das machen, dann nicht nur mit einem privaten Film.“

Teil 9 aus dem Videoblog Free on Wheels; Quelle: Youtube

Reisebericht als Beginn eines Internetforums für Rollstuhlfahrer


Es entstand die Idee zum Videoblog „FreeOnWheels“, auf dem die Brüder während ihrer Reise immer wieder kleine Clips einstellten und über ihre Erlebnisse, positive und negative, berichteten. Da sie auch vorhatten, die Erfahrungen anderer zu bündeln, ist der Blog in ein interaktives Forum umgewandelt worden, in dem jeder von seinen Erlebnissen berichten und anderen Tipps geben kann.

„Ziel ist, dass meine Reise irgendwann nur noch ein Unterpunkt ist und sich Rollstuhlfahrer auf der Internetseite über alle möglichen Themen wie zum Beispiel Reisen und Sport informieren und austauschen können“, erklärt Manuel.

Er musste viel herumfragen, bevor er alle notwendigen Infos für die Reise zusammenhatte. Einige Probleme konnten durch Rückmeldungen auf seine Blogeinträge gelöst werden. „Trotzdem blieb eine gewisse Unschärfe. Ich musste beispielsweise 500 Tabletten und viele Flüssigkeiten mitnehmen. Bis zum Schluss wussten wir nicht, ob am Flughafen alles gutgeht.“ Zum Glück lief alles nach Plan: „Sonst hätten wir in San Francisco als Erstes eine Apotheke überfallen müssen“, scherzt Holger.

Die Brüder sind ein eingespieltes Team. Wenn es in den USA doch einmal schwierig wurde, haben sie improvisiert. So gab es auf ihrer Route über San Diego, Las Vegas, Los Angeles und diverse Nationalparks in keinem der Hotels einen Duschstuhl. „Da mussten wir mit einem Gartenstuhl auskommen“, berichtet Manuel, „mir war von Anfang an klar, dass wir das irgendwie hinbekommen. Nachher hat dann vieles sogar noch besser geklappt, als wir dachten.“ Sein Bruder stimmt zu: „Es war definitiv eine positive Erfahrung. Wenn etwas negativ war, haben wir das mittlerweile verdrängt.“

Was bleibt, sind typische Urlaubserinnerungen an den Sonnenaufgang im Grand Canyon, die Fahrt auf der Route 66, der Ausflug zum Baywatch-Strand, der auch für Rollstuhlfahrer gut zugänglich ist. „Ich konnte vieles selber machen. In den USA fühlt man sich nicht wie ein Alien, wenn man anders ist“, erzählt Manuel.

Ganz bewusst steht deshalb im Film der Rollstuhl nicht im Vordergrund. „Viele, die den Unfall in Rettersburg damals mitbekommen haben, wollten wissen, was aus mir geworden ist. Mit dem Projekt kann ich den Leuten jetzt zeigen, inwieweit ich mir meine Freiheit wieder erkämpft habe.“ Manuel Niederberger hat am Winnender Georg-Büchner-Gymnasium das Abitur gemacht. Mittlerweile lebt er in Kornwestheim und arbeitet in Stuttgart.

Auch die Klinik, in der Manuel nach seinem Unfall behandelt wurde, will den Film nutzen, um Leuten, die sich in derselben Situation befinden, nach der Operation Mut zu machen.

Den Brüdern haben die Erfahrungen Mut und Lust auf weitere Reisen gemacht. Gerne würden sie als Nächstes die Ostküste der USA bereisen und sich danach an Asien wagen. Holger sagt: „Das wäre logistisch und sprachlich noch mal eine richtige Herausforderung, aber wir haben Bock drauf.“

Premiere im Winnender Rathaus

Die Premiere von „Free on Wheels - mit dem Rollstuhl durch die USA“ ist am Freitag (Beginn 18 Uhr) im Winnender Rathaus. Später soll der Film auch in ausgewählten Kinos zu sehen sein.

Vor der Premiere findet ein Treffen mit dem Arbeitskreis für Behinderte und mobilitätseingeschränkte Menschen und Bürgermeister Norbert Sailer statt.

Der Blog ist unter www.freeonwheels.de zu finden.

Neben dem Reisebericht gibt es auch allgemeine Infos und Tipps zum Thema Leben mit Rollstuhl. Dieser Bereich soll in Zukunft ausgeweitet werden. Im Moment wird noch nach Leuten gesucht, die selber mitschreiben und anderen von ihren Erfahrungen berichten wollen.
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