Bike-Strecke, Skaterplatz und Treffpunkte Plüderhausen setzt Wünsche von Jugendlichen um

Symbolbild. Foto: pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Plüderhausen. Nachdem der Wunsch der Plüderhäuser Jugendlichen nach einem Beachvolleyballfeld am Badesee versagt blieb, können sie sich nun freuen: Der Gemeinderat hat Investitionen in einen Flowtrail für Mountainbike-Fahrer, einen neuen Skaterplatz und die Ausstattung eines Treffpunkts beschlossen. Viele Jugendliche verfolgten im Sitzungssaal die Diskussion mit.

Es waren zwei Gruppen von Jugendlichen, genauer gesagt, jungen Männern, die den Weg in den Sitzungssaal im Rathaus gefunden hatten: Die eine interessierte sich für das Thema Flowtrail, die andere für den Skaterplatz. Beide konnten danach zufrieden nach Hause gehen, denn beide Anliegen fanden die Unterstützung des Gemeinderats. Hervorgegangen waren die Projekte aus dem Format „Jugend meets Gemeinderat“, bei dem die Jugendlichen mit den Räten zusammentrafen und mit diesen ihre Ideen und Wünsche diskutierten. Das Anliegen, das dort ganz oben auf der Wunschliste stand, das Beachvolleyballfeld am Badesee, hat der Gemeinderat bereits im Juli beraten, es fand dort aber keine Mehrheit.

Jugendliche suchten Streckenverlauf für Flowtrail selbst aus

Große Diskussionen gab es jetzt zum Thema Flowtrail. Was das ist, muss man Menschen, die mit dem Mountainbike-Sport nichts zu tun haben, kurz erklären: Das sind Wege (engl. trails), meist mehr oder weniger stark abschüssig, die mit geländegängigen Fahrrädern flüssig (engl. to flow = fließen) und mit großer Geschwindigkeit befahrbar sind und in die Steilkurven und Elemente wie Sprünge eingebaut sind.

Die Plüderhäuser Strecke wird im Wald westlich des Orts angelegt. Dort haben sich die Jugendlichen, die sich für das Thema einsetzen, einen Streckenverlauf ausgesucht und diesen auch bereits mit dem Förster abgestimmt. Sie führt an der sogenannten Dragonerhütte vorbei bis in die Nähe des Neuweilerhofs.

Bedenken aus dem Neuweilerhof

Die Bewohner des Neuweilerhofs drückten im Vorfeld ihre Bedenken wegen des geplanten Streckenverlaufs in einem Schreiben an Verwaltung und Gemeinderäte aus. Mit zum Beschluss gehört jetzt ein klarer Auftrag an die Verwaltung, mögliche Gefahren für die Anwohner durch vorbeirasende Biker einzudämmen. Bürgermeister Andreas Schaffer sprach von einer entsprechenden Beschilderung und „Appellen“, schätzte aber realistisch ein, man könne nicht ganz verhindern, dass sportliche Radler durch den Neuweilerhof fahren würden.

20 000 Euro Budget für Mountainbikestrecke

Am Ende stimmten 16 der 17 Ratsmitglieder für den Bau der Mountainbikestrecke mit einem Budget von bis zu 20 000 Euro. Die einzige Gegenstimme kam von SPD-Rat Klaus Harald Kelemen. Dieser fand zwar das Projekt an sich gut, es missfiel ihm aber, dass die Jugendlichen die Sache nicht komplett alleine in die Hand nehmen dürfen. „Ich bin nicht dafür, dass wir eine Staatsaktion machen“, sagte er. Sein Credo: „Lasst sie erst mal machen.

Schaffer: "Wir wollen den Jugendlichen nichts wegnehmen"

Die Bedenken, dass den Jugendlichen das Projekt aus der Hand genommen wird, äußerten auch andere Gemeinderäte. Bürgermeister Andreas Schaffer betonte daraufhin: „Wir wollen den Jugendlichen nichts wegnehmen.“ Und Bauamtsleiter Ludwig Kern bat: „Bitte haben Sie das Vertrauen in uns.“ Man wolle eine gemeinsame Aktion daraus machen. „Das wird was Tolles“, versprach er. Mit im Boot soll auch der Plüderhäuser Skiclub sein, der selbst einmal vorhatte, einen Flowtrail in der Gegend seines Vereinsheims zu bauen, aber an verschiedenen Hürden scheiterte. Außerdem soll beratend ein Experte dabei sein.

Jugendliche sollen bei Ausführung dabei sein

Insgesamt gab es viel Lob für das Engagement und die Tatkraft der jungen Leute. Einer der jungen Männer kam in der Sitzung zu Wort. Auch er betonte: „Wir wollen es, so gut es geht, selber bauen.“

Gegenüber unserer Zeitung bekräftigt Bauamtsleiter Ludwig Kern: Man wolle den jungen Leuten nichts überstülpen. „Der nächste Schritt wird ein Gespräch sein mit den Jugendlichen.“ Sie sollen auch bei der Ausführung dabei sein. Es soll mit dem „Flowtrail“ jetzt auch schnell gehen. Wenn das Wetter mitspiele, wolle man die Strecke über die Wintermonate einrichten.

Bis zu 80 000 Euro stehen für Skateanlage zur Verfügung

Ebenfalls möglichst zügig soll das in der Jugendbeteiligung hinter dem Beachvolleyballfeld zweitwichtigste Thema umgesetzt werden: eine Skateanlage. „Wir möchten, dass wir den Jugendlichen um das kommunale Geld was Tolles bieten“, sagte Ludwig Kern im Gemeinderat. Deswegen werde man sich jetzt noch einmal genau anhören, was sie wollen. Dann werde man mit konkreten Vorschlägen für die Standorte und die Gestaltung wieder in den Gemeinderat zur Entscheidung kommen.

Als Budget stehen für die Skateanlage bis zu 80 000 Euro zur Verfügung. Ein Antrag von Markus Proschka (CDU), das Limit bei maximal 40 000 Euro festzusetzen, fand keine Mehrheit (sechs zu acht Stimmen bei zwei Enthaltungen). Proschka begründete seinen Antrag so: „Wir brauchen auch für andere Interessen noch ein Budget.“

Keine mobilen Elemente

Die Elemente der Skateranlage sollen massiv aus Beton gebaut werden und nicht mobil sein. Deswegen, so argumentiert die Verwaltung, sei der Standort des früheren Skateplatzes am Gänswasen nicht mehr geeignet. Die Fläche werde für die Festtage als Lagerfläche gebraucht.

SPD-Rat Klaus Harald Kelemen plädierte trotzdem dafür, die Skateranlage am alten Standort einzurichten und keine weitere Findungsrunde einzulegen. „Für die Bäche meiner Tränen gibt es hier keinen Raum, wenn es um dieses Thema geht“, klagte er. Die SPD habe in den vergangenen acht bis zehn Jahren immer wieder beantragt, die Skateanlage neu einzurichten, sei aber immer wieder im Gemeinderat abgeblitzt. Auch andere wie Silvan Vollmar oder Claudia Jensen (FW-FDP) schlossen sich der Forderung an, mehr Tempo zu machen und auf die Standortsuche zu verzichten.

"Die Gedanken zum Standort verzögern nicht das Vorhaben"

Bauamtsleiter Ludwig Kern sagte dagegen: „Die Gedanken zum Standort verzögern nicht das Vorhaben.“ Man werde mit den Jugendlichen zusammen gute Vorschläge entwickeln.


Mindestens ein Treffpunkt

Die Skateranlage, für die nun noch der richtige Standort gesucht wird, wird natürlich auch die Funktion eines Treffpunkts für die Jugendlichen erfüllen. Der Gemeinderat hat nun ein Budget von 22 500 Euro beschlossen, um davon Bänke, einen Tisch, Mülleimer, Aschenbecher und eine Überdachung zu finanzieren. Ob diese dann für einen Treffpunkt in Verbindung mit der Skateanlage verwendet wird oder für einen anderen Ort, ist noch offen, ebenso die Frage, ob mehrere Orte als Treffpunkte ausgebaut werden.

In Frage kommen zwei Standorte am Festtagsgelände, einer im Narzissenweg, einer beim Wehr in der Nähe der Tierstation, einer unterhalb des Skiclubheims und einer am Rand des Gewerbegebiets in Richtung Urbach beim entstehenden Hochwasserrückhaltebecken.

Auf Antrag von Andreas Theinert (CDU) beschloss der Gemeinderat, dass die Arbeitsgruppe für die Skateanlage sich unter Beteiligung von Jugendlichen auch mit den Standorten für einen oder weitere Treffpunkte beschäftigen soll.

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