Deutscher Wetterdienst in Stuttgart Wie entstehen Wettervorhersagen?

Sarah Müller ist Meteorologin in der Stuttgarter Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart/Waiblingen. Regen, Sonnenschein oder Nebel bestimmen das Leben jedes Menschen. Das fängt schon direkt nach dem Aufstehen an, wenn die Entscheidung ansteht: Was soll ich anziehen? Der Deutsche Wetterdienst sagt das Wetter voraus, sammelt dafür jede Menge Daten und kann Fragen wie diese beantworten: Regnet’s am Samstag in Endersbach?

Vorhersagen über Sonne oder Regen werden nicht weit von Fellbach auf dem Stuttgarter Schnarrenberg getroffen. Dort sitzt mit bester Aussicht über das Neckartal die Außenstelle Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Er gibt Wettervorhersagen für ganz Baden-Württemberg und gegebenenfalls Warnungen für gefährliche Wettergeschehnisse heraus.

Sarah Müller gehört zum Team der Meteorologinnen und Meteorologen, die am Schnarrenberg täglich das Wetter beobachten und vorhersagen – auf Basis von Computerprogrammen und Prognosemodellen. Diese Modelle unterscheiden sich – entsprechend fallen auch die Vorhersagen nicht immer gleich aus. Sarah Müller wertet eine Vielzahl von Modellen aus, bevor sie eine Vorhersage herausgibt. Sollten, als Beispiel, alle Modelle sagen, dass es morgen regnet, so liegt die Wahrscheinlichkeit für Regen bei 100 Prozent.

Vorhersagen haben viel mit Erfahrung zu tun

Sarah Müllers Aufgabe hat allerdings auch viel mit Erfahrung zu tun, denn man „versucht, ein chaotisches System vorherzusagen“. Vor allem durch die wenigen Daten, die zur Verfügung stehen, wächst die Unsicherheit. Zudem merkt Sarah Müller, dass die Vorhersagen schlechter werden, da es inzwischen nur noch eine Messstation in Baden-Württemberg gibt, bei der Menschen das Wetter messen. Diese steht am Flughafen Stuttgart. Alle anderen Messstationen arbeiten vollautomatisiert.

Diesen Trend bestätigt Michael Gutwein. Er ist der Leiter der regionalen Messnetzgruppe und erklärt, dass es früher insgesamt 16 Messstationen des DWD in Baden-Württemberg gab. Nächstes Jahr im Oktober will der Deutsche Wetterdienst sämtliche Stationen in ganz Deutschland automatisiert haben mit Ausnahme der Stationen an Flughäfen. Diese sollen bis 2022 automatisiert sein.

Freiwillige Beobachter in Nebenstellen im Einsatz

Neben den Hauptmessstationen des DWD gibt es noch sogenannte Nebenmessnetze. Diese werden von circa 220 freiwilligen Beobachtern in Baden-Württemberg betreut und stehen in allen Höhenlagen. Alle zwei Jahre bekommen sie Besuch vom Wetterdienst, um sicherzugehen, dass die Technik stimmt und internationale Vorgaben eingehalten werden. Besonders in Deutschland werde großen Wert auf die Datenerhebung gelegt. Michael Gutwein bestätigt, was in der öffentlichen Debatte inzwischen angekommen ist: „Das Wetter wird immer extremer durch die Erderwärmung.“

Auf dem Schnarrenberg stehen einige Messgeräte, etwa Instrumente zur Bestimmung von Temperatur, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge, Schneedecken und vielem mehr.

Täglich um 12.45 Uhr lassen die Meteorologen eine Art Luftballon mit einer Sonde steigen. Sie misst noch mal genauer unter anderem die Temperatur, die relative Luftfeuchtigkeit und die Windgeschwindigkeit.

Die Sonde fliegt bis zu zwei Stunden und misst, während sie mit dem Luftballon aufsteigt. Sobald der Ballon eine bestimmte Höhe erreicht hat, platzt er und die Sonde segelt mit einem Fallschirm zu Boden. Sie kann überall landen; bei starkem Wind sind schon Sonden bis in die Tschechische Republik oder Frankreich geflogen. Wer solch eine Sonde findet, soll sie im Elektromüll entsorgen. Doch viele behalten die Sonden gern als Andenken. Sondenjäger haben es ganz gezielt auf diese Kleinode abgesehen und veranstalten regelrechte Suchaktionen.

Daten für den Katastrophenschutz und die Feuerwehr

Die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes sind vor allem wichtig für den Katastrophenschutz, die Feuerwehr und andere Rettungseinheiten. Sie bekommen regelmäßig Informationen und Warnungen zum Wetter geliefert. Ist beispielsweise mit sehr heftigen Stürmen, Hochwasser und Überschwemmungen zu rechnen, wird das Innenministerium informiert, damit die Bevölkerung schnell gewarnt wird.

Auch manche Firmen sind auf Dienste des DWD angewiesen. Sie erhalten gegen Geld Wettermeldungen. Zum Beispiel Baufirmen brauchen solche Meldungen etwa für ihre Planung, wann welche Arbeiten auf Baustellen erledigt werden können.

Ferner kann jede Privatperson beim Wetterdienst erfragen, welches Wetter beispielsweise morgen in Welzheim oder in Waiblingen zu erwarten ist. Für solche Auskünfte stellt der Wetterdienst eine kostenpflichtige Telefonnummer bereit. Sarah Müller und ihre Kollegen geben dann exklusive Auskünfte über das Wetter vor Ort.

Im Vorteil sind alle, die jemanden beim Wetterdienst kennen. Michael Gutwein wird zum Beispiel ganz gerne mal morgens von seiner Frau gefragt, was sie anziehen soll: Wird’s kalt? Brauch’ ich heute wohl eine Jacke?


Hitzewellen werden häufiger auftreten

Wer direkt beim Wetterdienst eine Vorhersage erfragen möchte, kann dafür eine kostenpflichtige Telefonhotline nutzen: 01 80/2 913 913.

Die Wettervorhersagen können natürlich auch mal nicht stimmen. Je nach Wetterlage ist es mal einfacher oder schwerer, das Wetter vorherzusagen. Bis zu zehn Tage im Voraus prophezeien Meteorologen, wie das Wetter wird. Natürlich sind die Vorhersagen genauer, wenn sie sich auf die folgenden zwei bis drei Tage beziehen.

Vor vier Jahren wurde der Deutsche Klimadienst gegründet. Er soll sicherstellen, dass Klimainformationen und Klimadienstleistungen auf nationaler Ebene wissenschaftlich korrekt und verlässlich aufbereitet werden.

Zur Hitze diesen Sommer schreibt der DWD: „Nachdem der Juni 2019 der wärmste Juni im Deutschlandmittel war, gehört der Juli 2019 trotz der Hitzewelle im letzten Monatsdrittel mit den Rekordtemperaturen nicht zu den wärmsten Juli-Monaten seit Beginn der Aufzeichnungen. Bemerkenswert ist jedoch das erneute Auftreten mehrerer Hitzewellen in kurzer Zeit, so wie es in den Sommern der letzten zwei bis drei Jahrzehnte zunehmend zu beobachten war. Eine solche Entwicklung entspricht grundsätzlich auch den Aussagen der Klimaprojektionen, nach denen längerfristig im Laufe der kommenden Jahrzehnte mit einer Zunahme der Häufigkeit und auch Intensitäten von Hitzewellen zu rechnen ist.“

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