Blut spenden in Schorndorf Selbstversuch: Zum ersten Mal auf der Spenderliege

Praktikant Richard Herder hat sich das erste Mal ans Blutspenden gewagt. Sein Urteil: Halb so schlimm. Fotos: Schneider Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf-Weiler. Mit 22 Jahren noch nie Blut gespendet? Dann wird es höchste Zeit. Mit dieser Einstellung bin ich am Dienstag in Weiler angekommen. Mit Gedanken an die Nadel im Arm schlich sich bei mir ein mulmiges Gefühl ein. Das stellte sich im Nachhinein als unbegründet heraus. Blutspenden fürs Deutsche Rote Kreuz – halb so wild.

Halb vier an der Bronnbachhalle in Weiler. Sechs Personen stehen vor mir in der Schlange zur Anmeldung. Nach Vorzeigen des Personalausweises erhalte ich eine Infobroschüre, eine Datenschutzerklärung und zwei weitere Dokumente. Zum einen den Blutspender–Fragebogen. Dieser umfasst 30 Fragen zu Gesundheitszustand, Infektionskrankheiten und Arzneimittelrückständen.

Zum anderen erhalte ich den vertraulichen Selbstausschluss. Hier gebe ich an, dass mein gespendetes Blut aus meiner Sicht bedenkenlos verwendet werden kann. Beide Dokumente dienen dazu, untaugliche Spender zu filtern. Damit wird gewährleistet, dass das Blut von ansteckenden Personen keinesfalls auf Patienten übertragen wird. Alles ausgefüllt und unterschrieben, darf ich weiter in die Halle.

Kein Sport oder Alkohol nach der Spende

Die erste Station vor der eigentlichen Spende ist ein kurzer Gesundheitscheck. Ein Laborant nimmt mit einem Nadelstich in den Mittelfinger eine Blutprobe zur Feststellung der Hämoglobinkonzentration. Hämoglobin, rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff durch den Körper. Mit der Messung wird sichergestellt, dass der Spender nach der Abgabe ausreichende Mengen für den Sauerstofftransport übrig hat. Anschließend misst der Laborant Blutdruck und Körpertemperatur. Er erklärt den weiteren Ablauf und überprüft mit Fragen nach meinem Namen und Geburtsdatum, ob ich in der Lage bin zu spenden. Dafür muss ich erneut meinen Personalausweis vorzeigen.

Die zweite Station ist eine Befragung durch eine Ärztin. Auch hier wird per Ausweiskontrolle meine Spendefähigkeit festgestellt. Anschließend geht die Ärztin mit mir den Blutspende-Fragebogen durch und gleicht meine Antworten ab. Dabei geht sie relativ zügig vor – schließlich warten nach mir noch andere. Keine Krankheiten, keine Arzneimittel intus, keine Probleme. Ein weiteres Mal erhalte ich die Infos über den folgenden Ablauf. Zusätzlich klärt mich die Ärztin über eventuelle Risiken auf. Bei oder nach einer Blutspende kann es wegen Blutdruckabfalls zu Schweißausbrüchen, Übelkeit und sogar Ohnmachts- und Krampfanfällen kommen. Nach der Blutspende darf zwei Stunden nicht geraucht, zwölf Stunden kein Alkohol getrunken und 24 Stunden kein Sport getrieben werden. Auch mit dem Autofahren sollten Spender mindestens eine halbe Stunde warten.

Ein halber Liter Blut in zehn Minuten

Beim Betrachten der Kandidaten, die bereits gespendet haben, werde ich doch etwas nervös. Teilweise ruhen sie sich in der Waagerechten aus, teilweise sitzen sie, den Kopf in die Hände gestützt, an Tischen. „Linker Arm“ ruft einer der Sanitäter. Mein Stichwort. Ich begebe mich auf die freie Liege und bringe besagten Arm in Position. Ein letztes Mal werde ich nach Namen und Geburtsdatum gefragt. Die Schwester bindet meinen Arm ab und desinfiziert die Ellenbeuge mit einem Gel, um Entzündungen vorzubeugen. Ohne Vorwarnung schiebt sie die Nadel, etwa so dick wie ein Zahnstocher, in meine Vene. Außer einem kurzen Zupfen im Unterarm spüre ich nichts.

„Jetzt die Hand drei Sekunden schließen, dann drei Sekunden öffnen, bis 500 Milliliter“ lautet die Anweisung der Schwester, bevor sie zur nächsten Liege weitergeht. Ich beginne zu pumpen. Hand auf. Hand zu. Hand auf. Hand zu. Während des Pumpens sehe ich der dunkelroten Flüssigkeit dabei zu, wie sie in den vorgesehenen Beutel fließt. Der liegt auf einer Wippe, die sich auf der Blutabsaugpumpe befindet. Um Gerinnungen während des Pumpvorgangs zu verhindern, schwenkt die Wippe in kurzen Abständen den Blutbeutel. Auf einer Anzeigefläche daneben kann ich nachvollziehen, welche Menge ich abgegeben habe.

Der Messstand steigt stetig, aber langsam. Zehn Minuten, die sich eher wie drei anfühlen, dauert der Vorgang. Geschafft. Die zuvor weiße Zahl auf der Anzeige meldet nun in roter Schrift, dass ein halber Liter erreicht ist. Irgendwie ein Erfolgserlebnis. Die Helferin kommt zurück und entfernt die Nadel aus meinem Arm. Der Blutbeutel wird jetzt luftdicht verschlossen, damit er später in einen Kühlcontainer eingelagert werden kann. Während die Schwester die Wunde verbindet, fragt sie mich nach meinem Befinden. „Alles in Ordnung“, merke ich überrascht.

Im Anschluss gibt es Bratwurst, Kartoffelsalat und Apfelschorle

Ich setze mich auf und stelle erst einen, dann den anderen Fuß auf den Hallenboden. Stehen und Laufen scheinen normal zu funktionieren. Ein Sanitäter begleitet mich zu einer der Ruheliegen. Er empfiehlt, den Spendearm oben zu halten, um einen blauen Fleck an der Einstichstelle zu verhindern. Zehn Minuten lang muss ich jetzt liegen bleiben. Danach fünf Minuten sitzen. Diese Zeiten sind von jedem Spender einzuhalten, um Kreislaufproblemen vorzubeugen. Nach Ablauf der Zeit deutet mir eine Helferin an, dass ich gehen kann.

Im Anschluss an die Spende bekomme ich Bratwurst mit Kartoffelsalat und eine Apfelschorle. Das medizinische Personal rät dazu, viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Nach dem Vesper ist meine Blutspende abgeschlossen.


Blutspender und Spendermenge

  • Blutspender sollten zwischen 18 und 73 Jahre alt sein, wobei Erstspender nicht älter als 64 sein dürfen
  • Gutes Gesundheitsbefinden ist Voraussetzung, ebenfalls ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm
  • Vor der Spende sollte ausreichend gegessen und getrunken werden
  • Zwölf Stunden vor der Spende sollten Interessierte außerdem auf Alkoholkonsum verzichten
  • Auch Drogenkonsum innerhalb der letzten vier Wochen vor der Spende führt zu einem Ausschluss
  • Männliche Spender dürfen maximal sechs Vollspenden pro Jahr leisten, weibliche vier
  • Zur Spende ist ein Personalausweis oder anderes amtliches Dokument mit Lichtbild mitzubringen
  • Infos zur Blutspende gibt es per Telefon unter 08 00/1 19 49 11 oder auf der Website www.blutspende.de
  • Bei der Blutspende in der Bronnbachhalle waren mit 250 Freiwilligen überdurchschnittlich viele Spender vor Ort 
  • 220 waren spendentauglich - somit sind bei der gestrigen Spendenaktion insgesamt 110 Liter zustande gekommen
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