Bundestagswahl 2017 Kubicki auf Wahlkampftour in Geradstetten

Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Mann mit rhetorischem Talent, in der Wilhelm-Enssle-Halle in Geradstetten. Foto: Alexandra Palmizi

Remshalden. Die FDP sei „pädagogisch wertvoll“, erklärte Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und als „Zugpferd“, wie Jürgen Schulte, Remshaldener Ortsvorstand, sagte, in Geradstetten aufgetreten. In Kubickis Ohren klang das zwar schwer nach „Ackergaul“, dennoch sprach er eine gute Stunde vor rund 300 Leuten.

Die Grünen, sagt Wolfgang Kubicki in der Geradstettener Wilhelm-Enssle-Halle, hätten gelernt, seit sie mit der FDP Schleswig-Holstein regieren. Die FDP sei somit „pädagogisch wertvoll“. Und damit wirke die FDP also, selbst wenn sie nicht im Bundesparlament sitze, „wie wird das erst dann, wenn wir wieder drin sind?“

Wolfgang Kubicki ist auf Wahlkampftour für die FDP. Und damit auch als „Zugpferd“, wie der 1. Vorsitzende der Remshaldener FDP Jürgen Schulte sagte, für Lisa Walter zugange. Lisa Walter ist die FDP-Kandidatin des Wahlkreises Waiblingen. Ihre Themen sind „Bürokratie-Abbau“, „junge Familien“ und die Misere, in der die Hebammen stecken. Sie ist 30 Jahre alt, hat eine Tochter, ist Bankkauffrau, studierte BWL und ist im Wahlkreis geboren. „Unsere Lisa“ sagt Jürgen Schulte.

Die beliebten Spitzen gönnt Kubicki seinem Publikum erst später

„Unsere Lisa“ weiß wohl ums rhetorische Talent des Wolfgang Kubicki, der allerdings ungewohnt ruhig in seine Rede einsteigt. Die beliebten Spitzen gegen die politischen Widersacher, gezielt gesetzt und intellektuell ausgefeilt, gönnt er seinem Publikum erst, nachdem er terroristische Anschläge wie die in Barcelona oder Berlin, die Vorratsdatenspeicherung, die Flüchtlingsmisere, das fehlende Zuwanderungsgesetz, den Staatstrojaner und das europäische FBI abgearbeitet hat. „Wir hätten Berlin nicht erleben müssen“, sagt Wolfgang Kubicki. Und zwar nur aufgrund der Basis der Gesetze, die wir schon haben. Überwacht werden müssten Gefährder und nicht alle. Frankreich sei der Beweis dafür, dass die vollständige Vorratsdatenspeicherung Anschläge nicht verhindere; in London gebe es die umfassendste Kameraüberwachung, die man sich vorstellen könne. Und trotzdem schlügen die Attentäter zu. Ständig neue Gesetze, sagt Kubicki, sind völlig sinnlos. Vor allem, wenn die alten schon nicht angewendet werden. „Wir brauchen nicht mehr Gesetze, sondern mehr Menschen“, sagt Kubicki. Vor allem denkt er da an Polizei.

34 Millionen für die Instandsetzung von Schulgebäuden

Auch für die Schulen will Kubicki mehr: 34 Millionen, um die Gebäude wieder instandzusetzen. Tablets statt Kreidetafeln. Und 1000 Euro pro Schüler und Schuljahr für die Chancengleichheit am Start. Zum Beispiel für ein gesichert gleiches Sprachniveau. Das, sagt er, sei Staatsaufgabe. Ob die Kinder dann irgendwann später studieren oder nach weniger Schuljahren eine Lehre machen, das ist Privatsache. „Wir müssen die Kinder nehmen, wie sie sind.“ Und nicht jeder müsse zum Abi.

Kubicki: Windenergie macht in Baden-Württemberg keinen Sinn

Und wie steht Wolfgang Kubicki zum Umweltschutz? Was ist richtig und was ist falsch, fragt er. Und wer entscheidet das? Und nimmt den aktuellen Dieselskandal aufs Korn. Vor Jahren sei den Menschen der Diesel als umweltfreundlichste Variante des Individualverkehrs schmackhaft gemacht worden. Heute erfülle diese Funktion das E-Auto. Das aber sei, sagt Kubicki, eine Umweltkatastrophe. Und Stuttgart, das unter Feinstaub zum Erliegen komme, könnte sich das E-Auto gerade an den Hut stecken. Denn nur 7 Prozent des Feinstaubs gehe auf Kosten der Dieselei. Ein großer Teil des Rests aber auf Kosten von Reifen und Bremsen. Die aber hätten die E-Autos auch. Und Windenergie übrigens mache hier in Baden-Württemberg ökologisch und ökonomisch keinen Sinn. Windenergie solle dort produziert werden, wo es preiswert ist. Und dort hinverkauft werden, wo sie gebraucht wird. Und damit nicht ganz Deutschland in Stauseen versinkt, die die Energie des Windes als Wasserkraft speichern, wenn sie gerade nicht gebraucht wird, „brauchen wir eine verstärkte Entwicklung von Speichermedien“.

„Ich wähle FDP“, sagte Kubicki zum Schluss. Sein Publikum brauche ja keine Wahlempfehlung, das sei intelligent genug.

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki, 65, ist einer der Hoffnungsträger der FDP und sehr erfolgreich in seinem Land Schleswig-Holstein. Er ist dort der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl und sitzt derzeit zusammen mit CDU und Grünen in der schleswig-holsteinischen Regierung.

Kubicki arbeitet neben seiner politischen Tätigkeit auch noch als Rechtsanwalt. Außerdem ist er studierter Volkswirt.

Kubicki war ein Freund von Jürgen Möllemann und erst Förderer von Guido Westerwelle. Im Jahr 2011 plädierte er allerdings für dessen Ablösung als Parteichef.

2013 beerbte Kubicki Dirk Niebel im Präsidium der Bundespartei und setzte sich auch gegen Daniel Bahr durch. Seit 2013 ist er außerdem erster Stellvertreter von Parteichef Christian Lindner.

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