Box-Schaukampf in Waiblingen Fäuste fliegen zwischen Kollegen

Waiblingen. Einen Box-Schaukampf zwischen Maxim Nyamsi und Felix Jenisch haben rund 100 Kinder, Jugendliche und Eltern in der Sporthalle der Salier-Gemeinschaftsschule gespannt verfolgt. Die beiden Waiblinger machen bis August ein Freiwilliges Soziales Jahr im Forum Nord auf der Korber Höhe. Die Organisation des Box-Events war ihre Abschlussarbeit.

Es ist leise in der Halle. Fast geräuschlos bearbeiten sich die zwei Leichtgewichte im Ring. Nur ihre auf dem Hallenboden reibenden, leicht quietschenden Turnschuhsohlen sind zu hören. Sie sind höchst konzentriert. Ohne einen Laut von sich zu geben vollführen sie schnelle, beinahe tänzerische Drehungen und bringen ihre Körper in verschiedene Positionen, um den richtigen Moment zum Körpertreffer zu erwischen. Dank jahrelangen Trainings können sie dem Publikum geschulte Kampfkünste vorweisen: Sie schlagen elegante Haken, halten den Gegner mit der Führhand auf Distanz, kontern mit der „rechten Geraden“, ducken sich blitzschnell und bringen ihren Kopf in Deckung, mit vor dem Gesicht gehaltenen Fäusten.

Die Zuschauer-Kulisse rund um den Box-Stahlkäfig herum passt: Das Publikum, von jung bis alt, fiebert mit und bejubelt die Kämpfer und Trainer, die alle wie im richtigen Boxkampf ihren gefeierten Auftritt haben. Zum Song „Dirty Diana“ von Michael Jackson läuft Maxim, Ex-Jugendgemeinderat und Rapper, mit feierlich erhobenen Boxhandschuhen ein. Felix hat sich „Can’t be touched“ von Roy Jones für den erhabenen und emotionalen Moment ausgewählt. Im Ring zeigen sich die zwei Protagonisten alles andere als „unberührbar“: Schön zu sehen, wie sie sich zum Abschluss kameradschaftlich umarmen. Endergebnis: unentschieden. Ein fairer Kampf eben.

Mit Schaukampf Jugendliche für Boxsport begeistern

Maxim Nyamsi und Felix Jenisch hatten ein Jahr lang denselben Job als FSJler beim Forum Nord. Sie sind beide boxbegeistert und ehemalige aktive Boxer. Daraus entwickelten sie die Idee für ihr Abschlussprojekt, das jeder FSJler machen muss: ein Box-Event für einen guten Zweck. „Wir dachten uns, dass der Sport andere Jugendliche interessieren könnte“, sagt Felix Jenisch. Sie lagen richtig mit ihrer Vermutung, Boxen findet großen Anklang: Die um den Ring herum aufgestellten Turnbänke und Kästen sind besetzt, bei jeder gelungenen Parade gibt es Beifall und Jubel. Es fällt auf, dass beide aktive Boxer waren – sie bewegen sich leichtfüßig, schnell, und ihre Schläge sind präzise. Die Füße dribbeln, die Beine sind im Dauereinsatz. „Das braucht ordentlich Kondition, auch wenn alles so leicht aussieht“, sagt Stanko Petrovic, der den Kampf moderiert und das Publikum mitzureißen weiß. „Jetzt geht’s los, wollen wir mal klatschen“, heizt er die Stimmung übers Mikrofon an.

Alle Altersklassen erreicht

Über die Einhaltung der Regeln im Ring wachen ein Lizenztrainer, der Boxer trainiert, und ein Kampfrichter aus Waiblingen. Nach jeder Runde fächeln sie mit einem Handtuch ihren Schützlingen motivierend frische Luft zu – ganz wie im „echten“ Boxring. Oliver Heim, Leiter des Jugendtreffs Korber Höhe, freut sich über den ersten Showkampf dieser Art: „Es ist eine gute Sache, die andere Jugendliche ansprechen kann.“ Maxim und Felix zeigen Kindern und Jugendlichen, dass Fäuste keinen Schaden hinterlassen müssen, sondern eine gute Sache unterstützen können. „Wir hatten das Glück, alle Altersklassen erreicht zu haben“, sagt Julia Röttger, Sozialarbeiterin und Leiterin des Kindertreffs im Forum Nord.

Im Anschluss an den Showkampf führen die Trainer einige Kinder in den Ring und zeigen ihnen die Grundtechniken. Maxim gibt eine Zugabe, er rappt: Sein eigener Song „Boujaka“ kommt prima an.


Guter Zweck

Die Stadt finanzierte das Projekt. Der Kinder- und Jugendbereich des Forums Nord verkaufte Kuchen und Getränke. Der Erlös aus den Eintrittspreisen und dem Kuchenverkauf soll an einen gemeinnützigen Zweck auf der Korber Höhe gespendet werden – dies war die Idee von Maxim Nyamsi und Felix Jenisch.

Der Boxring wurde von der Paulinenpflege bereitgestellt. Der 100 Kilogramm schwere Stahlkäfig besteht aus langen Stangen, die mit der Licht- und Musikanlage von den Jugendlichen und den Betreuern gemeinsam aufgebaut wurden.

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