CDU-Bundesparteitag Rems-Murr-Delegierte werden Friedrich Merz wählen

Friedrich Merz: Er wäre der Wunsch-Sieger vieler CDU'ler aus dem Rems-Murr-Kreis bei der Wahl zum CDU-Vorsitz auf Bundesebene gewesen. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Friedrich Merz wird’s – sofern das Votum der drei Rems-Murr-Delegierten repräsentativ ist: Joachim Pfeiffer, Siegfried Lorek und Michaela Bürk werden ihn wählen im Rennen um den Vorsitz beim CDU-Bundesparteitag am Freitag.

Die Probeabstimmung neulich in der Kreisvorstandssitzung sei, so hört man’s munkeln, eindeutig ausgefallen: 27 Leute hätten die Hand gehoben – eine Stimme für Annegret Kramp-Karrenbauer, zwei für Jens Spahn, eine Enthaltung. Der Rest für Merz.

Der Rems-Murr-Kreis dürfte damit auf Baden-Württemberg-Linie liegen: Mehr als 80 einflussreiche CDU-Leute von hier haben sich zur „Initiative für Friedrich Merz“ formiert, von EU-Kommissar Günther Oettinger bis zu Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart. Der Schwäbisch Haller Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, legte sich gar in Frank Plasbergs „Hart aber fair“-Talkshow für Merz ins Zeug und verteidigte, wenngleich unter knochenbrecherischen rhetorischen Ausweichverrenkungen, das Gestotter des Kandidaten auf die Frage, ob er Millionär sei.

Glasklar festgelegt hat sich auch Wolfgang Schäuble: „Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte.“ Der Satz lässt tief blicken: Es geht in Hamburg nicht nur um den CDU-Vorsitz; wer gewinnt, wird Spitzenkandidat bei der nächsten Bundestagswahl.

Lorek: Merz der Beste „zwischen Putin und Trump“

Die CDU wählt am Freitag tendenziell den nächsten Kanzler oder die nächste Kanzlerin: Das klingt auch beim Rems-Murr-Parteitagsdelegierten Siegfried Lorek durch, Landtagsabgeordneter aus Winnenden. Merz, begründet Lorek sein Votum, habe die „außenpolitische Kompetenz“, um „zwischen Putin und Trump Deutschland am besten zu vertreten“.

Die Delegierten seien „völlig frei“ in ihrer Entscheidung, betont Lorek. Aber er weiß den Partei-Mainstream im Rems-Murr-Kreis hinter sich. Fast alle Zuschriften, die er erhalten habe, wiesen in dieselbe Richtung. Im vergangenen Jahr hat Lorek Merz nach Waiblingen gelotst, zur Unternehmerrunde bei Stihl. „Ich habe schon damals erwähnt, ich traue ihm zu, die Konturen der Union wieder nach vorn zu bringen.“

Pfeiffer: März bringt die CDU wieder in „die Balance“

Die Wahl von Merz würde die Balance in der CDU wiederherstellen, sagt der Waiblinger Bundestagsabgeordnete und Parteitagsdelegierte Joachim Pfeiffer. Die CDU stehe auf vier Säulen, einer christlichen, einer sozialen, einer wirtschaftsliberalen, einer konservativen. In den vergangenen Jahren sei die Partei ins Ungleichgewicht geraten, das Wirtschaftsliberale und das Konservative seien „sträflich vernachlässigt“ worden. Diese beiden Säulen zu stärken sei notwendig, um die CDU wieder als „Volkspartei der Mitte“ zu etablieren.

In der Partei verspüre er Rückenwind für Merz. „Die Resonanz ist überwältigend“, so Pfeiffers Einschätzung. Nicht nur im Wahlkreis Waiblingen, in ganz Baden-Württemberg sei „geradezu eine Euphorie für Merz“ zu spüren. Aber die 1001 Delegierten in Hamburg, die am Freitag bis in den Abend hinein tagen werden, spiegelten nicht unbedingt die Partei wider, sondern tendieren nach Pfeiffers Einschätzung eher zu Annegret Kramp-Karrenbauer, die vom Arbeitnehmerflügel, der Frauenunion und den „Dienstwagenfahrern“ unterstützt werde. Auch Jens Spahn habe eine große Anhängerschar unter den Delegierten und werde deutlich besser abschneiden als bei den Mitgliedern.

Die Wahl ist für Joachim Pfeiffer also offen. Zumal sich der Wahlmodus gegen Merz wenden könnte. Außer den drei Aussichtsreichsten, die sich auf den Regionalkonferenzen vorstellen durften, gibt es vermutlich noch eine Handvoll weiterer Kandidaten, so dass überlegt werde, die Redezeit auf zwei, drei Minuten zu beschränken. Je kürzer die Vorstellung jedoch ausfalle, desto mehr stiegen die Chancen für Annegret Kramp-Karrenbauer: Friedrich Merz habe bei den Regionalkonferenzen die Zuhörer nicht auf Anhieb begeistert, sondern Anlauf gebraucht.

Bürk: Friedrich Merz „hat mich komplett überzeugt“

Michaela Bürk hat kürzlich Friedrich Merz live erlebt – und war begeistert: „Er hat mich komplett überzeugt.“ Hinzu kommt aus Sicht der Delegierten, die dem CDU-Kreisvorstand und der Frauen-Union angehört: „Die CDU braucht eine Veränderung.“

Annegret Kramp-Karrenbauer steht aus Michaela Bürks Sicht eben grade nicht für Veränderung; sie wirke wie „Klein-Merkel“. Die CDU brauche jetzt „eine klare Kante“ – Merz werde als CDU-Vorsitzender den „Kuschelkurs“ beenden. Merz’ Haltung zur Flüchtlingsfrage hält Bürk für vernünftiger im Vergleich zu Angela Merkels Politik. Die beiden, Merz und Merkel, werden, sofern Merz die Wahl gewinnt, trotz aller Differenzen gut zusammenarbeiten, davon ist Michaela Bürk überzeugt: „Das sind beides erwachsene Menschen. Und Profis.“

Falls Merz es wird, dürfen wir vom Zeitungsverlag sagen, wir hätten’s schon lange geahnt; das belegt unser Artikel vom April 2017 zum Auftritt bei Stihl. Die Zuhörer seien neugierig gewesen, „ob Merz wohl je wieder in den politischen Ring steigt“, beobachtete unser Reporter seinerzeit – woraufhin Merz erklärt habe: „Er schließe nicht aus, vielleicht wieder ein Amt anzustreben. Er müsse aber etwas bewirken können.“

Der Reporter folgerte damals: „Unter dem Amt des Bundeskanzlers wird’s also nichts mit einem Merz-Comeback.“ Womöglich prophetische Worte.


Bildzeitung für Merz

Sie darf zwar nicht mitwählen am Freitag, gilt aber als eine der wichtigsten Stimmen pro Merz: die Bild-Zeitung. Die Tageszeitung taz hat dieser Tage dokumentiert, wie eng der Schulterschluss zwischen dem Blatt und dem Kandidaten ist. 29 Minuten, nachdem durchgesickert war, dass Angela Merkel nicht mehr um den Parteivorsitz kandidieren wolle, vermeldete Bild: „EXKLUSIV – Merz zur Kandidatur für CDU-Vorsitz bereit“. Sein erstes Zeitungsinterview danach gab Merz der Bild, sein erstes Fernseh-Interview Bild-TV.

Bild und der Axel-Springer-Verlag haben sich der Kanzlerin im Lauf der Jahre zusehends entfremdet. Als in Deutschland der Streit um den Mindestlohn tobte, schrieb Bild unter anderem: „Mindestlohn: Ist das wirklich gut für die Beschäftigten? Nein, sagen Experten“. – „Mindestlohn? Dann gehen wir pleite“. – „Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze!“ – Und: „US-Nobelpreisträger warnt vor Mindestlohn“. Merkel aber winkte den Mindestlohn letztlich durch; der Wirtschaftsliberale Merz hätte ihn womöglich verhindert.

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