Bezahlen mit Kreditkarte In vielen Ämtern im Rems-Murr-Kreis nicht möglich

Symbolbild. Foto: Pixabay.com

Waiblingen. „Geht auch Kreditkarte?“ Diese Frage wird bei mehreren befragten Kommunalämtern im Rems-Murr-Kreis verneint. Lediglich mit Bargeld oder EC-Karte kann der Bürger bezahlen. Grund dafür seien unter anderem Gebühren der Kartenanbieter, nicht vorhandene Technik oder zu geringe Nachfrage. Aber Hoffnung besteht! Einige Städte und das Landratsamt prüfen das Bezahlen mit dem Smartphone – in Schorndorf wird es bald möglich sein.

Heutzutage gibt es alle möglichen Zahlungsmittel: von Bargeld über EC- und Kreditkarte bis hin zur Bezahl-App auf dem Smartphone. Während es in anderen Ländern schon gang und gäbe ist, überall mit Karte und per Smartphone zu zahlen und in manchen Staaten – wie zum Beispiel Schweden – sogar schon diskutiert wird, das Bargeld einfach abzuschaffen, ist man im Rems-Murr-Kreis weit davon entfernt. Tatsächlich ist es auf vielen Ämtern nicht möglich, mit Kreditkarte zu bezahlen.

Keine 100-prozentige Zahlungsgarantie

Bei den Kfz-Zulassungsstellen in Waiblingen, Backnang und Schorndorf kann man nur mit Bargeld und EC-Karte bezahlen. Kreditkarte ist nicht möglich. Als Grund gibt das Landratsamt an, dass es zum einen keine 100-prozentige Zahlungsgarantie gebe, da die Zahlenden durch eine Rücklast die Möglichkeit haben, die Überweisung zu verhindern. Zudem spielten Kosten und technische Voraussetzungen eine Rolle.

Die Kosten seien vor allem deshalb ein Problem, weil dem Landratsamt als Betreiber Servicegebühren an die Kreditkartenanbieter abgezogen werden würden. Deren Höhe richtet sich nach den Zahlungen.

„Wenn jemand eine Gebühr von zum Beispiel 30 Euro an das Landratsamt per Kreditkarte zahlt, müsste das Landratsamt 48 Cent an den Betreiber der Karte abgeben“, so Pressesprecherin Leonie Ries. Von einem monatlichen per Kreditkarte bezahlten Gebührenumsatz von zum Beispiel 4500 Euro müsste das Landratsamt insgesamt 72 Euro an die Kreditwirtschaft zahlen.

Leonie Ries bestätigt jedoch, dass das Landratsamt alternative Zahlungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Apple Pay prüfe. „Die Ergebnisse sind hierzu aber noch offen.“

Das Problem der Transaktionskosten

Auch andere befragte Stadtverwaltungen im Remstal bieten keine Bezahlmöglichkeit mit Kreditkarte an. Petra Barth, Leiterin der Kasse in Waiblingen, erklärt, dass dies auch hier mit den Gebühren zusammenhänge. Bei einer Bezahlung mit Kreditkarte wäre „die Schuld nicht ganz bezahlt“, da nicht der volle Schuldbetrag bei der Stadt landen würde, sondern eben ein Teil der Gebühren abgezogen werde. Dafür bietet man in Waiblingen aber inzwischen Online-Überweisungen an.

Wer im Stadtgebiet Waiblingen beim Falschparken erwischt wird, bekommt ein Knöllchen mit einem QR-Code. Petra Barth erklärt, dass der Beschuldigte dann im Internet einsehen kann, welches Vergehen ihm vorgeworfen wird, und dann gleich übers Internet bezahlen könne. Auch Waiblingen prüfe das Bezahlen über das Smartphone.

Bei der Winnender Verwaltung werden Kreditkarten auch nicht angenommen. Die Bürgerservicestelle und das Standesamt bieten lediglich Zahlungen mit Bargeld, Lastschrift und EC-Karte an. Laut Sprecherin Emely Rehberger will man alternative Zahlungsmöglichkeiten prüfen. In Zukunft will die Stadt Winnenden die digitale Antragsstellung ermöglichen. „Dazu muss man auch online bezahlen können“, sagt Emely Rehberger. Grund dafür, dass dies bisher nicht möglich war, sei unter anderem die geringe Nachfrage. Im Zuge dessen hätten sich die geringen Kosten für die wenigen Beträge nicht rentiert. Inzwischen würde die Nachfrage aber steigen und auch, das Bezahlen mit Kreditkarte zu ermöglichen, wolle man prüfen.

In Weinstadt ist man davon noch weit entfernt. Hier kann der Bürger nur mit Bargeld oder EC-Karte zahlen und das Rathaus plant nicht, das in Zukunft zu ändern. „Eine besondere Begründung gibt es nicht“, so Sprecher Holger Niederberger.

Schorndorf will Zahlungen auf dem Amt per Kreditkarte ermöglichen

Gute Nachrichten kommen aus Schorndorf: Dort kommt „mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit“ sowohl das kontaktlose Bezahlen als auch die Kreditkarte laut Jörg Stritzelberger, dem Stellvertretenden Fachbereichsleiter Finanzen und Organisation. Bisher gab es keine Kreditkarten aus dem gleichen Grund wie in den anderen Städten auch – wegen der Gebühren. Diese wollte man den Bürgern nicht noch zusätzlich zumuten, denn diese hätte man von denen, die extra mit Kreditkarte zahlen möchten, verlangen müssen. Sobald das Bezahlen mit Kreditkarte eingerichtet ist, übernimmt die Stadt Schorndorf diese Gebühren. Dies müsse noch abgesegnet werden.

Das kontaktlose Bezahlen sei „noch mal eine andere Geschichte“, sagt Jörg Stritzelberger. Dafür bräuchte man spezielle Terminals und neue Verträge mit den Kartenanbietern. Da die Stadtverwaltung im Zuge der neuen Datenschutzverordnungen „ein besonderes Augenmaß auf Datenschutz“ habe, arbeite man hier gerade daran. Denn die Stadt Schorndorf wolle verhindern, dass es zu einer „Weitergabe von Daten an Dritte“ kommt, denn viele Unternehmen verkauften Daten an Dritte und das wolle man in Schorndorf nicht, so Stritzelberger.


Kontaktlos bezahlen

Nicht nur Apple bietet inzwischen die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen über z.B. das I-Phone oder die Smartwatch. Auch andere Unternehmen richten es nach und nach ein.

Moderne EC-Karten haben häufig sogenannte NFC-Chips, mit denen das kontaktlose Zahlen möglich wird. Dazu muss man nur die EC-Karte über das Kartengerät halten. Bei Beträgen unter 25 Euro geht das ohne PIN. Aber Achtung! Nicht alle Karten haben diese Funktion.

Auch über das Smartphone geht das Zahlen über bestimmte Bankkonten. Laut den Banken sind die Daten genauso sicher wie das sonstige Zahlen. Es gab aber schon Fälle, bei denen Daten ausgespäht wurden.

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