Breuninger-Areal in Schorndorf Diskussion um Erinnerungskultur und Klimaschutz

Das Breuninger Areal in Schorndorf. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Weil es sich beim Bebauungsplan fürs Breuninger-Areal um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan handelt, muss vor dem Satzungsbeschluss, der im Gemeinderat am 26. September ansteht, ein Durchführungsvertrag zwischen Stadt und „Vorhabenträger“, sprich Investor, abgeschlossen werden. Im Technischen Ausschuss gab’s Streit darüber, welche Nachbesserungen da noch kurzfristig möglich sind.

Da war zum einen das Ansinnen der CDU-Fraktion, etwas für die Erinnerungskultur zu tun, indem der Platz vor dem zu sanierenden denkmalgeschützten Gebäude Vorstadtstraße 4 Christian-Breuninger-Platz heißen und auf dem Gelände Raum – oder ein Raum? – für eine Dokumentation zur Geschichte der Lederfabrik Breuninger geschaffen werden soll. Und da war zum anderen die Forderung der beiden neuen Grünen-Stadträtinnen Kirsten Katz und Friederike Köstlin, durch zusätzliches Grün zwischen und an den Gebäuden mehr für den Klimaschutz zu tun. „Wir bauen und bauen und bauen und haben viel zu wenig Grün in der Stadt“, kritisierte Kirsten Katz. Und ihre Fraktionskollegin machte deutlich, dass es bei dieser Forderung nicht in erster Linie um Ästhetik, sondern in Zeiten des Klimawandels vor allem um Kühlung gehe.

Er verstehe ja, „dass man als Neuling manches anders machen würde“, aber am Ende eines zehnjährigen Planungsprozesses mit solchen Forderungen zu kommen, könnte, wenn ein entsprechender Antrag eine Mehrheit finden würde, schlimmstenfalls dazu führen, dass mit der Planung ganz von vorne begonnen werden müsse – inklusive der Suche nach einem neuen Investor, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer und mahnte die Grünen: „Mit allgemeinen politischen Äußerungen kommen wir nicht weiter.“ Weil aber gleichzeitig CDU-Fraktionschef Hermann Beutel darauf drängte, dass das Anliegen seiner Fraktion in irgendeiner Form Niederschlag im Durchführungsvertrag findet, ohne dass gleich die ganze Planung infrage gestellt wurde, wunderte sich Andreas Schneider, „dass die einen Anträge stellen können, dass noch einmal mit dem Investor verhandelt wird, und bei uns gleich die Gefahr beschworen wird, dass die ganze Planung kippt“. Was im Übrigen gar nicht das Ansinnen seiner Fraktion sei, die nicht mehr und nicht weniger verlange, als dass noch einmal auf den Investor zugegangen und ausgelotet werde, ob bei der Planung im Sinne der Grünen nachgebessert werden könne.

„Dr Käs isch g’essa,d’ Katz dr Boom nuff ond dr Fisch buzzd“

Was weder für CDU-Fraktionschef Hermann Beutel noch für seinen SPD-Kollegen Thomas Berger eine Option war. Alle diese die Grundsätze der Planung betreffenden Diskussionen seien vor dem Auslegungsbeschluss geführt worden, und da sei zumindest er, Schneider, schon dabei gewesen, sagte Berger an die Adresse des Grünen-Stadtrats und sprach mit Blick auf den bevorstehenden Satzungsbeschluss seinerseits von einem „historischen Moment“. „Endlich ist es so weit, endlich können Wohnungen gebaut werden“, freute sich der SPD-Fraktionschef. Jetzt mit dem Klimaschutz zu kommen, sei zu spät, „jetzt isch dr Käs g’essa, d’ Katz dr Boom nuff und dr Fisch buzzd“, meinte Hermann Beutel und gab zu bedenken, dass in dem Neubaugebiet künftig wesentlich mehr Grün wachsen werde, als in der jetzigen Beton- und Steinwürste.

Womit die Frage, wie und wo nun das Stück Erinnerungskultur – „Frieder Stöckle würde jetzt ein flammendes Plädoyer halten“, berief sich Hermann Beutel auf den früheren SPD-Stadtrat – installiert werden soll, immer noch nicht geklärt war. Wobei Thomas Berger auch noch das alte Lederkontor der Firma Breuninger ins Spiel brachte – relativiert allerdings durch die Frage, „ob so was unbedingt in den Durchführungsvertrag rein muss“. Während der Oberbürgermeister aufs Heimatmuseum als den richtigen Ort für solche (Sonder)ausstellungen und darauf verwies, dass ja schon im Röhm-Areal das Thema Lederverarbeitung ausführlich repräsentiert sei, wies die Leiterin des Fachbereichs „Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr“ ganz entspannt darauf hin, dass sich die Investoren schon längst bereiterklärt hätten, die Geschichte der Firma Breuninger in ein paar Vitrinen zu würdigen und auch ein paar historische Gerätschaften auf dem Areal auf- und auszustellen. „Was es nicht geben wird, ist ein Museum“, machte Gabriele Koch deutlich und erinnerte den Gemeinderat daran, dass seinerzeit ihr Vorschlag, den Platz vor der ehemaligen „Krone“ nach Christian Breuninger zu benennen, im Gremium nicht auf allzu große Begeisterung gestoßen sei. Wie auch immer: Bei drei Enthaltungen hat der Technische Ausschuss dem Gemeinderat empfohlen, den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Au“, wie er offiziell heißt, zu fassen.


Gewerbefläche "Ziegelfeld" auf der Kippe

Wenn die Empfehlung des Technischen Ausschusses ein Fingerzeig ist, dann könnte die von der Verwaltung vorgeschlagene Änderung des gemeinsamen Flächennutzungsplans Schorndorf-Winterbach zugunsten der Gewerbebaufläche Ziegelfeld am westlichen Ortsrand von Schorndorf kippen. Sieben Stimmen dafür (darunter auch die der beiden CDU-Stadträte Hermann Beutel und Iris Greiner), sieben dagegen und eine Enthaltung (AfD) – sollte es ein solches Patt auch im Gemeinderat geben, dann wäre das Gewerbegebiet „Ziegelfeld“ erst einmal vom Tisch.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Grünen-Stadtrat Andreas Schneider, der aus dem Umweltbericht zitierte, in dem von „höchstwertigen Böden“ und davon die Rede ist, dass „der Verlust von acht Hektar ertragreichster Böden“ drohe. Solche Flächen in Zeiten des Klimawandels zu vernichten, gehe gar nicht, meinte Schneider und fügte mit Blick darauf, dass jenseits der Westumfahrung in Richtung Weiler auch noch die Überplanung des „Sündle“ drohe, sarkastisch hinzu: „Herzlichen Glückwunsch! So macht man sich seine Lebensgrundlagen kaputt.“

Anders sieht’s bei der Gewerbefläche Niederfeld in Haubersbronn aus, bei der der Technische Ausschuss dem Gemeinderat mehrheitlich (gegen die Stimmen der Grünen und von Hermann Beutel) Zustimmung zur vorgeschlagenen Änderung des Flächennutzungsplans empfahl.

  • Bewertung
    5

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!