Bergung in Chile Jubel und Tränen nach Kumpelrettung

Bergwerk San José - Euphorische Freude in Chile: 14 der 33 verschütteten Kumpel sind bis Mittwochnachmittag gerettet worden. Unter lautem Jubel schlossen die Bergleute ihre Frauen und Kinder in die Arme. 69 Tage zwischen Angst und Hoffnung in mehr als 600 Metern Tiefe gingen für sie glücklich zu Ende.

Im Schnitt weniger als eine Stunde pro Mann

Die Rettung in der engen Kapsel mit dem Namen „Fenix 2“ („Phönix“) verlief in den ersten zehn Stunden völlig reibungslos. Weniger als eine Stunde dauerte es im Schnitt, die Kapsel zu prüfen, hinabzulassen und einen Kumpel nach oben zu ziehen. Insgesamt könnte die Aktion so deutlich weniger als 40 Stunden dauern. Als letzter Kumpel sollte Schichtleiter Luis Urzúa in die Kapsel steigen, der in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beitrug.

Als erster war Florencio Ávalos um kurz nach Mitternacht Ortszeit (5.10 Uhr MESZ) mit der engen Rettungskapsel aus dem unterirdischen Gefängnis befreit worden. Es folgte Mario Sepúlveda, der die Menge mit einem bewegenden Jubelausbruch rührte. Als einziger wirkte bislang der jüngste der Kumpel, Jimmy Sánchez (19), nach dem Ausstieg aus der Kapsel deutlich angeschlagen. Chiles Gesundheitsminister war guter Dinge, dass die Bergleute die wochenlangen Strapazen körperlich ohne große Probleme überstehen. „Sie sind in einem sehr guten Gesundheitszustand“, sagte Jaime Mañalich.

Anteilnahme rund um den Globus

Rund um den Globus wurde die Rettung live verfolgt. „Wir sind bei unseren Kollegen in Chile. Ich möchte unserer Schutzpatronin - der Heiligen Barbara - Dank sagen“, sagte ein Bergmann im Bergwerk Saar. Beim Internet-Dienst Twitter war alles voller „alegría“, dem spanischen Wort für Freude. Überschwänglich beschrieben viele ihre Gefühle. „Heute sind wir alle Chilenen“, hieß es. „Wir sind mit Dir, Chile!“

Gefreut haben dürften sich die oft tiefgläubigen Chilenen vor allem über die Worte von Papst Benedikt XVI. „Ich empfehle die Bergleute, die in der Atacama-Region in Chile verschüttet sind, weiterhin mit Hoffnung der Güte Gottes“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt in Rom.

Auch weltliche Führer fanden wohlwollende Worte. US-Präsident Barack Obama wünschte Glück. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in einem Schreiben: „Die Kameradschaft und die Widerstandskraft der Bergleute, die Planung und Effizienz der Rettungsaktion und die Solidarität aller haben der Welt eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht gegeben.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ ihre Freude ausdrücken. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen - bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist.“

Bolivianer Mamani wird von Chiles Präsident empfangen

Boliviens Präsident Evo Morales kam, um den einzigen Nicht- Chilenen im Team, Carlos Mamani aus Bolivien, zu besuchen. Der Sender BBC berichtete, Mamani sei eingeladen, in der Präsidenten-Maschine zurück in die Heimat zu fliegen. Als Mamani aus der Kapsel stieg, hatten Chiles Präsident Piñera und einige Helfer bolivianische Fähnchen geschwenkt. Die gespannten Beziehungen der Länder schienen vergessen. Die Rettung Mamanis sei das Symbol einer neuen Einheit zwischen beiden Ländern, lobte die Zeitung „Los Tiempos“.

Angehörige, Bergleute und auch die rund 1600 Journalisten aus aller Welt reagierten im Lager Esperanza mit Jubelschreien und Freudenausbrüchen auf jede neue Rettung. Auch bei Berichterstattern flossen die Tränen. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den Himmel.

„Die Erde hat einen Mann geboren“, formulierte das chilenische Staatsfernsehen, als der erste Kumpel aus der engen Rettungskapsel mit dem spanischen Namen „Fenix 2“ stieg. „Das hat den chilenischen Traum erfüllt“, sagte Präsident Piñera voller Stolz über die wie am Schnürchen laufende Aktion.

Sepúlveda wurde wie ein Rockstar bejubelt. „Ich war bei Gott, ich war beim Teufel, sie kämpften um mich, Gott hat gewonnen“, sagte er im ersten Interview nach der Rettung. Sein Kollege Illanes antwortete auf die Frage, wie die Fahrt denn gewesen sei: „Wie eine Vergnügungstour.“ Claudio Yáñez, der seiner Freundin versprochen hatte, sie nach der Rettung zu heiraten, wurde von seinen beiden weinenden Töchtern umarmt. Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die anderen Kumpel in mehr als 600 Metern Tiefe sehen.

Nach kurzem Gesundheitscheck vor Ort Abflug in Klinik

Die Geretteten wurden in ein bereitstehendes Behelfslazarett getragen, wo sie kurz untersucht werden. In dem abgeschirmten Bereich durften sie mit Angehörigen reden, dann wurden je vier der Kumpel zusammen mit Hubschraubern in die Klinik der nahe gelegenen Stadt Copiapó geflogen. „Ich bin so froh, danke Gott, dass er gut zurückgekommen ist“, sagte der Vater von Ávalos. „Alles Schlimme liegt jetzt hinter uns und alles Schöne vor uns“, sagte Alicia Campos, Mutter von Daniel Herrera. Er stand auf der Liste der zu Rettenden auf Nummer 16.

Die Bergleute hatten seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste festgesessen. Um mit den knappen Ressourcen zu haushalten, aßen sie lediglich alle zwei Tage zwei Löffel Thunfisch. Erst nach 17 Tagen konnte die Gruppe ein Lebenszeichen absetzen.

Präsident Piñera sagte nun: „In den ersten Tagen, als wir nicht wussten, ob sie noch leben, ob sie tot sind oder wo sie sind, haben vielleicht manche die Hoffnung aufgegeben. Aber andere nicht. Deshalb hat Chile sich bewiesen.

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