Bürgermeisterwahl in Kernen Regierungsrat Paulowitsch tritt gegen Altenberger an

Benedikt Paulowitsch hat am Freitag seine Bewerbungsunterlagen im Rathaus eingereicht. Bei der Bürgermeisterwahl tritt er gegen Amtsinhaber Stefan Altenberger an. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Kernen. Die Überraschung ist Benedikt Paulowitsch gelungen: Ganz Kernen hatte sich bereits auf eine Bürgermeisterwahl ohne Alternative eingestellt, als der 31-Jährige am Freitagvormittag seine Bewerbung im Rathaus einreichte. Amtsinhaber Stefan Altenberger hat nun also doch einen Herausforderer. Und der junge Regierungsrat lässt keine Zweifel daran, dass es ihm ernst ist: „Ich trete hier ganz klar an, um zu gewinnen.“

„Betreff: Bürgermeisterwahl“ stand auf dem braunen Umschlag, den Benedikt Paulowitsch am Freitagmorgen vor dem Kernener Rathaus in den Händen hielt. Darin: die Bewerbungsunterlagen des 31-Jährigen zur Bürgermeisterwahl in Kernen am 29. September. Drei Tage vor Ablauf der Frist gab Paulowitsch diese Unterlagen, begleitet von seiner Verlobten und einer Gruppe Pressevertreter, im Kernener Hauptamt ab und läutete damit den Wahlkampf gegen Amtsinhaber Stefan Altenberger (55) ein.

Benedikt Paulowitsch ist in Herrenberg aufgewachsen und wohnt mittlerweile in Leutenbach. Er ist SPD-Mitglied, betont aber, dass er parteiunabhängig zur Wahl antritt. Der 31-Jährige ist Verwaltungswissenschaftler und arbeitet als Regierungsrat im baden-württembergischen Innenministerium.

Durch seine „umfangreichen Verwaltungserfahrungen“ sieht er sich „bestens qualifiziert“ für das Amt als Bürgermeister. „Meine Erfahrungen in Brüssel, Berlin und Stuttgart sind von Vorteil. Insbesondere die Leitung eines Ministerbüros und meine jetzige Tätigkeit im Leitungsstab des Innenministeriums sind wertvoll bei der Führung eines Rathauses. Vor allem aber interessiere ich mich schon immer sehr für meine Mitmenschen. Ich bin davon überzeugt, dass das Gemeinwohl stets wichtiger ist als Einzelinteressen. Zuhören und für einen Interessenausgleich sorgen ist in Zeiten einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft wichtiger denn je“, heißt es in einer Pressemitteilung, die der Kandidat parallel zur Bewerbung veröffentlichte.

Plakate, Flugblätter, Homepage: Der Wahlkampf hat begonnen

Überhaupt ist der 31-Jährige gut vorbereitet: Er hat rund 300 Briefe an Kommunalpolitiker, Vereine und Unternehmen versandt, eine Homepage geschaltet, eine Kandidatenseite bei Facebook eingerichtet, Termine in Stetten und Rommelshausen organisiert.

Am Morgen waren sein Schwiegervater, Freunde und Bekannte in Kernen unterwegs, um Flugblätter in die Briefkästen zu stecken, später am Tag hingen die ersten Wahlplakate. Der Startschuss für einen Wahlkampf, an den keiner mehr geglaubt hatte, ist gefallen.

Die Entscheidung zur Kandidatur sei vor wenigen Wochen gefallen, sagt Paulowitsch. Den Wunsch, Bürgermeister zu werden, habe er schon lange gehegt. In der großen Politik – Brüssel, Berlin, Stuttgart - habe ihm der Kontakt zum Bürger gefehlt.

Warum er ausgerechnet in Kernen antritt, wo der amtierende Bürgermeister Stefan Altenberger bereits seit 2003 im Amt ist? Die Ausgangslage, gegen einen erfahrenen Amtsinhaber anzutreten, sei zwar „schwierig“, gibt Paulowitsch zu, stellt aber klar: „Ich möchte in vier Wochen zum Bürgermeister gewählt werden und Verantwortung übernehmen.“

Ein moderner Bürgermeister sei kompromissbereit 

Er und seine Verlobte hätten sich auch andere Gemeinden angeschaut, doch in Kernen habe einfach alles gepasst: Größe, Gestaltungsmöglichkeiten, der Reiz zweier grundverschiedener Teilorte mit jeweils eigener Identität.

Erst einmal gewählt, will Paulowitsch eng mit Gemeinderat, Vereinen und Unternehmen zusammenarbeiten und eine langfristige Zukunftsstrategie entwickeln.

Dabei gelte es, kompromissbereit zu sein, einander zuzuhören. Der Herausforderer sagt: „Ein moderner Bürgermeister weiß, dass auch andere gute Ideen haben.“


Zur Person

Zur Welt kam Paulowitsch am 4. April 1988 in Tübingen. Er wuchs als eines von drei Geschwistern in Herrenberg im Kreis Böblingen auf. Er ist verlobt und lebt derzeit in Leutenbach. Die Familie sei ihm wichtig: „Ich bin nach mehreren Jahren in Berlin und Brüssel froh, wieder in Baden-Württemberg zu leben. Meine Eltern und Geschwister sowie meine sechs Nichten und Neffen versuche ich so oft wie möglich zu sehen.“

Seine Verlobte Chantal Wende begleitete Paulowitsch am Freitagmorgen zum Rathaus. Sie arbeitet bei einem Kinderarzt in Waiblingen. Kennengelernt hat sich das Paar kurioserweise in New York – dort arbeitete Benedikt Paulowitsch vor rund sieben Jahren für ein halbes Jahr bei den Vereinten Nationen (UNO).

Was die eigene Familienplanung angeht, kündigt der Herausforderer an: „Nun gilt es erst einmal, die Bürgermeisterwahl zu gewinnen, im Juni heiraten wir und dann wird schon alles seinen Gang gehen.“ Im Falle seiner Wahl möchte er mit seiner künftigen Ehefrau nach Kernen ziehen.

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