Bürgermeisterwahl Der Wahlkampf in Kernen nimmt Fahrt auf

Herausforderer Benedikt Paulowitsch hat vorgelegt, Bürgermeister Stefan Altenberger wird nachziehen: Bald hängen auch von ihm Plakate. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen. Regierungsrat Benedikt Paulowitsch meint es ernst mit seiner Kandidatur: Von zahlreichen Plakaten lächelt der 31-Jährige den Kernenern seit Freitagabend zu. Bürgermeister Stefan Altenberger hat den Wahlkampf angenommen. Auch er lässt nun, anders als geplant, Plakate drucken. Die Reaktionen der Kommunalpolitiker auf Paulowitschs Kandidatur: zurückhaltend wohlwollend.

Wahlplakate, Flugblätter, Treffen mit Entscheidungsträgern, eine Führung durchs Museum unter der Yburg und ein Besuch in der Stettener Kirche Sankt Veit, davon Selfie-Fotos auf Instagram und Facebook – Regierungsrat Benedikt Paulowitsch ist viel unterwegs in Kernen, seit er am Freitag seinen Hut für die Bürgermeisterwahl am 29. September in den Ring geworfen hat. An zwei Terminen möchte sich der 31-Jährige, der in Leutenbach wohnt, den Bürgern vorstellen: am Mittwoch, 4. September, von 19 Uhr im Burgstüble in Stetten, tags darauf zur selben Uhrzeit im Lamm in Rommelshausen. Auf seiner Facebookseite schreibt er: „Ich bin überwältigt von den zahlreichen positiven Reaktionen auf meine Bewerbung für Rommelshausen und Stetten.“

Altenberger nimmt den Wahlkampf an

An diesem Dienstagabend entscheidet der Kernener Wahlausschuss, welche Kandidaten zur Wahl zugelassen werden (siehe Infobox). Dass überhaupt ein seriöser Bewerber den Amtsinhaber herausfordert, hat viele überrascht – auch Bürgermeister Stefan Altenberger selbst. Der 55-Jährige nimmt den Wahlkampf an, das macht sich vor allem im Netz bemerkbar. Wobei der neue Instagram-Account und die Facebookseite sowieso für die Wochen vor der Wahl geplant waren, sagt Altenberger. Ebenso ein Wahlprospekt, der bald erscheint, und Treffen mit Bürgern.

„Ich war nicht unvorbereitet. Egal, was man in den letzten acht Jahren geleistet hat, bei einer Wahl gehört es sich, dass man sich um die Bürger bemüht“, sagte Altenberger unserer Zeitung am Montag. Dass er allerdings auch Plakate aufhängen würde, war bis vergangenen Freitag nicht geplant – hier rüstet Altenberger nun nach.

Auch den dritten Kandidaten hat Paulowitsch bereits kennengelernt

Getroffen haben sich die beiden Kontrahenten übrigens auch schon, allerdings nur ganz kurz: Paulowitsch war in der Nähe des Rathauses im Gespräch mit zwei Bürgerinnen, Altenberger kam vorbei – die beiden grüßten sich, das war’s auch schon.

Und auch den dritten Kandidaten, Thomas Hornauer, hat Paulowitsch bereits kennengelernt. Der 59-Jährige habe ihm von seinem Motorrad aus angekündigt, ebenfalls zu kandidieren, als er gerade dabei war, Wahlplakate aufzuhängen, berichtet Paulowitsch.

„Eine Wahl ist eigentlich erst dann eine Wahl, wenn man eine Auswahl hat.“

Von den Kernenern bekomme er viel positive Rückmeldung auf seine Bewerbung, so der 31-Jährige. Und auch die Kommunalpolitiker äußern sich, wenn auch teilweise zurückhaltend, positiv über den neuen Kandidaten. Zur Erinnerung: Aktiv auf die Suche nach einem Kandidaten hatten sich die Räte nicht gemacht. Mit manchen Fraktionen hat Paulowitsch sich bereits getroffen, andere kennen ihn von ersten Telefonaten. „Einen sympathischen Eindruck“ hat Andreas Wersch (CDU) gewonnen. Über Sachthemen habe man sich aber noch nicht unterhalten. 

Die Demokratie lebe davon, dass der Bürger eine Wahl hat, sagt Wersch, der den Amtsinhaber allerdings im Vorteil sieht: Dessen Arbeit sei nachprüfbar, „und schlechte Arbeit hat er nicht abgeliefert“. Hans Dietzel (UFW) war überrascht von der Bewerbung Paulowitschs, begrüßt sie aber grundsätzlich: „Jetzt hat der Bürger eine Alternative.“ Paulowitsch gehe professionell vor, dennoch sei es „mutig, gegen einen Bürgermeister anzutreten, der vieles bewegt und die Sache im Griff hat“. Der neue PFB-Fraktionschef Andreas Colosi sagte: „Wir freuen uns natürlich, dass die Bevölkerung eine Alternative aufgezeigt bekommt.“ Nun werde auch wieder über politische Themen diskutiert.

Und OGL-Chef Matthias Kramer hoffte bereits seit Wochen auf einen Gegenkandidaten: „Eine Wahl ist eigentlich erst dann eine Wahl, wenn man eine Auswahl hat.“


Gibt es einen vierten Kandidaten?

Der Wahlausschuss der Gemeinde Kernen entscheidet an diesem Dienstag um 18 Uhr darüber, welche Kandidaten zur Wahl zugelassen werden. Bekannt sind bislang drei Kandidaten: Amtsinhaber Stefan Altenberger, Benedikt Paulowitsch aus Leutenbach und Thomas Hornauer aus Plüderhausen.

Anfang der Woche machten in Kernen Gerüchte die Runde, dass ein vierter Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen habe – und aus dem Lager der AfD stamme. Das dementierte der AfD-Ortsverbandsvorsitzende Frank Reiners auf Anfrage unserer Zeitung allerdings: Er wisse von nichts.

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