Berthold-Leibinger-Stiftung fördert seit 20 Jahren die Forschung – Dem Stifter ist nicht bange vor der Konkurrenz aus China.

Herr Leibinger, Sie haben Millionen Euro aus Ihrem Privatvermögen in die Berthold-Leibinger-Stiftung investiert, die wissenschaftliche, soziale, kulturelle und kirchliche Zwecke fördert. Was sind Ihre Beweggründe dafür?
Ich bin dankbar, in diesem Land arbeiten und hier etwas aufbauen zu dürfen. Dieser wirtschaftliche Erfolg ist für mich auch eine Verpflichtung. Ich bin der Meinung, dass es so etwas wie eine Gemeinwohlpflichtigkeit der Erfolgreichen gibt. Dieser Verpflichtung möchte ich nachkommen.

Haben die Projekte auch Auswirkungen auf Ihr Unternehmen?
Nur sehr indirekt. Das Umfeld ist für ein Unternehmen ein ganz wichtiger Faktor. Wir setzen wissenschaftliche Erkenntnisse in gute Produkte um. Somit ist die Pflege der Wissenschaft zugleich ein Grundanliegen für Trumpf. Wir leben auch von unserem kulturellen Umfeld. Es kann einem Unternehmen nicht gleichgültig sein, ob es in Stuttgart gute Orchester gibt oder nicht. Das Gleiche gilt für das geistige Umfeld. Ich glaube, dass der christliche Glaube ein Wertesystem vermittelt, das das eine oder andere Ethikseminar ersetzen könnte. Wenn wir durch die Arbeit der Stiftung auf diese Art dem Umfeld etwas zurückgeben, in dem unser Unternehmen zu Hause ist, dann kommt dies mittelbar auch Trumpf zugute. Übrigens kommt andererseits der Erfolg von Trumpf der Stiftung zugute, die an dem Unternehmen beteiligt ist. Wächst Trumpf, wächst auch die Stiftung.

Die Stiftung verfolgt auch soziale Ziele und unterstützt zum Beispiel ein Projekt für entlassene Strafgefangene. Was ist Ihre Zielsetzung dahinter?
Die Förderung sozialer Zwecke zeigt mir immer wieder, dass man mit wenig Geld viel bewirken kann. Das ist immer wieder beglückend. Überdies erweitert es den Horizont ungemein, wenn man sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen jenseits des eigenen Tätigkeitsfelds auseinandersetzt.

Kommt es eigentlich oft vor, dass Menschen Sie um Geld bitten, weil Sie ja so viel davon haben?
Je älter ich werde, desto mehr persönliche Wünsche werden an mich herangetragen. Jeder Einzelne hat sicher gute Gründe dafür. Aber ich muss auch lernen, Nein zu sagen. Denn die Summe aller Wünsche ist immer größer als meine Möglichkeiten. Und wenn man etwas bewirken will, muss man sich auf bestimmte Projekte konzentrieren.

Würden Sie sich wünschen, dass andere Unternehmen Ihrem Beispiel folgen?
Die Unternehmen machen ja mehr, als man gemeinhin weiß. Viele Initiativen sind aber zu regional und oft auch zu spontan. Da wird mal ein Kindergarten oder eine Turnhalle gefördert, was im Einzelfall auch sicher wichtig ist. Es wäre jedoch gut, wenn möglichst viele wirtschaftlich erfolgreiche Menschen die Idee verfolgen würden: Ich nehme einen Teil dessen, was mir in meinem Leben zugeflossen ist, und richte es über eine Stiftung systematisch am Allgemeinwohl aus. Je zielgerichteter die Förderung ist, desto mehr Wirkung entfaltet sie.