Busfahrer der neuen Linie in Berglen "Was, bei uns fährt jetzt auch der Bus?"

Alexander Wolf am Ausgangspunkt und Ziel seiner Schleifen zwischen Kottweil, Ödernhardt und Bretzenacker, die Haltestelle im Erlenhof. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Berglen. „Die Sache macht Sinn“, sagt Alexander Wolf. Wahrscheinlich kann das derzeit tatsächlich niemand besser beurteilen als er. Der 32-Jährige ist der Fahrer der neuen Busrunde, die am Erlenhof startet und über Kottweil, Ödernhardt und Bretzenacker führt. Und er wohnt auch noch in Ödernhardt.

Gleich am ersten Tag passierte ein Malheur, an dem Wolf allerdings keine Schuld trifft. Sein Niederflurbus setzte auf einer Entwässerungsrinne am steilen Weg hoch von der Nachbarschaftsschule nach Bretzenacker auf. Das Fahrzeug war aber nicht beschädigt, Wolf drehte kurzerhand um und fuhr über die Kreisstraße hoch in den Flecken. Klar war aber, dass etwas geschehen musste. Die Lösung, dass nicht die Rinne entfernt oder die Straße wie auch immer abgesenkt, sondern die Unterkonstruktion des Busses etwas geändert wird, ist aus Wolfs Sicht vernünftig, weil deutlich weniger aufwendig.

Gleichwohl musste er die ersten Tage mit einem Ersatzbus, der Diesel verbraucht (allerdings Euro-6-Norm) fahren, ehe der eigens für die Linie angeschaffte erdgasbetriebene Bus eingesetzt wird, an dem auch noch die Zielangaben am elektronischen Frontlaufband einzustellen sind.

Viel mehr als dieser Zwischenfall hat Wolf der Empfang dort bei der ersten Fahrt nach Bretzenacker beeindruckt. Der Ort ist nun endlich an den Linienverkehr angeschlossen. Es habe ein großes Hallo gegeben, es seien Leute zur Begrüßung gekommen, manche hätten von der neuen Verbindung aber noch gar nichts gewusst, gesagt „was, bei uns fährt jetzt auch der Bus?“.

Zoff um Bushaltestelle: „Gibt es keine anderen Probleme?“

In Ödernhardt wohnt Wolf kurioserweise ausgerechnet nahe der Engstelle beim Backwarenladen- und Café, wo der Bus scharf links abbiegt. Prompt steht an diesem Morgen ein Lieferwagen dort und Wolf muss etwas hin- und hermanövrieren, um durchzukommen. Er nimmt es locker, ebenso wie, dass so mancher Kunde sein Auto so abstellt, dass es für den Bus mitunter ebenfalls etwas eng wird. Die Kritik, ja den Aufruhr im Ort, wegen der neuen Bushaltestelle und der neuen Linienführung durch Ödernhardt, kann Wolf nicht nachvollziehen. Die neue, überdachte und behindertengerechte Haltestelle sei doch gut erreichbar. Dass der Bus nicht mehr wenden, zurückstoßen muss, sei ein weiterer Vorteil. Dass der Bus auf seiner Runde ab und an, auf Anfrage hin, einen zweiten Stopp macht, um Leute näher an der alten Ortsmitte rauszulassen, soll vorgekommen sein. Man muss halt miteinander schwätzen.

Einmal wurde Wolf gebeten, sogar bis zur alten Haltestelle weiterzufahren und dort zu drehen. Das hat er abgelehnt. „Dafür habe ich auch gar keine Zeit.“ Die Karlstraße, an seiner Runde gelegen und wegen ihre Schmalheit und ihres Zustands ein weiterer Streitpunkt, hält er für gut fahrbar, auch wenn es etwas ruckelt. Ihm sind mal das Postauto und mal ein Müllabfuhrfahrzeug entgegengekommen. „Das war überhaupt kein Problem. Man verständigt sich dann halt“, so Wolf. Zu der ganzen Aufregung meint er trocken: „Gibt es eigentlich keine anderen Probleme?“

Man kenne sich doch, so der Busfahrer. „Da ist hier halt Dorf.“ Was er keineswegs abschätzig meint. Einmal bekam er von einer älteren Frau, die mitfuhr, Kartoffeln und Zwetschgen geschenkt. Ein anderes Mal hat er einige Buben, die von der Nachbarschaftsschule in den Erlenhof geradelt waren und die, schon etwas müde, bequem nach Kottweil hochwollten, im Bus mitgenommen, was dank der Niederflurkonstruktion – also keine Treppen zum Ein- und Aussteigen – kein Problem ist. „Die kenn’ ich, ich hab’ mit denen schon über Mofas und so Zeug gequatscht.“


Verbesserungspotenzial

Wolf sieht beim Fahrplan noch Verbesserungspotenzial, aus seiner Sicht und aus Sicht der Fahrgäste. Die (wechselnde) Reihenfolge der Orte bei einzelnen Fahrten sei nicht immer ideal und dass Bretzenacker bei einigen Runden „ausgelassen“ wird. Die Taktung reiche eigentlich, den Ort ebenfalls noch anzufahren. Er verweist auf Schüler, die nachmittags erst bei der nächsten Schleife in den Ort zurückkommen, also unnötig lange brauchen. Auch in der Gegenrichtung wäre anders besser, so Wolf, weil auch Leute, die aus Bretzenacker wegwollen, sonst runter zur Haltestelle an der Schule laufen müssen, so wie es bisher der Fall war.

Dass die Runde am frühen Abend Schluss macht und von 9 Uhr bis zum Mittag Pause, hält Wolf angesichts der wahrscheinlich geringen Nachfrage am Vormittag und am späten Abend für vertretbar. Er gibt zu bedenken, dass bei Durchfahren und Abendbetrieb zusätzlicher Personalaufwand, Dreischichtbetrieb, erforderlich wäre.

Für Wolf selbst ist seine gesplittete Arbeitszeit ideal, lässt ihm Zeit für Sport und Freundin. Außerdem kann er den Bus am Rand seines Wohnorts Ödernhardt abstellen. Er kennt es auch anders, fuhr vorher im Linienverkehr im Welzheimer und Schorndorfer Raum, unter anderem auf der neuen Linie Kaisersbach-Winnenden, von der er allerdings begeistert ist: „Für die Fahrer ist das eine tolle Strecke.“ Bis auf den Winter, denn „oben im Wald“ sind mitunter bei Schnee und Eis steile Abschnitte auch für den Bus nicht passierbar. „Die Leute in Winnenden wundern sich dann, warum der Bus nicht kommt, weil dort unten oft noch gar kein Schnee liegt.“

Wolf hat das Busfahren in den Genen: Sein Vater ist auch Busfahrer, bei der Firma Römer in Winnenden.

  • Bewertung
    7

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!