Burg-Gymnasium Schorndorf Warum die Schüler die neue Mensa verschmähen

Vom Burg-Gymnasium in die Schlange vor dem Fast-Food-Restaurant. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
Es beim Essen allen recht zu machen: illusorisch. Geschmäcker sind verschieden – oder wie eine Mutter jüngst auf der Elternbeiratssitzung in der Gottlieb-Daimler-Realschule die Diskussion über die schlechte Mensaqualität zusammenfasste: „Ich koche selbst für fünf Kinder. Einer meckert immer.“ Dazu kommt die große Altersspanne von der fünften bis zur zwölften Klasse; in der Mensa-Mitte im Burg-Gymnasium muss es sogar Grundschülern und erwachsenen Oberstufenschülern schmecken.

Nicht selten läuft’s darum an fünf Tagen die Woche auf Nudeln mit Soß’ oder Pommes raus, obwohl es gesündere Alternativen für Mischköstler, Vegetarier und Salat-Liebhaber gibt. Mit halbjährlich stattfindenden Runden Tischen versucht die Stadt im Austausch mit Schulleitern, Eltern- und Schülervertretern und dem Betreiber, die Qualität zu verbessern. Und unterdessen stimmen die Schülerinnen und Schüler mit den Füßen ab: Vom Burg-Gymnasium strömen sie jeden Mittag in die Innenstadt.

Darum zieht es Burg-Gymnasiasten zum Mittagessen in die Stadt

Nico und Patrik gehen in die sechste Klasse. Als Fünftklässler waren sie, erzählen die beiden in der Schlange vor dem Asia-Imbiss in der Johann-Philipp-Palm-Straße, noch regelmäßig in der im Neubau eingerichteten Mensa essen – „meistens Pommes oder Nudeln“. Mittlerweile nutzen sie lieber das Essensangebot in der Innenstadt, gehen zum Metzger, essen einen Döner oder eben ein asiatisches Reis- oder Nudelgericht. Doch es ist nicht nur das Angebot, das sie in die Stadt lockt, „wir wollen raus und uns an der frischen Luft bewegen“. Das zieht auch Nick, Carolin und Svenja aus der Jahrgangsstufe 1 aus dem Schulgebäude. Während des Neubaus, als der Unterricht in Containern stattfand und es gar kein Essensangebot in der Schule gab, haben sie sich angewöhnt, außerhalb der Schule auf Nahrungssuche zu gehen. So halten’s, sagen die drei, „fast alle“ aus ihrer Jahrgangsstufe.

Warum es ihnen sogar bei McDonald’s besser schmeckt

Das letzte Mal in der Mensa waren Spiro und Nico in der sechsten Klasse. Mittlerweile sind sie in der achten und in ihrem Urteil eindeutig: Haben sie Nachmittagsunterricht, gehen sie über Mittag zum Bäcker, Metzger oder Asiaten – „weil’s besser schmeckt“. Das gilt auch für drei Mädchen aus der sechsten Klasse sogar für das Fast-Food-Mittagessen, das es bei McDonald’s gibt. In die Mensa, sagen die Gymnasiastinnen, gehen sie „fast nie“. Ihnen ist’s dort mit 3,70 Euro fürs vegetarische Menü oder 3,50 Euro für Spaghetti zu teuer. Und die ölige Tomatensoße, die es zu den Nudeln gibt, „schmeckt nicht“.

Es gibt Schüler und Lehrer, die es in der Mensa lecker finden

Und dabei herrscht unter den Essensgästen der Mensa im Burg-Gymnasium Zufriedenheit. Helin, Isabel und Carlotta aus der Jahrgangsstufe 1 essen mehrmals die Woche dort – und nicht nur Nudeln mit Soß’. Dass es dort immer einen Nachschlag zum Nulltarif gibt, finden sie klasse – und, dass es in der Schule überhaupt ein Essensangebot gibt. Carlotta, Austauschschülerin aus Italien, kennt den Unterschied: An ihrer Schule daheim gibt es gar keine Mensa, nicht mal einen Speiseraum. Und so bleibt den Schülerinnen und Schülern – auch bei schlechtem Wetter – nichts anderes übrig, als im Park zu essen. Und am Burg-Gymnasium, schwärmt die Schülerin, „gibt es sogar kostenlos Wasser“. In Italien bezahlt sie 50 Cent pro Woche. Dafür nimmt sie gerne in Kauf, dass es in der BG-Mensa manchmal etwas eng zugeht.

Auch für Konrektor Michael Krauß und Wolfgang Schmid aus dem Kollegium gibt es an der Mensa nichts auszusetzen. Mehrmals die Woche gehen sie dort essen und haben die Erfahrung gemacht, „Anregungen werden umgesetzt“. Dass Nudeln mal verkocht sind, „kann vorkommen“, sagt Krauß und sieht die Sache so: „Das ist Mensa-Essen, nicht mehr und nicht weniger.“ Das Essensangebot ist aus seiner Sicht ein Kompromiss für Kinder von sechs bis 18 Jahren. Und da die Essenszeiten in der Innenstadt-Mensa getaktet sind und einige Schülerinnen und Schüler in die Innenstadt ausweichen, hält sich der Andrang für sie auch in Grenzen.

Wer die Mensa am Burg-Gymnasium nutzt

Die vor eineinhalb Jahren eröffnete Mensa mit 120 Sitzplätzen nutzen noch drei weitere Schulen aus der näheren Umgebung: die beiden Grundschulen und die Förderschule. Den Anfang macht die Künkelinschule um 12.15 Uhr – mit 15 bis 20 Kindern. Dass von insgesamt 90 Ganztagskindern nicht mehr zum Essen gehen, liegt für Schulleiter Harald Schurr am frühen Schulschluss um 14.45 Uhr, aber auch am komplizierten Buchungssystem und vielleicht auch an der Qualität des Essens, das für die Grundschüler bis 8 Uhr morgens vorbestellt werden muss. Um 12.30 Uhr ist die Schlosswallschule dran. Von 126 Ganztagskindern geht knapp die Hälfte in die Mensa – „je nach Essensangebot“, sagt Rektorin Karin Ehlert und ist zufrieden, seitdem die Essensausgabe mittels farbigen Chips optimiert ist. Im Spitalkeller, wo die Kinder vor der Eröffnung der neuen Mensa Mittagessen waren, gab’s „kein kindgerechtes Angebot“.

Auf die beiden Grundschulen folgen – nach Ende der sechsten Stunde um 12.55 Uhr – die Burg-Gymnasiasten selbst. Zwischen 60 und 80 von fast 800 Schülerinnen und Schülern nutzen das Angebot im Schnitt täglich, nach Beobachtung von Schulleiter Jürgen Hohloch vornehmlich aus der Unterstufe. Und um 13.15 Uhr kommt – montags, dienstags und donnerstags – die Albert-Schweitzer-Schule. Von 100 Schülerinnen und Schülern von der ersten bis zur sechsten Klasse gehen 40 mit. Dabei sind, wie bei den Grundschulen auch, Betreuungskräfte. Manchmal geht auch Schulleiter Ludwig Augustin mit, der gar nicht meckern will über das Mensaangebot: Auch wenn er das Grundessen manchmal etwas einfach findet, sieht er auch die Betreiberseite: „Der muss mit wenig Geld auskommen.“

Die Leckerhalde im Vergleich

Bis zu 300 Sitzplätze gibt es in der Leckerhalde, der Mensa im Schulzentrum Grauhalde. Im Gegensatz zur Mensa-Mitte gibt es hier sogar Außenplätze – geklagt wird aber auch hier über die Qualität des Essens, den zu großen Andrang und die Organisation bei der Essensausgabe und an der Kasse. Beschwerden gibt es auch immer wieder über die mangelnde Sauberkeit auf den Tischen und dem Boden – und über das ungehobelte Verhalten mancher Schülerinnen und Schüler aus dem Max-Planck-Gymnasium und der Gottlieb-Daimler-Realschule.

Was für den Betreiber besser laufen könnte

Aus Sicht von Florian Müller, Junior-Chef des Mensabetreibers Müller Gastronomie, hat es in der Leckerhalde lange an durchsetzungskräftigen Aufsichtspersonen gemangelt. Im Gegensatz zur Mensa am Burg-Gymnasium hat er in der Grauhalde das Problem: „Das Küchenpersonal muss die Schüler erziehen.“ Nachdem Angestellte angespuckt wurden und zwei Mitarbeiterinnen gekündigt haben, arbeitet er dort hauptsächlich mit männlichen Beschäftigten: „Vor denen haben sie mehr Respekt.“

Auch an der Qualität des Essens könnte sich aus Sicht des Betreibers durchaus etwas ändern – wenn sich die Stadt Schorndorf entschließen könnte, das Essen zu bezuschussen. Grundsätzlich versuche er, jeden Wunsch zu erfüllen, bietet zusätzlich ein Salatbuffet und würde gerne auf Pommes als Lockangebot verzichten – „doch wir müssen auch wirtschaftlich arbeiten“. In Welzheim, wo Müller seit sechs Jahren die Schulmensa betreibt, bekommt er pro Essen eben noch einen Euro Zuschuss von der Stadt. Für Extras, wie die Aktion „Suppe statt Pommes“, lässt der Förderverein zwischen 1000 und 1500 Euro im Jahr springen. In Schorndorf muss er von den Mensa-Einnahmen nicht nur Lebensmittel einkaufen, das Personal, Steuern und Versicherungen bezahlen, sondern – zumindest in der Leckerhalde – auch noch den Strom.

Für den Andrang zu den Stoßzeiten, wenn beide Schulen zeitgleich Mittagspause machen, fühlt er sich aber nicht verantwortlich: „Wir sind nicht zuständig für die Stundenpläne.“ Und die Anspruchshaltung mancher Eltern an ihn als Mensabetreiber hält er ebenfalls für überzogen: „Die Eltern wollen, dass wir ihren Kindern gesunde Ernährung beibringen.“ Doch wenn Kinder von Montag bis Freitag Pommes essen wollen, „dann machen sie das“.

Wie die Stadt Schorndorf die Sache sieht

„Zur Zufriedenheit aller“, dessen ist sich auch Joachim Loose als stellvertretender Fachbereichsleiter Verwaltung Schulen bei der Stadt Schorndorf bewusst, „wird sich’s nicht regeln lassen“. Doch mit halbjährlich stattfindenden Runden Tischen versucht er, mit den Beteiligten die Qualität zu verbessern. Es gab bereits bauliche Veränderungen, als Nächstes soll der Ausgabebereich in der Leckerhalde so umgestaltet werden, damit die Schülerströme besser gelenkt werden. Doch dass es in der Leckerhalde, der Mensa im Grauhalde-Schulzentrum zu Stoßzeiten voll ist und eine Dreiviertelstunde Mittagspause vor allem für die jüngeren Schülerinnen und Schüler zu knapp ist, das kann Loose nicht ändern.

Entscheidung über städtischen Zuschuss

Nachdem sich Schülerinnen und Schüler daneben benommen haben und sich gezeigt hat, dass die mit den Schulen entwickelten Mensaregeln nicht automatisch befolgt werden, gibt es seit Februar 2018 in der Leckerhalde aber drei ehrenamtliche Betreuungskräfte, die wechselweise während der großen Pausen und in der Mittagspause anwesend sind. Und auch ein städtischer Zuschuss für den Mensabetreiber ist für Loose nicht ausgeschlossen: „Vergaberechtlich sind wir an die aktuellen Regularien bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Sommer 2021 gebunden.“ Über die künftigen Rahmenbedingungen – also auch das Thema Subventionierung – muss noch entschieden werden.


Essenspreise

In der Mensa-Mitte zahlen Grundschüler fürs vorab bestellte Tagesessen 3,50 Euro. Schüler ab Klasse 5 bekommen für 3,80 Euro ein Tagesessen, die vegetarische Variante für 3,70 Euro, der Salatteller kostet 3,50 Euro. Erwachsene bezahlen 4,40 Euro fürs Tagesessen, 4,20 Euro für das vegetarische Gericht und vier Euro für den Salat.

In der Leckerhalde kostet das Fleisch-Standardgericht 3,80 Euro, das vegetarische Gericht 3,70 Euro, der Salatteller 3,50 Euro, der Wochenhit 4,10 Euro, Pizza oder Pasta to go 3,50 Euro. Für Lehrer gelten höhere Preise.

  • Bewertung
    14
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!