Blaualgen-Plage am Plüderhäuser Badeseee Besucher lassen sich vom Badeverbot nicht abschrecken

Ein Satz ins Grüne: Rainer Daboci (links) aus Untertürkheim und sein Sohn Fabian springen ins Wasser. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen. Zuerst Risikohinweis, dann Verbot. Seit etwa drei Wochen ist der Plüderhäuser Badesee von Blaualgen befallen. Das Gesundheitsamt hat daher am Freitag ein Badeverbot, insbesondere für den Kinderbereich, erlassen. Viele Besucher des Sees stören sich jedoch weder an Verbot noch Algen. Sorglos schwimmen und planschen Jung und Alt im kühlen Nass.

„Auf Anraten des Gesundheitsamtes ist der Badesee derzeit für das Baden gesperrt.“ Diese Warnung ist derzeit auf Schildern rund um den Plüderhäuser Badesee zu lesen. Richtig viele Algen sind in dieser Woche im Wasser allerdings nicht mehr zu sehen. Vereinzelte Algenreste verlieren sich im Schilf. In zwei Rinnsalen im Nichtschwimmerbereich dümpeln ebenfalls noch Überbleibsel der Blaualgen. Strahlender Sonnenschein und 28 Grad im Schatten treiben dennoch Gäste an den Strand. Auf der Wiese liegen Handtücher und Klappliegen. Der Kiosk ist gut besucht. Kinder und Erwachsene sitzen auf den Stegen. Auch im Wasser ziehen vereinzelte Schwimmer ihre Bahnen.

Die Algen scheinen für die Besucher kein Problem zu sein. „Ich bin da nicht so“, sagt Rainer Daboci. Der 54-Jährige ist mit seinem Sohn aus Untertürkheim angereist. Obwohl sie schon seit Jahren Stammgäste am See sind, ist der heutige Besuch der erste in diesem Sommer. Von dem Badeverbot wussten sie vorher nichts. Die Schilder haben sie aber kalt gelassen. Schließlich kann es „so schlimm nicht sein“. Die beiden nehmen Anlauf und springen vom Steg kopfüber in das grüne Wasser.

Höchste Algenkonzentration im Nichtschwimmerbereich

„In 50 Jahren haben wir so was noch nie gehabt“, ärgert sich Martin Dannenhauer über die Blaualgen. Er arbeitet als Badeaufseher am See. Für ihn ist der Umbau des Nichtschwimmerbereiches im vergangenen Jahr das Problem. „Die Steine und der Kies müssen raus, damit wieder Zirkulation im Kinderbecken entsteht. Dann verschwinden auch die Algen.“ Der anhaltende Ostwind hat wohl die Blaualgen in den Nichtschwimmerbereich getragen, wo sie wegen der mangelnden Zirkulation auch blieben. Das niedrige Wasser dort ist warm – perfekt für die Algen, weshalb sie vergangene Woche auch in Vollblüte im Kinderbreich standen. Über das Wochenende ist die Konzentration jedoch wieder sichtlich zurückgegangen.

Trotz des Badeverbots hält Dannenhauer niemand davon ab, ins Wasser zu gehen. „Jeder kann das für sich selbst entscheiden.“ Der Zulauf überrascht ihn nicht. „Wo sollen die Leute denn hingehen, bei dem Wetter?“ Vergangenen Sonntag waren laut Dannenhauer etwa 2000 Besucher am See, von denen auch ein großer Teil im Wasser gewesen sei, wie er sagt. Sowohl im Schwimmer- als auch im Nichtschwimmerbereich.

„Die Algen sind uns egal“, meint eine Besucherin. „Die Freude am Baden überwiegt einfach“, fügt ihre Freundin hinzu. Zusätzlich zu den Schwimmern kommen auch einige Gäste, um bei dem guten Wetter einfach nur in der Sonne zu liegen oder ein Eis zu genießen. Für die wenigen, die die Algen als störend empfinden, gibt es eine Alternative: Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, spielen zusammen in einem aufblasbaren Pool hinter dem Kiosk. Die Gemeinde hat ihn im Zuge des Badeverbots aufgestellt. „Eigentlich war es ein Gag, aber die Kinder sind froh drüber“, erzählt Dannenhauer.

Ludwig Kern, Baumamtsleiter der Gemeinde, versichert, dass täglich geschaut werde, wie sich die Algensituation entwickelt. Im Optimalfall würde am Mittwoch eine erneute Wasserprobe durch das Gesundheitsamt genommen werden. Ergäbe diese einen Rückgang der Algen in einen annehmbaren Bereich, laufe also alles ganz optimal, so könnte das Badeverbot bereits am Montag wieder aufgehoben sein.


Blaualgen und ihre Auswirkungen

  • Blaualgen sind, genau genommen, keine Algen, sondern Bakterien
  • Deren Stoffwechselprodukt Microcystin ist in starker Konzentration potenziell gesundheitsgefährdend
  • Zehn Mikrogramm pro Liter führen zu einer Gesundheitswarnung
  • Bei einer Konzentration von über 100 Mikrogramm pro Liter wird das betroffene Gewässer gesperrt
  • Im Nichtschwimmerbereich des Plüderhäuser Badesees lag der Höchstwert bei 171 Mikrogramm pro Liter
  • Im Schwimmerbereich waren es 17,7 Mikrogramm pro Liter
  • Auswirkungen beim Kontakt mit Blaualgen können Bindehautentzündungen oder Hautreizungen sein
  • Bei Verschlucken kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen
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