Bürgermeisterwahl in Kernen Großes Interesse an den Kandidaten

Die Bürgermeisterkandidaten Kernen: Benedikt Paulowitsch, Thomas Hornauer und Amtsinhaber Stefan Altenberger (v.li.). Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen. Drei Bürgermeisterkandidaten haben sich am Dienstagabend bei der offiziellen Vorstellung der Gemeinde weit mehr als 500 Kernenern präsentiert. Amtsinhaber Stefan Altenberger verwies auf die positive Entwicklung der Gemeinde in den vergangenen Jahren. Benedikt Paulowitsch setzte aufs Zwischenmenschliche. Und Thomas Hornauer zog zwischenzeitlich eine Banane aus seinem Jackett.

„Völlig geplättet“ sei er vom Andrang der Bürger zur Kandidatenvorstellung, sagte der Beigeordnete Peter Mauch am Dienstagabend im Bürgerhaus. Mehr als 500 Menschen hatten es in den großen Saal geschafft. Viele weitere, die aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingelassen werden durften, standen im Freien vor den geöffneten Türen. Die Bürgermeisterwahl am 29. September bewegt Kernen – das wurde an diesem Abend deutlich.

Bürgermeister Stefan Altenberger (55) und Herausforderer Benedikt Paulowitsch (31) legten sich in ihren zehnminütigen Reden und den anschließenden Fragerunden mächtig ins Zeug: Altenberger ließ die positive Entwicklung Kernens in seiner Amtszeit Revue passieren und gab einen konkreten Ausblick auf die kommenden Jahre, Paulowitsch stellte seine Wertevorstellungen und den Politikstil, den er pflegen möchte, in den Vordergrund. Kandidat Nummer drei, Thomas Hornauer (59), sorgte zumindest für ein paar Lacher.

Stefan Altenberger: Starke Bilanz und Selbstkritik

Den Anfang machte der zweifache Familienvater Stefan Altenberger, der 2003 zum Bürgermeister gewählt und 2011 im Amt bestätigt wurde. Als er antrat, erinnerte sich der 55-Jährige, habe er „zwei charmante Ortsteile mit einem großen Entwicklungspotenzial“ vorgefunden. Altenberger stellte heraus, wie sehr sich diese Ortsteile in den vergangenen Jahren unter seiner Federführung weiterentwickelt haben. Ein Beispiel: „Heute pulsiert rund um das Bürgerhaus das Leben, früher war hier eine Lücke.“ Ohne „26 Bürgerbeteiligungsprozesse“ und die engagierten Kernener Gemeinderäte, betonte Altenberger, wäre das alles nicht möglich gewesen: die Ansiedlung erfolgreicher Unternehmen (Altenberger: „Wirtschaftsförderung wurde zur Chefsache“), die Neugestaltung des öffentlichen Raums in beiden Ortsteilen, Sanierung und Umbau von Veranstaltungsstätten ... Kernen habe sehr von den Ortskernsanierungsprogrammen und Fördergeldern profitiert: „Beide Ortsteile haben an Strahlkraft gewonnen.“ Und auch im sozialen Bereich habe die Gemeinde „große Schritte nach vorne“ gemacht, und zwar „generationenübergreifend“. In Schulen und Kindergärten sei ein zweistelliger Millionenbetrag geflossen. „Wir haben eines der flexibelsten Betreuungssysteme im Kreis“, sagte Altenberger, der auch die enge Zusammenarbeit mit den Senioren der Gemeinde betonte.

Ein weiteres Pfund, mit dem der Amtsinhaber wucherte: die Finanzen. Bei Amtsantritt habe die Gemeinde drei Millionen Euro Schulden gehabt, nach seiner ersten Legislaturperiode sei sie schuldenfrei gewesen. Mittlerweile habe Kernen 15 Millionen Euro an Rücklagen gebildet – trotz Investitionen von insgesamt 68 Millionen Euro.

Doch auch selbstkritische Töne schlug Altenberger an: „Vielleicht bin ich das ein oder andere Mal zu forsch aufgetreten.“ Nicht immer gelinge ihm der Spagat, zwischen gegensätzlichen Positionen zu vermitteln.

Für die Zukunft kündigte Altenberger an, ein Pflegeheim in Stetten errichten zu wollen – es gebe „äußerst positive Signale der Diakonie“. Außerdem stünden die „Zeichen auf Grün, dass das Haus Edelberg erhalten wird“. Die Post kehre noch vor Ende des Jahres zurück nach Stetten – „versprochen“. Ob ein zusätzlicher Vollsortimenter an der Tulpenstraße notwendig sei – Edeka möchte sich hier vergrößern –, darüber müsse hingegen erst mal diskutiert werden.

Der TV Stetten könne in den kommenden Jahren seine Halle bauen, das Saint-Rambert-Stadion werde saniert. Und was die Entwicklung des neuen Wohnviertels Hangweide betreffe, werde bereits über die fällige Schulerweiterung nachgedacht.

Auf die Nachfrage, ob er sich auf der Hangweide ernsthaft achtgeschossige Wohnhäuser vorstellen könne, antwortete Altenberger, bis zu sieben Stockwerke könnten es schon werden: „Die Not zwingt uns dazu.“ Außerdem muss aus seiner Sicht der Parkcharakter erhalten bleiben: „Alles zuzupflastern wäre eine Sünde.“

Eine Attacke hatte Altenberger gegen Ende zu parieren: Gemeinderat Ebbe Kögel vom Parteifreien Bündnis meldete sich und sagte: „Als Mann mit Visionen habe ich Sie nicht kennengelernt“ – ob denn nach dem 29. September noch etwas von seinen Wahlkampfversprechen übrig bleibe? Worauf Altenberger antwortete, dass sein Wahlprospekt längst fertig war, bevor ein Gegenkandidat aufgetaucht sei – und abermals auf seine Erfolge verwies: „Mir vorzuwerfen, ich hätte keine Visionen, das ist billig.“

Benedikt Paulowitsch: Mit Respekt, auf Augenhöhe

Herausforderer Benedikt Paulowitsch, der als Zweiter an der Reihe war, hat eines schon geschafft: Ohne die Kandidatur und das professionelle Auftreten des 31-Jährigen, der seine Wurzeln in Tübingen und Herrenberg hat und in Leutenbach lebt, wäre das Interesse der Kernener an der Bürgermeisterwahl nicht annähernd so groß. Seine Redezeit im Bürgerzentrum nutzte der Regierungsrat vorwiegend, um sich und seine Philosophie vorzustellen.

Schon früh, mit 26 Jahren, habe er als Leiter eines Ministerbüros in Berlin Personalverantwortung übernommen und dabei „gelernt, dass ich keine Angst davor habe, Entscheidungen zu treffen und dafür geradezustehen“. Warum er nach Erfahrungen in Brüssel, Berlin und Stuttgart nun Kommunalpolitik machen wolle? Den Wunsch, Bürgermeister zu werden, hege er schon lange, er wolle „nah dran sein an den Ergebnissen meiner Arbeit“. Besonders wichtig sei es ihm, „jedem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“, gleich welchen Bildungsgrad dieser habe, woher er stamme oder wie er sich ausdrücke. Denn die Spaltung der Gesellschaft sei auf „zunehmende Überheblichkeit, Arroganz und mangelndes Verständnis“ zurückzuführen. Respekt voreinander zu haben schließe nicht aus, dass im politischen Betrieb auch gestritten werde, aber: „Wichtig ist, dass man sich am Ende in die Augen sehen kann.“

Eine Verwaltung sei „ein wahres Gestaltungsinstrument“, so Paulowitsch. Wer ihr eine Frage stelle, der habe aber auch das Recht, dass diese beantwortet wird. „Das heißt nicht, dass man bekommt, was man möchte“, so der Regierungsrat, allerdings sorge größere Transparenz dafür, dass Entscheidungen für die Bürger besser nachvollziehbar seien. Auf die Frage, welche Projekte er nach seiner Wahl direkt angehen würde, antwortete er später: Das Zuhören müsse „in die Kultur des Rathauses eingepflanzt“ werden. Weitere Aufgaben sieht Paulowitsch unter anderem in der Entwicklung der Hangweide samt Verkehrskonzept, der Aufstellung eines langfristigen Leitfadens für die Kernener Politik sowie der Sicherung von Pflegeplätzen.

Sein „Wertefundament“ sei die katholische Soziallehre, sagte Paulowitsch, seine Wertevorstellungen hätten ihn auch in die SPD eintreten lassen. Im CDU-geführten Innenministerium beweise er aber „tagtäglich, dass ich parteiunabhängig arbeiten kann“.

Seinen Wahlspruch, dass ein guter Bürgermeister erkenne, „dass auch andere gute Ideen haben“, brachte Paulowitsch ebenfalls in seiner Rede unter. Bei aller Bürgerbeteiligung wolle er aber „die repräsentative Demokratie nicht aushebeln“, so der 31-Jährige auf Nachfrage aus dem Publikum. Im Gemeinderat werde er sich mit einfachen Mehrheiten nicht zufriedengeben, sondern sich um Kompromisse bemühen.

Kernen stehe gut da, entscheidend sei es aber, diese Grundlage für die kommenden Jahre zu nutzen. „Es gilt, die richtigen Prioritäten zu setzen. Erst die Pflicht, dann die Kür.“ Beim Besuch der Haldenschule habe er festgestellt, dass ein „erheblicher Investitionsstau“ herrsche.

Einem Zweifler aus dem Publikum, ob Kernen nach Brüssel, Berlin und Stuttgart nicht nur ein weiteres Sprungbrett für ihn sei, entgegnete Paulowitsch: „Ich will seit Jahren Bürgermeister werden. Kernen ist mein Ziel.“ Bereits in seiner Rede hatte der 31-Jährige angekündigt, in acht Jahren erneut kandidieren zu wollen – „Für meine Verlobte und mich ist die Entscheidung für Kernen eine Entscheidung fürs Leben.“

Thomas Hornauer: Kritik am „Tango corrupti“

Thomas Hornauer trat als Letzter der drei anwesenden Kandidaten auf – und schwieg erst einmal rund eine Minute lang beharrlich. Erste Besucher verließen den Saal, andere buhten, doch viele warteten gespannt. Als ihm Hauptamtsleiter Stefan Reichmann auf Nachfrage bestätigte, dass seine Redezeit bereits gestartet sei, auch ohne, dass er etwas gesagt habe, witterte Hornauer den ersten Skandal. Dann startete er sein überwiegend improvisiertes Programm, das durchaus für einige Lacher sorgte.

„Hier steht nur eine kleine Elite, die genau weiß, wen sie wählt“, sagte Hornauer und wies auf sich selbst – „nämlich den dahanna net!“ Die Meinung der Kernener sei „vorgebildet vom Meinungsführer ZVW“, doch alle tanzten diesen „Tango corrupti“ mit. Er, Hornauer, kämpfe für die Bürger, „auch wenn ihr es nicht glaubt“. Dies sei seine fünfte Kandidatur, die vorangegangenen seien, anders als der Zeitungsverlag das darstelle, „äußerst erfolgreich“ verlaufen.

Was dann folgte? Neben weiteren Verschwörungstheorien (trauriger Höhepunkt: Die Presse habe ihm „einen Judenstern“ angeheftet), Kalauern (während seiner Kritik an der „Bananenrepublik“ zog er eine Banane aus der Brusttasche seines Jacketts) und emotionalen Ausbrüchen („Auch Arnold Schwarzenegger hat es zum Gouverneur geschafft – ich bin kein Kasper!“) bezeichnete Hornauer Mitbewerber Benedikt Paulowitsch als „Grünschnabel“ und die Veranstaltung im Bürgerhaus als „Mumienschubsen“ (wegen des hohen Altersdurchschnitts), wollte einer Besucherin den Mund verbieten („Nehmen Sie der Dame das Mikrofon weg!“) und riss sich schließlich das Ansteck-Mikrofon vom Leib. Ein ganz normaler Hornauer-Auftritt eben.


Termine

Gewählt wird in Kernen am Sonntag, 29. September. Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Sollte ein zweiter Wahlgang erforderlich sein, weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen (also mehr als 50 Prozent) erhält, so findet dieser am Sonntag, 13. Oktober, statt.

Die ZVW-Podiumsdiskussion mit Altenberger und Paulowitsch beginnt am Dienstag, 24. September, um 19 Uhr im Bürgerhaus. Live übertragen wird sie auf www.zvw.de/kernenlive.

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