Bürgermeisterwahl in Kernen Der Kampf um die Kernener Bürger

Bürgermeister Stefan Altenberger bei der Einweihung des Taubenturms am Samstag, Herausforderer Benedikt Paulowitsch beim Wahlkampftermin im Bürgerhaus am Donnerstag. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen. In 19 Tagen wird in Kernen der Bürgermeister gewählt. Herausforderer Benedikt Paulowitsch hat das Interesse der Menschen in Stetten und Rommelshausen geweckt. Er setzt vor allem auf das Thema Bürgerbeteiligung. Amtsinhaber Stefan Altenberger will Paulowitsch dieses Feld nicht überlassen.

Die bevorstehende Bürgermeisterwahl ist das Gesprächsthema Nummer eins in Kernen, ob auf der Straße, am Stammtisch oder im Sozialen Netzwerk Facebook. Manche finden: Nach 16 Jahren mit ein und demselben Bürgermeister wird es Zeit für einen neuen Rathauschef. Andere sagen: Abwählen wäre totaler Quatsch, es läuft doch super. Und wieder andere freuen sich, überhaupt eine Wahl zu haben.

Großer Andrang bei Veranstaltungen von Benedikt Paulowitsch

Bis kurz vor Bewerberschluss am 2. September war das nicht abzusehen. Schließlich sah es lange danach aus, als wage es niemand, gegen Amtsinhaber Stefan Altenberger (55) anzutreten. Doch mit Benedikt Paulowitsch (31), Regierungsrat im Innenministerium, bewirbt sich nun ein Verwaltungsexperte, der – das lässt sich knapp drei Wochen vor der Wahl schon sagen – auf reges Interesse bei den Bewohnern von Kernen stößt.

Der junge Mann, der ursprünglich aus Herrenberg stammt, hatte in der vergangenen Woche zu zwei Bürgerdialogen eingeladen. Schon im Stettener Burgstüble war der Andrang groß. Tags darauf musste der 31-Jährige seine Veranstaltung in Rommelshausen vom Gasthaus Lamm ins Bürgerhaus hochverlegen. Dort lauschten ihm dann rund 150 Bürger, stellten Fragen, machten teilweise auch ihrem Ärger Luft.

Im Wahlkampf stehe für ihn die Beteiligung der Bürger im Mittelpunkt

Paulowitsch hat für das Land Baden-Württemberg bereits in Berlin gearbeitet, war SPD-Fraktionsreferent im Verbindungsbüro des Deutschen Bundestags bei der EU in Brüssel und ist nun Regierungsrat bei Innenminister Thomas Strobl in Stuttgart. Auch wenn er bislang nur in der großen Politik tätig war – im Wahlkampf steht für ihn die Beteiligung der Bürger im Mittelpunkt. Gemeinsam mit ihnen möchte er eine Strategie entwickeln, wie sich die Ortschaften in den kommenden Jahren entwickeln sollen, Schlagwort: „Kernen 2035“.

Der markanteste von Paulowitschs Wahlsprüchen lautet: „Ein guter Bürgermeister weiß, dass auch andere gute Ideen haben.“ Kernener, die das Gefühl haben, wichtige Entscheidungen würden über ihren Kopf hinweg getroffen, spricht das besonders an.

Thema Bürgerbeteiligung: Stefan Altenberger hält dagegen

Kein Wunder, dass Bürgermeister Stefan Altenberger dieser Tage besonders oft erwähnt, wie zahlreich die Bürgerbeteiligungsprozesse in seiner Amtszeit waren oder in einem Facebook-Beitrag explizit auf die gute Idee einer Bürgerin hinweist. Diese hatte vorgeschlagen, Hundetoiletten an einem Spazierweg aufzustellen – was die Gemeinde umsetzte. Die Nachricht, die Altenberger aussendet, lautet: In Kernen werden die Bürger doch längst ernstgenommen!

Bürgernähe zu zeigen fällt ihm im Jahr der Remstal-Gartenschau mit zahlreichen großen Veranstaltungen in Kernen ohnehin leicht. Auf den klassischen Straßenwahlkampf verzichtet er dennoch nicht: am Samstagmorgen kam, wer wollte, vor dem Rewe-Markt in Stetten mit ihm ins Gespräch. Stand heute geht der 55-jährige Familienvater als Favorit ins Rennen. Er ist seit 16 Jahren im Amt, das verschafft ihm einen großen Wissensvorsprung bei Kernener Themen vor seinem Herausforderer. Seine starke Bilanz liefert Altenberger Argumente für seine Wiederwahl – Kernen steht gut da, ist schuldenfrei trotz hoher Investitionen.

Das bestreitet auch Herausforderer Benedikt Paulowitsch nicht – wobei der 31-Jährige natürlich betont, dass für die gute Lage einer Gemeinde ja nicht allein der Bürgermeister verantwortlich sei.

Wie es zu einem zweiten Wahlgang kommen könnte

Die beiden weiteren Kandidaten werden bei der Besetzung des Chefsessels im Rathaus keine große Rolle spielen, es sei denn auf indirektem Wege: Sollte es den Dauerkandidaten Samuel Speitelsbach (32) und Thomas Hornauer (59) gelingen, so viele Stimmen auf sich zu vereinen, dass keiner der beiden oben genannten Bewerber die 50-Prozent-Marke knackte, käme es zu einem zweiten Wahlgang. Das ist das erklärte Ziel von Thomas Hornauer, dem Ex-Fernsehmacher und Betreiber eines „Lichtkristallzentrums“, der bereits erfolglos in Plüderhausen, Welzheim, Urbach und Remshalden angetreten ist, und dessen Wahlwerbung überwiegend aus Monologen besteht, die er in die Frontkamera seines Smartphones spricht, um sie dann ins Netz zu stellen.

Samuel Speitelsbach ist in Kernen bislang nicht öffentlich aufgetreten. Einen Auftritt bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde hat er bereits abgesagt. Bei den Wählern unzähliger anderer Ortschaften fiel er allerdings stets krachend durch mit seinen teils hetzerischen und rechtsextremen, teils schlicht irrsinnigen Auftritten.


So werden wir berichten

Ein Kommentar von Chefredakteur Frank Nipkau

Kernen steht völlig überraschend vor einer spannenden Wahl: Der 31 Jahre alte Benedikt Paulowitsch fordert Amtsinhaber Stefan Altenberger (55) heraus. Eigentlich könnte sich der Bürgermeister zurücklehnen, denn der Gemeinde geht es gut, Angriffsflächen gibt es kaum. Aber so ein Wahlkampf wird nicht nur über Inhalte entschieden. Bei der Bürgermeisterwahl zählen ebenso die Persönlichkeit und die Sympathie. Und auf diesem Feld ist Stefan Altenberger angreifbar. Das zeigen Zahlen. Bei der Kreistagswahl erhielt er in Kernen 3500 Stimmen und landete damit nur auf Platz drei. Jochen Haußmann von der FDP zeigte, was möglich ist. Der Landtagsabgeordnete kam auf fast 6000 Stimmen. Auch Astrid Fleischer von den Grünen kam mit 4065 Stimmen besser weg als Altenberger.

Die Wahl wird spannend und wir werden uns deshalb bei unserer Berichterstattung auf die beiden ernsthaften Bewerber konzentrieren.

Es gibt zwei weitere Kandidaten. Einer ist so wirr, dass sich jede Zeile erübrigt. Und dann ist da noch Thomas Hornauer. Wir haben über seine vier vergeblichen Kandidaturen in Plüderhausen, Welzheim, Urbach und Remshalden ausführlich berichtet. Neue Aspekte gibt es nicht. Außerdem weiß er vermutlich selber nicht, warum er wieder antritt. Zu unserer Kandidaten-Vorstellung am 24. September um 19 Uhr im Bürgerhaus Kernen können wir ihn nicht einladen, weil er dafür Geld verlangt. Honorar für eine Kandidatur als Bürgermeister: Das zeigt, wessen Geistes Kind er ist.

Um den Spuk der Dauerkandidaten zu beenden, wäre es gut, wenn der Gesetzgeber einschreitet. In Gemeinden über 20 000 Einwohner müssen Bewerber Unterstützungsunterschriften vorlegen. Diese sinnvolle Vorschrift sollte auf alle Gemeinden ausgeweitet werden. Denn Demokratie lebt von Engagement, Ernsthaftigkeit und Kompetenz. Dem tragen wir mit unserer Berichterstattung Rechnung.


Die wichtigsten Termine

  • Die Bürgermeisterwahl in Kernen findet am Sonntag, 29. September, statt. Die Wahllokale werden von 8 bis 18 Uhr geöffnet haben.
  • Sollte ein zweiter Wahlgang erforderlich sein, weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen (also mehr als 50 Prozent) erhält, so findet dieser am Sonntag, 13. Oktober, statt.
  • Die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde ist auf Dienstag, 17. September, 19 Uhr, im Bürgerhaus in Rommelshausen angesetzt.
  • Die Veranstaltung des Zeitungsverlags Waiblingen zur Wahl findet ebenfalls im Bürgerhaus statt: in der Endphase des Wahlkampfs, am Dienstag, 24. September. Los geht’s um 19 Uhr.
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