Brand des ehemaligen "Ochsen" Große Welle der Hilfsbereitschaft in Urbach

Das abgebrannte Haus am Freitag, nachdem das Schlimmste überstanden war. Seitdem ist die Ruine mit Bauzäunen abgesperrt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. Bei einem Todesopfer und dem Schrecken, den Urbach durch den Brand des ehemaligen „Ochsen“ am Freitag erlebt hat, muss man trotzdem feststellen: Es hat nicht viel gefehlt und die Katastrophe wäre noch deutlich größer gewesen. Beherzte Ersthelfer und die Feuerwehr haben das verhindert. Neue Erkenntnisse der Polizei zur Brandursache gibt es noch nicht.

Wer sich am Montag, drei Tage nach dem Brand die Ruine des Hauses in der Beckengasse 21 anschaut, dem dürfte klar sein: Hier kann die Kriminalpolizei keine Spuren mehr sichern. Der vordere Teil des Hauses ist komplett eingerissen. Im hinteren Teil recken sich verkohlte Dachbalken wie schwarze Finger in den Himmel. Die Überreste eines Badezimmers mit hellen Fliesen stechen aus den Trümmern heraus, eine Waschmaschine steht dort noch.

Die kriminaltechnischen Ermittlungen vor Ort, bestätigt Polizeisprecher Ronald Krötz, wurden noch am Freitag abgeschlossen. „Die weiteren Ermittlungen stützen sich auf Zeugenaussagen und auf Aussagen der Einsatzkräfte, die gleich am Anfang vor Ort waren“, sagt er. Außerdem hatte die Polizei noch während der Löscharbeiten eine Drohne im Einsatz, um das Geschehen aus der Luft zu dokumentieren. Als Brandursprung nimmt die Polizei die Wohnung an, in der drei Obdachlose durch die Gemeinde untergebracht waren, von denen einer in den Flammen umkam und die beiden anderen verletzt wurden.

150 Sauerstoffflaschen haben die Einsatzkräfte verbraucht

Am Freitagnachmittag war ein Abrissbagger im Einsatz, um die Löscharbeiten der Feuerwehr zu unterstützen und verborgene Brandherde im Gebälk des jahrhundertealten Gebäudes freizulegen. Der Großeinsatz war für die Feuerwehr am Freitagabend gegen 20 Uhr beendet, wie Kommandant Michael Hurlebaus berichtet. Einige Feuerwehrleute blieben als Brandwache durchgängig bis Samstag 19 Uhr vor Ort und mussten immer wieder ablöschen, weil die Flammen im Gebälk des Hauses wieder aufloderten.

Die Feuerwehr, das muss man festhalten, hat Großes geleistet. Ein Großaufgebot von mehr als 80 ehrenamtlichen Brandbekämpfern verhinderte ein Übergreifen der Flammen auf das Nachbargebäude am Kirchplatz, das Wand an Wand mit dem Brandhaus zusammensteht. Kräfte aus Urbach, Plüderhausen, Welzheim, Schorndorf und Fellbach wirkten zusammen, dazu DRK und Polizei. 150 Sauerstoffflaschen für die Atemschutzgeräte habe man verbraucht, sagt Michael Hurlebaus. Es war wohl der schlimmste Brand in der Geschichte der Urbacher Feuerwehr. Die schnelle Nachalarmierung für die große Verstärkung sei entscheidend gewesen, sagt der Kommandant. „Die Zusammenarbeit war top.“

„Es hätte zu einem Dominoeffekt kommen können“

„Das war wirklich knapp“, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. „Es hätte zu einem Dominoeffekt kommen können.“ Wie die Rettungskräfte von Feuerwehr, DRK und Polizei zusammengearbeiteten, das hat Fehrlen beeindruckt. Genauso aber auch der Einsatz der ganz normalen Bürger, die am Freitagvormittag als erste noch vor 7.30 Uhr am Brandort waren. Nachbarn und zufällig Vorbeikommende halfen, Bewohner aus dem Haus zu bringen. Ein örtlicher Stuckateur stellte seine Leiter, die er auf dem Auto dabeihatte, ans Haus. Ohne die Unterstützung der Ersthelfer, hätte es wohl ein Mann im Rollstuhl nicht herausgeschafft, sagt Martina Fehrlen.

Beachtlich ist auch die Mitmenschlichkeit der Nachbarschaft, die sich gleich um die Menschen aus dem Brandhaus kümmerten und ihnen Unterschlupf gaben. Jetzt rollt eine Welle der Hilfsbereitschaft, die beim Verein „Schatzkiste“ und bei der Gemeindeverwaltung aufschlägt. Im Rathaus ist ein Krisenstab eingerichtet, der unter anderem fieberhaft an der Beschaffung von Wohnraum für die insgesamt 24 obdachlos gewordenen Menschen arbeitet.

Langfristige Unterbringungs-Möglichkeiten gibt es nicht

Nicht nur die Bewohner des abgebrannten Hauses sind derzeit wohnungslos, betroffen sind auch die aus dem rückwärtigen Wohnhaus am Kirchplatz, das nur knapp vor den Flammen gerettet werden konnte. Eine Hälfte des Gebäudes ist komplett mit Löschwasser durchweicht. Ein Sachverständiger werde dort zeitnah prüfen, wie es um die Statik der jahrhundertealten Gemäuer bestellt sei, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Möglicherweise könnte sich dann herausstellen, dass die weniger vom Wasser betroffene Haushälfte schnell wieder bewohnbar sei. Das Gebäude gehört der Gemeinde Urbach, die die Wohnungen unter anderem für den Zweck der Obdachlosenunterbringung vermietet hatte.

Kurzfristig gab es für alle Betroffenen eine Lösung, aber lange tragen die Unterbringungs-Möglichkeiten nicht. Eine Familie kann bis Ende April in einer Ferienwohnung in Plüderhausen bleiben, eine andere hat vorübergehend durch Vermittlung des evangelischen Pfarrers Klaus Dieterle ein Dach über dem Kopf im Freizeitheim im Aichenbachtal bei Schorndorf gefunden. Die Verwaltung sei auch aktiv dabei, Vermieter aus dem Ort anzusprechen, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Man müsse jedoch immer auch schauen, welche Wohnung zu den jeweiligen Personen passe.


Wohin kann man sich mit Spenden wenden?

Weiterhin bittet die Gemeinde Urbach um Mithilfe bei der Versorgung der durch den Brand obdachlos gewordenen Menschen. Benötigt werden Wohnungen und dann auch Sachspenden wie Möbel und Hausrat. Aber: „Wir können erst sagen, was wir für Möbel brauchen, wenn wir wissen, in welche Wohnungen die Leute kommen“, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen.

Die Koordination der Spenden übernimmt der Verein „Schatzkiste“. Wer meint, etwas Brauchbares zu haben, kann sich melden unter 0 71 81/6 69 03 86 (Dienstag von 10 bis 19 Uhr) oder per Mail an info@die-schatzkiste.info.

Kindersachen werden keine mehr benötigt, sagt Martina Fehrlen. Besser seien Geldspenden auf das Konto der Gemeindekasse Urbach mit der IBAN DE88 6025 0010 0005 0001 84, Stichwort „Brand“.

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