„Cannstatter Kurve Berlin“ Wie VfB-Fans in der Hauptstadt dem Derby entgegenfiebern

Berlin. VfB-Fans haben es in der Hauptstadt nicht leicht. Da wäre zum einen der Schwabenhass, den einige Berliner ob der großen Anzahl an schwäbischen Mitbürgern in ihrer Stadt entwickelt haben. Auf der anderen Seite sind da die Fans von Hertha BSC, die seit Jahren eine innige Fanfreundschaft zum Stuttgarter Erzrivalen aus Karlsruhe verbindet. Trotzdem gibt es mit der "Cannstatter Kurve Berlin" einen Fanclub in der Hauptstadt, der mit dem Rössle sogar eine eigene VfB-Kneipe betreibt. 

Das Vereinsheim der Cannstatter Kurve Berlin befindet sich im Stadtteil Neukölln, der als Hochburg der Hertha gilt. „Hin und wieder kleben Hertha- oder KSC-Aufkleber auf der Eingangstüre. Manchmal sind es auch kleinere Schmierereien. Nichts wildes“, erzählt Marko Andric, seines Zeichens erster Vorsitzender des Fanclubs. "Wir haben eine Art stille Abmachung mit den Herthanern, dass sie uns hier in Ruhe lassen, wenn wir uns weiterhin so benehmen, wie wir es bisher getan haben. Wir werden nicht gemocht, aber geduldet", so der 38-Jährige weiter.

Sogar der Ministerpräsident schaut vorbei

Das Derby gegen den KSC kommenden Sonntag elektrisiert nicht nur Stuttgart und Karlsruhe, sondern auch Teile Berlins. Zwar spielt die Hertha am Derbytag selbst in Augsburg, weshalb im Gästeblock der Mercedes-Benz-Arena wohl mit keiner großen Anzahl an Anhängern der Alten Dame zu rechnen ist, doch werden einige VfB-Fans aus der Hauptstadt den Weg nach Stuttgart auf sich nehmen. "Auf dieses Spiel fiebert jeder bei uns im Fanclub hin", sagt Andric, der im Stuttgarter Westen aufgewachsen ist. VfB-Fans aus Berlin, die es nicht nach Bad Cannstatt zieht, schauen sich das Spiel im Rössle an. Gegen Karlsruhe werden sich dort wohl wieder deutlich über 100 Brustringträger versammeln. Hin und wieder schauen auch Prominente im Vereinsheim vorbei. So zum Beispiel der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder Cem Özdemir (beide Bündnis 90/Die Grünen). Letzterer ist sogar Mitglied im Fanclub. 

Wenn ein Heimspiel zum weitesten Auswärtsspiel wird

"Bei den Relegationsspielen gegen Union Berlin hatten wir hier Ausnahmezustand mit 200 Gästen", sagt Andric. Ob das Spiel gegen den ungeliebten Nachbarn aus Baden für den VfB erfolgreicher verläuft?  "Für mich ist es keine Frage, ob der VfB dieses Spiel gewinnt. Wir müssen gewinnen", sagt Andric. "Ansonsten steht die restliche Hinrunde unter keinem guten Stern und es wird ungemütlich. Die Frage wird sein, ob die Spieler wieder mit der selben Larifari-Einstellung wie gegen Osnabrück ins Spiel gehen, oder ob sie endlich kapiert haben, alles zu geben."

Über die Unterstützung des Fanclubs jedenfalls kann sich das Team von Tim Walter Gewiss sein, auch wenn VfB-Heimspiele für die Cannstatter Kurve Berlin immer die weitesten Auswärtsfahrten sind. "Deshalb", sagt Andric "sind wir ein sehr auswärtsaktiver Fanclub. In den letzten beiden Jahren waren wir bei allen Auswärtsspielen." Je nach Spielansetzung organisiert der Fanclub einen Bus, Neunsitzer oder fährt mit dem Zug zu den Spielen quer durch die Republik.

Zuwachs trotz zweier Erstligisten in der Stadt

Obwohl der VfB inzwischen nur noch zweitklassig ist, verzeichnet die Cannstatter Kurve Berlin, die inzwischen über 200 Mitglieder zählt, regelmäßig einen Zuwachs. "Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es in Berlin inzwischen zwei Erstligisten gibt", sagt Andric. Rund 60 Prozent der Mitglieder kommen ursprünglich aus dem Stuttgarter Raum, die restlichen 40 Prozent sind waschechte Berliner oder aus anderen Städten in Deutschland. 


"Hollywood hätte kein besseres Drehbuch schreiben können"

Um das Jahr 2005 haben sich die VfB-Fans in Berlin zusammengefunden und stellten schnell fest, dass es neben dem VfB auch noch andere Gemeinsamkeiten gibt. Gemeinsam entwickelten sie die Fanclub-Idee. Gegründet hat dieser sich passend zur Stuttgarter Telefonvorwahl (0711) am 7. November 2008.

Pünktlich zum Saisonbeginn 2010/2011 eröffnete die Cannstatter Kurve Berlin das Rössle in Neukölln. Zuvor schauten die Mitglieder Spiele des VfB immer in einer Kneipe im Stadtteil Prenzlauerberg, doch die wurde irgendwann zu klein. Neun Monate lang suchten die Fanclub-Mitglieder nach einem Ersatz und entschlossen sich schließlich, ein eigenes Vereinsheim zu gründen.

"Witzigerweise war in den Räumlichkeiten zuvor eine Hertha-Kneipe, die pleite ging. Hollywood hätte kein besseres Drehbuch schreiben können", sagt Marko Andric. Im nächsten Jahr soll es eine große Party zum zehnjährigen Bestehen des Rössle geben. 

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